Cham 12.09.2012, 17:38 Uhr

Jeder 4. Tierheim-Hund ist Rumäne

2012 hat das Chamer Tierheim am Sandhölzl 87 Fund- und Abgabehunde vermittelt, davon 27 Hunde aus Rumänien – eine umstrittene Tierschutz-Praxis.

Mit einem solchen Heimtierausweis können die Hunde aus Rumänien legal über die „Tierhilfe Hoffnung“ Tübingen nach Cham gebracht werden. 2012 hat das Tierheim bisher 27 solcher Hunde verkauft. Foto: dpa

Mit einem solchen Heimtierausweis können die Hunde aus Rumänien legal über die „Tierhilfe Hoffnung“ Tübingen nach Cham gebracht werden. 2012 hat das Tierheim bisher 27 solcher Hunde verkauft. Foto: dpa

Von Johannes Schiedermeier

CHAM. „Jetzt haben wir auch einen kleinen Ausländer in der Familie“, hat der Mann gesagt. Und dann gab es da noch sechs Welpen. „Die hatten auch alle blaue Pässe und waren schon verkauft. Die waren alle aus Rumänien.“ Das hat das Hundeherrchen im Tierheim doch überrascht. Der Mann wollte an diesem Tag selbst einen Hund abholen und hat dem „Bayerwald-Echo“ seinen eigenen Hundepass gezeigt – auch ein rumänischer Heimtierausweis. „Ich dachte, die wären immer voll? Warum kriege ich dann für meine 150 Euro einen Hund aus Rumänien?“, wunderte er sich. Seinen Namen will er nicht gnenne. „Der Hund ist prima und ich will den auch behalten. Aber es wundert mich eben.“

Das Veterinäramt im Chamer Landratsamt, das für die Überwachung des Tierheimes zuständig ist, bestätigt die Beobachtungen des Hundebesitzers: Eine zweimalige Überprüfung der Bestandsbücher in den letzten Wochen habe ergeben, dass dort 2012 insgesamt 27 Hunde aus Rumänien verzeichnet und vermittelt worden sind. Das berichtet Oberregierungsrat Norbert Wittmann.

Recherchen ergaben, dass die „Tierhilfe Hoffnung Tübingen“ der Lieferant ist. Der eingetragene Verein mit dem Zusatz „Hilfe für Tiere in Not“ wird geleitet von Ute Langenkamp. Sie beliefert sich dort praktisch selbst, weil sie in Rumänien „das laut Guinnessbuch der Rekorde größte Tierheim der Welt“ führt, wie ihre Homepage nicht ohne Stolz vermerkt. Es handelt sich um die sogenannte „Smeura“, übersetzt „Himbeere“. Eine ehemalige Fuchsfarm, auf deren Gelände 80 Angestellte Langenkamps rund 3500 Hunde betreuen, die auf den Straßen Rumäniens zusammengefangen werden.

„Die Papiere sind alle in Ordnung“

Dort pflegt man sie mit recht barbarischen Methoden zu töten. Inzwischen sorgen deutsche Spendengelder für einen regen Abfluss aus der „Smeura“ nach Tübingen. „Zu Stoßzeiten im Sommer kommen schon mal wöchentlich zwei Fahrzeuge mit je 30 Hunden“, berichtet Dr. Theodor Bauer, der stellvertretende Leiter des Veterinäramtes Tübingen. Der Verein habe dafür seit zwei Jahren ordnungsgemäße Papiere und besitze eine Handelserlaubnis für Hunde in Deutschland.

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