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Sonntag, 31. Juli 2016 25° 7

Hilfsaktion

Chamer „Weihnachtsmänner“ für Rumänien

Vier Männer aus dem Landkreis Cham brachten als Weihnachtstrucker viel Freude nach Rumänien. Sie erzählen ihre Geschichte.

Michael Schmidbauer, Daniel Promesberger, Thomas Tschöpe und Christopher Schegerer (v.l.) vor der Abreise Fotos: cga

Cham.Das Glück ist ein seltener Gast in den Karpaten – einige, die das wissen, sind Daniel Promesberger, Michael Schmidbauer, Christopher Schegerer und Thomas Tschöpe. Dementsprechend beherzt versuchen sie den Menschen dort zu helfen. An den Weihnachtsfeiertagen machten sie sich wieder auf den langen Weg nach Rumänien, um Kinder und Hilfsbedürftige zu beschenken.

Familien, Kindergärten, Schulen und Vereine im Landkreis hatten zuvor für die vier Fahrer etwa 1200 Pakete mit Grundnahrungsmitteln und Hygieneartikeln geschnürt. Weitere 800 Bündel holten sie beim Logistikzentrum von Lidl in Straubing-Sand ab, die die Kunden des Discounters für die Aktion gestiftet hatten.

Geburtstag auf der Autobahn

Die vier Trucker sind inzwischen der Inbegriff für Hilfsbereitschaft, denn ihr humanitärer Einsatz ist wohl nicht leicht zu überbieten. Sie opferten unentgeltlich eine Urlaubswoche im Kreise ihrer Familien, um mit den Lastwägen notwendige Hilfspakete zu den Bedürftigen zu bringen. Christopher Schegerer musste sogar seinen Geburtstag auf der Autobahn feiern.

Christopher Schegerer (l.) und Thomas Tschöpe mit rumänischen Kindern Fotos: cga

In einer Gruppe mit sieben weiteren Trucks und zwei Begleitfahrzeugen führte die Tour bis nach Transsilvanien. „In Rumänien ist das Fahren unglaublich anstrengend“, erinnert sich Schegerer. An Verkehrsregeln halten sich die Einheimischen kaum. Vor allem auf den Landstraßen mussten sie immer wieder riskanten Überholmanövern ausweichen. Fehlende oder unzureichende Leitplanken an den Böschungen und kratergroße Schlaglöcher machten den Trip umso abenteuerlicher. „Es ist nicht selbstverständlich, dass dort eine umgefahrene Leitplanke sofort repariert wird. Meist bekommt sie nur einen neuen Anstrich, in der Hoffnung, dass sie weiterhin hält“, erklärt Schmidbauer, dem auch die extrem niedrigen Absicherungen an metertiefen Abhängen noch gut im Gedächtnis hängen geblieben sind.

Reise in die Vergangenheit

Der Blick in die strahlenden Kinderaugen war aber die verdiente Entschädigung für die Strapazen am Steuer. An speziellen Ausgabestationen wurden die Pakete auf wendigere Kleintransporter umverteilt und zu den Familien gebracht. Mehrmals begleiteten dann die vier Helfer auch einen Konvoi in die entlegenen Dörfer. Dabei hatten sie mehrmals das Gefühl, in die Vergangenheit zu reisen. Menschen auf Pferdefuhrwerken waren auf den engen Feldwegen keine Seltenheit. „Damit wird alles transportiert – Holz, Möbel, Mist, Tiere. Ein Pferdegespann ist quasi das universelle Transportmittel“, meint Promesberger.

Thomas Tschöpe verteilt die Pakete an Bedürftige.

