Seit 27 Jahren LiBu-Vorsitzender: Walter Kolbeck aus Rimbach Fotos: khd
Von Daniel Haslsteiner
Bad Kötzting/Rimbach. Mit dem Sommer beginnt die heiße Phase der Saisonvorbereitung für die beiden Waldbühnen im Altlandkreis. Der Lichtenegger Bund aus Rimbach spielt das Erfolgsstück „Keryhof“ im zweiten Jahr, die Festspielgemeinschaft vom Bad Kötztinger Ludwigsberg feiert mit „DasHausder Bernarda“ Premiere.
„Ursprünglich war vorgesehen den ‚Keryhof‘ nur ein Jahr zu spielen, aber das ist finanziell nicht denkbar“, sagt Walter Kolbeck, der Vorsitzende des Lichtenegger Bunds (LiBu). Die Kosten für Bühnenbauten und Kostüme seien zu hoch. Der Probenaufwand halte sich im zweiten Jahr in Grenzen. Ab Ende Juni werden die Darsteller nochmals für drei Wochen intensiv an ihren Rollen arbeiten. Am 14. Juli ist die erste Aufführung. „Wir arbeiten seit 25 Jahren so“, erklärt Kolbeck, „unser Regisseur Johannes Reitmeier weiß, was er uns zumuten kann“.
Umbesetzungen beim Keryhof
Schon seit einigen Wochen arbeiten die LiBu-Mitglieder „auf der Burg“. Die Tribüne wurde erneuert, die Bühne soll in den nächsten Tagen folgen. Über 13 000 Euro kosten die Maßnahmen, ein großer Teil werde jedoch vom Bezirk, dem Landkreis, der Gemeinde und insbesondere über den Kulturfonds gefördert. Auch einige Umbesetzungen würden 2012 notwendig, etwa der Fuhrknecht (jetzt Florian Meisner), die Mesners-Kathl (Stefanie Endres), die Mitter und die Jung Dirn (Julia Pongratz und Julia Meindl) und die Ludmilla (Marie Nagler). Der Usko, böhmischer Pascher, wird erstmalig in Doppelbesetzung gespielt. Matthias Schulte und Christian Weiß übernehmen den Part.
Die Monate seit Ende der Spielsaison waren für den Lichtenegger Bund recht erfreulich, wie der Vorsitzende berichtet. Der Höhepunkt war die Verleihung des Oberpfälzer Kulturpreises im November in Waldsassen. „Das war eine große Ehre für den Verein – obendrein konnten wir die 3000 Euro Preisgeld gut gebrauchen.“
Die Vorsitzende der Festspielgemeinschaft vom Ludwigsberg, Beate Bauer
Sorgen um die Zukunft der Vereine
Auch bei den Festspielkollegen am Ludwigsberg laufen die Vorbereitungen für die „Bernarda“-Premiere auf Hochtouren. Die Leseproben laufen bereits. „Der Text muss besonders gut sitzen“, erklärt die Vorsitzende Beate Bauer. Das Stück habe keine Musik- oder Show-Elemente, darum komme es besonders auf die Aussprache an. Da die „Bernarda“ bereits im vergangenen Jahr gespielt werden sollte – ein Todesfall in einer Darsteller-Familie machte das unmöglich – liege der Text bereits komplett vor. Verantwortlich für die Textbearbeitung war, neben Johannes Reitmeier, erstmalig auch Barbara Kerscher.
Die Leseproben finden unter der Regie von Roger Boggasch statt. Der arbeitete bereits bei der „Bettleroper“ mit der Festspielgemeinschaft. „Wir können gut miteinander“, sagt Bauer. Erst wenn die Proben in Lichtenegg vorbei seien, kommt Reitmeier dann auf den Ludwigsberg. „Wir machen das seit 25 Jahren so.“
Wie der LiBu, machen sich auch die Ludwigsberger Gedanken über ihre Zukunft. Ihr langjähriger Regisseur und Mentor Johannes Reitmeier geht als Intendant vom Pfalztheater Kaiserslautern ans Tiroler Landestheater Innsbruck. „Natürlich fragen wir uns, was passiert, wenn er die Zeit für uns nicht mehr aufbringen kann“, erzählt die Vorsitzende. Reitmeier habe jedoch versichert, er stünde auch weiterhin zur Verfügung.
Die notwendigen Umbauten an der Bühne seien überschaubar. Zwei Hütten müssen weg, an den Bühnenseiten kommen kleinere Aufbauten hinzu, die große Treppe bleibe. Zusätzlich seien einige Bretter zu erneuern und Kulissenteile zu streichen. Auch die Vorbereitung der Kostüme falle unproblematisch aus, da ein großer Teil schon im vergangenen Jahr gemacht wurde. Umbesetzungen im Vergleich zur Besetzungsliste 2011 gäbe es keine größeren.
Der Kartenverkauf laufe gut, noch gäbe es aber ausreichend Plätze. Als die Festspieler 2011 kurzentschlossen den „Jedermann“ spielten, gelang es nicht, alle Karten zu verkaufen. „Voll waren wir bei keiner Vorstellung, aber rund 80 Prozent der Karten gingen immer weg.“ Dass der Verein nicht gespielt hätte, war finanziell nicht möglich, die laufenden Kosten waren zu hoch. „Dafür, dass es so kurzfristig angesetzt war, sind wir sehr zufrieden.“
Arbeit muss professioneller werden
Ein Problem, mit dem beide Vereine zu kämpfen haben, ist der Nachwuchs und der zeitliche Aufwand. Der „Mittelbau“ zwischen 30 und 40 sowie junge Burschen fehlen. „Früher sind ganze Familien in den Verein eingetreten“, erzählt Kolbeck. Auch die Arbeit müsse heute anderes organisiert werden. „Vor 25 Jahren haben wir oft das ganze Wochenende auf dem Berg verbracht“, sagt Bauer. Heute lassen das die vielseitigen Belastungen der Darsteller einfach nicht mehr zu. „Wir müssen zwangsweise professioneller arbeiten“, so die Feststellung der beiden Vereins-Vorsitzenden.