Architekt Hans Engl stellte eine Vorplanung mit einer Außenfassade aus farbigen Faserzementplatten vor. Alternativen wären aber auch Naturholz und gedecktere Farben. Repro: Architekturbüro Engl
Von Johannes schiedermeier
LANDKREIS. Auch der Landrat musste sich von Träumen verabschieden. Die neue Chamer Berufsschule ganz in Holzbauweise, das wäre schon etwas gewesen, was ihm gut gefallen hätte. Den Zahn zog ihm Architekt Hans Engl allerdings wegen des Brandschutzes. Doch auch der Architekt musste Federn lassen. Der Bauausschuss – vorwiegend besetzt mit Bürgermeistern samt entsprechend schlechten Erfahrungen – verweigerte sich seiner Flachdachplanung: „Niemals!“
Im Kern Stahl und Beton
Der Holzlandkreis Cham war sich diese Debatte schuldig: Wollen wir eine Berufsschule ganz in Holz. Fazit: Wir hätten ja gerne gewollt, aber dürfen haben wir uns nicht getraut. Insgesamt hätte der Grüne Gerhard Weiherer sicher allen aus dem Herzen gesprochen, als er sich für den Naturbaustoff Holz ins Gefecht warf. Er hatte sich auch in mehrere Beispiele eingelesen. Als er merkte, dass die Mehrheit sich für eine Kernkonstruktion aus Beton und Stahl aussprechen würde, beantragte er zur Geschäftsordnung eine Vertagung dieser Entscheidung und scheiterte mit 10:1.
Der Grund war derselbe, aus dem schon Landrat Franz Löffler im Vorfeld klein beigegeben hatte. Die Berufsschule ist ein Gebäude der Klasse5, erläuterte Architekt Engl. Tragende Teile müssen 90 Minuten lang jedem Brand standhalten. Beim Holz ist es sogar so, dass es verkapselt werden muss und sich nicht einmal verfärben darf. Erschwerend kommt laut Engl hinzu, dass ein solches Projekt, mit einer Grundfläche von 90 mal 80 Metern und drei Stockwerken, in dieser Art noch nicht gebaut worden ist. In so einem Fall müssen sogar Einzelteile einer gesonderten Brandschutzprüfung und Zulassung unterzogen werden.
Der Landrat sah den Baubeginn schwinden und hatte dabei alle Kreisräte hinter sich bis auf Weiherer. Damit war dieser Punkt geklärt: Der Architekt plant das Kerngerüst in Stahl und Beton. Das sei für einen Funktionsbau wie eine Schule angemessen, so die Mehrheit.
Die neue Berufsschule wird auf einer Gebäude-Grundfläche von 720 Quadratmetern direkt im Anschluss an den bestehenden Technologie-Campus in der Badstraße errichtet. Foto: Schiedermeier
Anders diskutierten die Räte da schon über die Fassade. Der Landrat hatte drei Möglichkeiten eröffnet: behandeltes Holz, Naturholz und Faserzementplatten in allen möglichen Farben. Architekt Engel unterbreitete entsprechend bunte Vorschläge.
Gegen behandeltes Holz
Behandeltes Holz wollte am Ende keiner. 60.000 Euro innerhalb von mindestens drei Jahren hätte es gekostet, die 2000 Quadratmeter Fassade ansehnlich zu halten, rechnete der Architekt aus Angeboten von Malerfirmen vor.
So mancher liebäugelte mit Lärchenholz, naturbelassen. Allerdings nimmt auch dieses Holz an manchen Stellen nicht die beliebte silbergraue Färbung an. „Natur ist Natur. Da muss man sich klar sein, was man will“, plädierte Bürgermeister Hiegl für Lärche. Einige Kollegen zeigten sich aber von den Bildern bestehender Objekte abgeschreckt: „Na, des woll ma ned!“
Blieben noch die Faserzementplatten. Die farbenfröhlichen Gestaltungsvorschläge des Architekten lösten unter anderem bei Dr. Weidacher einen Farbschock aus: „Das ist wie bei diesen alten Badfliesen. Irgendwann kann man sowas nicht mehr sehen.“ Weidacher könnte sich dezentes Grau vorstellen. Da kam er Bürgermeister Hiegl recht: „Ja. Lärche, zum Beispiel!“
Erst die Unterschiede vorrechnen
Am Ende einigte man sich darauf, dass der Architekt die Beispiele vorrechnen soll, bevor man sich entscheidet. Inklusive der Unterhaltskosten für die verschiedenen Modelle.
Schnell einig war man sich innen: Holz, soweit es machbar und bezahlbar ist. Bürgermeister Reichold riet zur Vorsicht beim angebotenen Industrieparkett: „Wir haben das probiert. Auf Eingangsflächen geht das ganz schnell hinüber. Und auch an der Fassade wirft es das Holz auf Dauer und es muss jährlich gepflegt werden.“ Trotzdem: Möglichst viel Holz im Innenausbau war eine einstimmige Entscheidung.
Flachdach: Niemals!
Dann hätte Architekt Engl gerne ein Flachdach in Szene gesetzt. Zwei Prozent Neigung, Ausführung in bester Schaumglas-Qualität... Ein Aufschrei unter den Bürgermeistern: Niemals! Da hatte jeder seine Erfahrung. Und die neueste Technik habe man schon in den 60ern angepriesen bekommen, mit den bekannten Ergebnissen. Ergebnis: Es wird ein leichtes Walmdach mit sieben Prozent Neigung.
Außerdem wird Diplom-Ingenieur Jürgen Bummer beauftragt, die Kosten für den energetischen Ausbau der Schule vorzurechnen. Die Spanne reicht bis hin zum automatisch belüfteten Passivhaus. Einzige Vorgabe: Bezahlbar muss es bleiben.
Die neue Berufsschule
Die neue Chamer Berufsschule soll auf dem Gelände neben dem Technologie-Campus entstehen.
Das Gebäude soll drei Stockwerke bekommen und in fünf Modulen gebaut werden.
Modul 1 beinhaltet die Fachbereiche Elektro und Mechatronik.
Modul 2 wird die Heimat der Kfz-Ausbildung. Es wird eingeschossig gebaut, weil die Werkhallen höher sein müssen.
Im Modul 3 sind die Metallberufe.
Modul 4 wird errichtet für die Bereiche Wirtschaft und Ernährung. Darin werden Fachräume enthalten sein sowie ein Restaurant mit Anschluss zum Innenhof.
Modul 5 ist derzeit eine Einfach-Sporthalle. Allerdings wird hier noch diskutiert, ob deren Errichtung nötig ist, oder man nicht doch stattdessen mehr Parkplätze baut.
Im Außenbereich wird über den Vorplatz eine direkte Verbindung zum Campus hergestellt. Außerdem werden hinter dem Gebäude 110 Parkplätze plus Wendemöglichkeit für Busse geschaffen.
25 Millionen Euro wird nach ersten Schätzungen die neue Berufsschule kosten.
Die Schule umfasst 57000 Kubikmeter umbauten Raum auf einer Grundfläche von 80 mal 90 Metern.
Die Fassadenfläche beträgt 2000 Quadratmeter.