Noch viel erschreckender war aber die große Not der Menschen. „Ich hatte schon viele Geschichten von meinen Kameraden gehört, aber das ganze Ausmaß kann man sich erst vorstellen, wenn man selber vor Ort ist“, beschreibt Thomas Tschöpe die Situation. Der 28-Jährige sprang kurzfristig als Ersatz für Dominik Artmann ein und war deswegen das erste Mal dabei. „Selbst auf Bildern kann das Elend in der Bevölkerung nicht eingefangen werden. Es ist einfach nur schockierend.“

Viele Familien leben unter katastrophalen Bedingungen dicht gedrängt in Plattenbauten. Die Zimmer sind oft feucht und schimmlig. „Auf den Gängen hängt ein unangenehmer modriger Geruch in der Luft“, sagt Schegerer. Die Armut ist in den Wohnungen allgegenwärtig: Gekocht wird an einer kleinen Feuerstelle, Toiletten existieren nicht, Wasser schöpfen die Menschen aus dem Brunnen im Hof, der Strom wird meist illegal von Hauptleitungen abgezweigt. In einem Fall lebte eine zehnköpfige Familie in ärmsten Verhältnissen auf annährend 15 Quadratmetern. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 50 Prozent. Der Durchschnittslohn beträgt etwa 200 Euro. Trotzdem ist das Leben sehr teuer, die Preise für Lebensmittel und Benzin sind auf einem ähnlichen Niveau wie in Deutschland.

Im Rollstuhl auf sich allein gestellt

Während ihres dreitägigen Aufenthalts wurden die Helfer auch immer wieder mit persönlichen Einzelschicksalen konfrontiert, die sie teils tief bewegten. Nicht vergessen können sie eine Frau, die aufgrund einer körperlichen Behinderung an den Rollstuhl gebunden ist. Trotzdem ist sie komplett auf sich allein gestellt, denn ein staatliches Pflegesystem existiert gewissermaßen nicht. „Einmal in der Woche kommt eine Kochhilfe vorbei, das war es dann aber auch. Bei uns unvorstellbar“, so Schmidbauer.

Daniel Promesberger (2.v.r.) und Michael Schmidbauer (r.) bei einer rumänischen Familie.

Viele Kinder stürzten sich regelrecht auf die Pakete. Als sie die bunten Stifte und die Schokolade sahen, stand ihnen die Freude ins Gesicht geschrieben. Ein Moment hat sich bei Schegerer besonders eingeprägt: „Die Buben und Mädchen haben sofort um das Malbuch gestritten. Dann haben sie die Seiten rausgerissen und unter sich aufgeteilt. Da wurde mir klar, dass ein Paket für eine Familie einfach viel zu wenig ist.“

Erschöpft von den 3000 Kilometern Fahrt, aber überaus zufrieden, kamen die Weihnachtstrucker noch vor Silvester wohlbehalten in der Heimat an. Für sie war es inzwischen die dritte Tour nach Rumänien. Seit Beginn ihrer Mission konnten sie dort noch keine Besserung erkennen. „Die Infrastruktur – gerade auf den Autobahnen – ist gewachsen. Das Leben auf dem Land hat sich bislang noch nicht geändert. Es bleibt ein harter Kampf“, sagt Schmidbauer.

An den Rollstuhl gebunden und trotzdem auf sich alleine gestellt: Michael Schmidbauer übergab der behinderten Frau ein Hilfspaket.

Angesichts der großen Not wünschen sich alle, dass die Hilfsbereitschaft der Menschen im Landkreis nicht nachlässt. Für sie selbst steht heute schon fest: „Im nächsten Jahr sind wir wieder unterwegs“. Die wertvollen Lebensmittel erleichtern das Leben der Bedürftigen in der kalten Winterzeit um ein Vielfaches und bereiten gerade den Kindern eine riesige Weihnachtsfreude. „Wir möchten uns ganz herzlich bei allen Spendern und Unterstützern bedanken, obwohl beim Einsammeln diesmal ein wenig Verwirrung bei den Terminen herrschte.

Oftmals sind die Pakete das einzige Weihnachtsgeschenk, das die Menschen bekommen. Ein großer Dank der Truppe ergeht an die Spedition Mossandl, die für den fünftägigen Trip eine Zugmaschine zur Verfügung stellte. Die Regensburger Spedition Schmid steuerte den passenden Auflieger bei. Die Firma Zollner Elektronik aus Zandt stellte den zweiten Lkw samt Auflieger bereit. Ein „Vergelt’s Gott“ gebührt auch der Firma Zitzmann, die ihnen während der Sammeltour mit einer Zugmaschine aushalf. (cga)

Weitere Meldungen aus dem Landkreis Cham gibt es hier

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