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Samstag, 27. Mai 2017 24° 2

Justiz

Böser Streit um ein wenig Tabak

Ein Angeklagter wurde vom Amtsgericht Cham zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten mit dreijähriger Bewährung verurteilt.

Richter Andreas Lecker verurteilte den Angeklagten zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von sechs Monaten mit dreijähriger Bewährung. Foto: Bastian Winter

Cham.Da erschien am 17. Januar gegen 19.30 Uhr ein 43-jähriger arbeitsloser Koch bei der Chamer Polizei und stellte Strafantrag wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Diebstahls. Über einem Auge hatte der Mann eine 2,5 Zentimeter lange blutende Platzwunde. Diese Verletzung, so berichtete der Anzeigeerstatter dem Beamten, sei ihm soeben von seinem Wohnungsnachbarn zugefügt worden, der ihm außerdem sein Handy gestohlen habe.

Der Nachbar sei gegen 19.10 Uhr zu ihm in die Wohnung gekommen und habe die auf dem Tisch stehende Dose mit Tabak mitnehmen wollen. Darüber sei es zu einem Gerangel gekommen, bei dem ihn der Nachbar mit den Fäusten geschlagen und mit dem Knie ins Gesicht gestoßen habe.

Fünf Tage im Krankenhaus

Nach dieser Tätlichkeit habe der Nachbar sein Handy an sich genommen und mit diesem die Wohnung verlassen. Allerdings habe der Dieb ihm das Handy vom obersten Stockwerk aus nachgeworfen, als er sich auf den Weg zur Polizei gemacht habe. Er habe das Handy auffangen können, so dass es unbeschädigt geblieben sei. Der Polizeibeamte veranlasste die Einweisung des blutenden Mannes in das Krankenhaus, wo dieser fünf Tage stationär zubringen musste.

„Das ist alles erstunken und erlogen“, erklärte der Wohnungsnachbar nun als Angeklagter vor Richter Andreas Lecker. „Ich habe den Zeugen nicht geschlagen und auch sein Handy habe ich nicht gestohlen“. Richtig sei nur, so fügte er hinzu, dass es wegen des Tabaks zu einer Rangelei gekommen sei. Der Zeuge sei nämlich ein Schmarotzer und Abstauber und er habe lediglich einen Teil des Tabaks zurückgefordert, mit welchem er dem Zeugen mal ausgeholfen habe. Das Handy habe er zwar zunächst an sich genommen, es aber vor die Wohnungstüre gelegt.

„Und wie erklären Sie sich dann die Verletzungen?“, wollte Richter Lecker wissen. „Der ist schon öfter total besoffen vor der Haustüre gelegen“, so die Antwort des Angeklagten. Eine von ihm vor Gericht zitierte Zeugin bezeichnete den Nebenkläger als Psychopathen, der nur Schauermärchen erzähle und lüge, wenn er das Maul aufmache. Außerdem sei er einmal in sie verliebt gewesen, sie ihm aber eine „geduscht“ habe, als er sie unsittlich berührt habe. Der Polizeibeamte, der die Anzeige aufnahm, bestätigte als Zeuge, dass der Nebenkläger mit einer frischen, blutenden Wunde an der Stirn zur Inspektion gekommen sei. Diese Aussage war letztlich entscheidend für Staatsanwalt Christian Späth, der Schilderung des Nebenklägers Glauben zu schenken. Er beantragte daher, den mehrfach vorbestraften Angeklagten wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Diebstahls zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von sieben Monaten mit Bewährung zu verurteilen.

500 Euro Schmerzensgeld

Der Nebenklägervertreter schloss sich diesem Antrag an, nicht so allerdings der Verteidiger. Das Handy sei nicht gestohlen, sondern lediglich an anderer Stelle abgelegt worden und die Körperverletzung durchaus nicht nachgewiesen. So forderte der Anwalt Freispruch hinsichtlich beider Delikte.

Doch Richter Andreas Lecker verurteilte den Angeklagten zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von sechs Monaten mit dreijähriger Bewährung. In Anrechnung auf dessen Schmerzensgeldforderungen muss der Verurteilte dem Nebenkläger außerdem 500 Euro bezahlen.

Der Tatbestand des Diebstahls sei schon erfüllt gewesen, als der Angeklagte das Handy dem Zugriff des Eigentümers entzogen habe. Und die Verletzung stehe in einem so engen zeitlichen Zusammenhang zur auch vom Angeklagten eingeräumten „Rangelei“, dass eine andere Ursache ausgeschlossen werden könne. (cog)

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