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Montag, 25. September 2017 18° 3

Wirtschaft

Chef muss mit gutem Beispiel vorangehen

„Gesunde Unternehmen Cham“: Unternehmen werden in Gruppen über einen Zeitraum von zwei Jahren begleitet und beraten.
Von Claudia Peinelt

Chefs und Vertreter der Initiative Gesunde Unternehmen debattierten über die Gesundheit ihrer Belegschaft (sitzend v. l.): Martin Simmel, Beate Wassmer, Josef Dischner, Peter Lugbauer, Johann Stangl und Michael Simmel. Hinten v. l.: Moderator Frank Betthausen, Winfried Mellar, Karin Bucher, Markus Müller und Johann Urban Foto: Peinelt

Cham.Deutschland und der Region gehen die Fachkräfte aus. Bis 2030 stehen dem Landkreis Cham 30 Prozent weniger Schulabgänger und somit weniger Auszubildende zur Verfügung als heute. Die Unternehmen werden zehn bis 15 Prozent weniger Arbeitskräfte zur Verfügung haben. „Die Betriebe legen schon heute rote Teppiche für Bewerber aus“, sagte Winfried Mellar, Bereichsleiter Fächkräftesicherung der IHK Regensburg, bei der Auftaktveranstaltung „Gesunde Unternehmen Cham“ im Sparkassensaal in Cham.

Müller: Landratsamt vorbildlich

Unternehmer und Mitarbeiter nutzten dort am Dienstagabend die Möglichkeit, sich über betriebliches Gesundheitsmanagement und über die Initiative „Gesunde Unternehmen“ zu informieren. Das Projekt des Regensburger GMS-Instituts hat zum Ziel, kleine und mittelständische Unternehmen über monatliche Workshops bei der Implementierung eines individuellen, betrieblichen Gesundheitsmanagements zu unterstützen.

Frank Betthausen, Redaktionsleiter der Mittelbayerischen Zeitung für den Landkreis Cham, führte als Moderator durch das Forum, mit Bürgermeisterin Karin Bucher als einem Ehrengast des Abends: „Die Stadt Cham hat etwa 2000 Unternehmen mit über 14 000 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten“, berichtete die Bürgermeisterin. Benötigt würden jedoch mehr. Vor allem um Spezialisten habe der Wettbewerb begonnen. Karin Bucher: „Wer als Unternehmer die besten Arbeitsbedingungen bietet, wird auch neue Arbeitnehmer bekommen.“

Die Arbeitswelt heute werde von immer mehr psychischem Druck geprägt. „Burn-out ist in aller Munde“, sagte der stellvertretende Landrat Markus Müller. Die Menschen im Landkreis würden auf lange Sicht immer weniger und die sozialpflichtigen Arbeitsplätze immer mehr. Der Fachkräftemangel zeige sich immer deutlicher. Umso mehr müssten die Unternehmer dafür sorgen, dass eine angemessene Gesundheitsvorsorge in den Betrieben gemacht werde. Auch im Landratsamt werden seit fünf Jahren eine entsprechende Gesundheitsvorsorge angeboten. Betriebliche Gesundheitsfürsorge werde für die Unternehmen das Thema der Zukunft sein. Denn nur gesunde Mitarbeiter könnten viel leisten.

„Die Zukunft wird mit den Menschen gemacht“, so Diplom-Psychologe Martin Simmel, Geschäftsführer des GMS-Instituts. Er referierte an diesem Abend zum Thema „Hauptsache Gesundheit“. Als erstes müssten die Führungskräfte in den Firmen für dieses Projekt sensibilisiert werden. Es müsse ein Führungsverständnis, das den Menschen in den Mittelpunkt stelle, hergestellt werden.

