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Die Modedesignerin aus dem Bayerwald

Johanna Macht aus Arnschwang tut das, was sie liebt: Mode designen und herstellen — für ihr eigenes Modelabel.
Von Anna-Maria Ascherl

Johanna Macht aus Arnschwang hat ihr Hobby zum Beruf gemacht. Sie tut das, was sie liebt: Mode designen und herstellen – für ihr eigenes Modelabel.

Arnschwang.Ein offenes, lichtdurchflutetes Atelier im Dachgeschoss eines unscheinbaren Hauses ist ihr Zuhause. Große Roben hängen an Haken von der Decke, noch unfertige Kreationen warten auf Schneiderpuppen auf ihre Vollendung. In den Schubladen: Samt, Seide, Lederimitat, Pfauenfedern, Spitze. Es ist aufgeräumt – total untypisch für den Arbeitsplatz von Johanna Macht. „Mein Vater wollte unbedingt, dass wir aufräumen“, schmunzelt sie. „Dabei ist es bei kreativen Menschen nie so ordentlich.“ Und das ist sie, kreativ. Die 25-Jährige hat sich ihren Traum erfüllt und ihr Hobby zum Beruf gemacht. Sie tut das, was sie liebt: Mode designen und herstellen – für ihr eigenes Modelabel Sinnrgie GmbH.

In ihrem Atelier fertigt die Designerin alle Kleider selbst an. Foto: faa

Ist man aufmerksam, kann man es durch das ganze Haus hören: das Rattern der Nähmaschine. Stetig bahnt sie sich ihren Weg durch meterlange Stoffbahnen, am liebsten durch Wildseide, weil die Farbe schöner ist als bei industriell hergestellter Seide. Samt kommt dagegen oft in den Genuss, bestickt zu werden. „Einfach“ gibt es bei Johanna Macht nicht: „Ich arbeite zwar gerne mit Baumwolle, aber dann nur in Kombination mit Spitze oder Lack.“ Aber wie ist sie, die Modedesignerin aus dem Bayerwald? Die Frau, deren Leben die Mode ist, ist selbst so herrlich uneitel. Im einfachen schwarzen Langarmshirt und schwarzer Hose erzählt sie von ihrem Traum, ein Galaxy-Kleid zu entwerfen. Ihre Augen strahlen dabei mit den Swarovski-Steinen, die die Galaxie lebendig werden lassen sollen, um die Wette.

Mit Mode Geld verdienen?

Ironie des Schicksals, wenn man bedenkt, dass Johanna Macht zu Anfang eigentlich gar nichts mit Mode zu tun haben wollte – obwohl sie bereits mit 13 Jahren angefangen hatte, zu nähen. Designer waren ihr zu arrogant, zu unnahbar, Exzentriker wie Karl Lagerfeld für sie ein Extrembeispiel. Deswegen hat sie nach der Realschule in Furth einen anderen Weg eingeschlagen und die FOS in Cham besucht.

Warum hat sie sich schließlich doch für ein Modedesign-Studium in Sigmaringen entschieden? „Meine Hauptsorge war, dass man mit Mode kein Geld verdienen kann. Aber meine Alternativen Psychologie und Astrophysik sahen auch nicht so ertragreich aus“, erzählt die 25-Jährige. Ihre Entscheidung, sich selbstständig zu machen, hat sie nicht bereut: Sie kann gut von ihrer Mode leben.

„Meine Hauptsorge war, dass man mit Mode kein Geld verdienen kann.“

Johanna Macht

Der Stil: Alles außer alltäglich

Der Stil von Johanna Machts Roben lässt sich nicht mit einem Wort beschreiben. Sie mag es gerne opulent, detailverliebt, mit einem Hauch von Gothic – alles außer alltäglich eben. Genauso wie ihre Vorbilder: Riccardo Tisci von Givenchy, Marc Jacobs und der bereits verstorbene Alexander McQueen. Diese Designer schätzt sie aber auch wegen ihrer Normalität. „Im Laufe der Zeit habe ich erkannt, dass ich am Anfang viele Vorurteile hatte. In der Modebranche gibt es auch ganz normale Leute, die sich nach einer Modenschau in Jeans und T-Shirt bedanken.“

„In der Modebranche gibt es auch ganz normale Leute.“

Johanna Macht

In diesen Genuss ist die Arnschwangerin auch schon mehrfach gekommen: 2011 und 2013 beim M’era Luna Musikfestival in Hildesheim und 2014 beim German Vampire Ball. Dort konnte sie ihre Kleider einem großen Publikum vorstellen und sich so einen Namen in der Gothic-Szene machen. Viele ihrer Kunden kommen nur mit einer ungefähren Vorstellung zu Johanna Macht, der Rest bleibt ihrer Fantasie überlassen „und bis jetzt ist immer alles gut gegangen.“

Mitschüler in Wahnsinn getrieben

12 000 Blätter aus Seide hat Johanna Macht auf ihr Rosenblätterkleid genäht. Es war Teil ihrer Abschlussprüfung und ist unverkäuflich. Foto: faa

Es kommt zwar auch mal vor, dass sie „normale Kleider“ näht, zum Beispiel für ihre Mutter, meistens schneidert sie aber vor allem für Bälle und Treffen in der Gothic-Szene und den Karneval in Venedig. Der Preis für ein Kleid ergibt sich durch Zeit und Material, die sie dafür braucht. Die Preisspanne reicht deshalb „von ganz billig“, also 350 Euro, bis etwa 1900 Euro. Manche Kleider leiht sie ein paar Mal für Fotoshootings aus, bevor sie sie verkauft. Andere sind sogar unverkäuflich: Das Sternenkartenkleid, das ihre Liebe zur Astronomie zeigt sowie das Rosenblätterkleid, ein Teil ihrer Abschlussprüfung.

Es ist an einen Film über Marie Antoinette aus den 30er Jahren angelehnt und die 12 000 aufgenähten Seidenblätter haben ihre Mitschüler fast in den Wahnsinn getrieben: „Sie konnten das monotone Geräusch der Nähmaschine nicht mehr hören“, erinnert sich Johanna Macht.

Eines der Kleider von Johanna Macht Foto: blende 666

Wenn die junge Designerin an die Zukunft denkt, sieht sie eine alltagstaugliche, edle Gothic-Linie vor sich. „Das wird erst was werden, wenn ich in den 30ern bin. Ich will noch eine Weile so weitermachen wie bisher, und eine Modelinie erfordert sehr viel Planung.“ Und wenn sie träumen darf? „Dann werde ich einmal ein Kleid für Tilda Swinton entwerfen“, schwärmt Johanna Macht. Sie findet die Schauspielerin „total faszinierend. Sie ist die einzige Person, die total aufwendige Kleider ohne Make-up oder Frisur tragen kann – und dabei immer noch gut aussieht!“

Nur nicht in die Großstadt

Eines wird sich in Zukunft jedoch wahrscheinlich nicht ändern: ihr Wohnsitz. Die Großstadt ist ihr zu laut, zu teuer. Die Ruhe und die Abgeschiedenheit schätzt sie besonders an ihrer Heimat. Die braucht sie auch, um zu arbeiten. Manchmal kann es nämlich richtig laut werden: „Ich lege mich oft mit Musik ins Schlafzimmer, mache die Augen zu und warte, bis die Entwürfe zu mir kommen.“ Bei Problemen macht sie etwas, das nicht fordert: Schwimmen, Radfahren oder Spazierengehen – nichts „Superanstrengendes“. So ist Johanna Macht, erfrischend natürlich und ganz normal – im positiven Sinn.

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