Das heißt Gesundheitsmanagement

Gesundheitsmanagement schaffe Rahmenbedingungen, die eine frühzeitige Erkennung von Überbelastungs- und Risikofaktoren erlaubten und binde die Mitarbeiter systematisch bei der Vermittlung von Wissen und Fähigkeiten zu einer gesundheitsfördernden Lebensführung mit ein. „Unternehmensgesundheit beginnt in den Köpfen der Menschen“, so Simmel. Der Psychologe machte in seinem unterhaltsamen Vortrag deutlich, warum es so wichtig ist, dass das Thema Gesundheit als echtes Managementprinzip Einzug in die Firmenphilosophie hält. „Wer die Mitarbeiter in der Firma halten möchte, muss sich unbedingt um deren Wert kümmern“, sagte Simmel. Arbeit dürfe nicht als gesundheitsbelastender, sondern als gesundheitsfördernder Faktor wahrgenommen werden. Das Gesundheitsmanagement mit System müsse von der Firmenleitung getragen werden. „Gesundheit sollte Chefsache sein.“

Simmel stellte die Frage in den Raum: Wie macht man eigentlich Gesundheit? Persönliche Werte wie Sinn- und Selbstverwirklichung, Zuversicht, Optimismus und Hoffnung gehörten genauso dazu wie soziale Werte. Anerkennung und Wertschätzung durch andere Menschen spielten ebenso eine große Rolle wie ein tragfähiges soziales Umfeld. Viele Unternehmen oder Führungskräfte verfügten jedoch nicht über das nötige Wissen, um Gesundheitskonzepte in ihrer Firma einzuführen.

Bei einer Podiumsdiskussion von Firmenchefs und Führungskräften stellte sich heraus, dass es gar nicht so einfach sei, ein Gesundheitskonzept einzuführen. Der demografische Wandel habe jedoch bereits viele Geschäftsinhaber dazu bewegt, auf ihre Mitarbeiter zu achten. „Es ist ein fortwährender Prozess und es muss von der Firmenleitung vorgelebt werden“, sagte Johann Stangl von Stangl & Co. aus Roding. Michael Simmel von Reifen Simmel erklärte ganz offen: „Meine Mitarbeiter waren erst skeptisch, doch nach vielen kleinen Schritten ist daraus eine Unternehmenskultur geworden.“

Gesundheit als Firmensziel

  • Konzept

    Gesunde Unternehmen heißt ein Konzept, das der breiten Masse an mittelständischen Unternehmen einen personell und finanziell niederschwelligen Einstieg in das Betriebliche Gesundheitsmanagement mit System bietet. Unternehmen aller Branchen werden in Gruppen über einen Zeitraum von zwei Jahren begleitet und beraten.

  • Ziel

    Ziel ist die Schaffung einer Unternehmer- und Unternehmenskultur, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt und qualitativ nachhaltige Entwicklungen fördert – zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit des Mittelstands.

Manchmal genügt Freundlichkeit

„Arbeitnehmer sehen heute sehr genau, ob die Rahmenbedingungen in der Firma für jeden Einzelnen stimmen“, sagte Speditionschef Sepp Dischner. Bei 80 Fahrern, die während der Woche nicht in der Firma seien, sei ein Gesundheitskonzept harte Arbeit. Bei der Zollner AG läuft das Projekt „Gesunde Unternehmen“ gerade an. „Es werden Führungskräfte geschult und Probleme zusammengetragen“, berichtete Peter Lugbauer. Auch wird bereits in Projektgruppen erarbeitet, wo die psychischen Schwerpunkte liegen. „Belastungen müssen minimiert und Stärken gefördert werden“, sagte er. Zollner-Mitarbeiter müssten das Gefühl bekommen, dass sie wichtig seien und in den Mittelpunkt gerückt würden. Manchmal sei Gesundheitsförderung aber auch ganz einfach: „Wenn du am Morgen durch die Hallen gehst und die Mitarbeiter anlächelst und sie lächeln zurück, dann hast du schon gewonnen“, sagte Johann Stangl.

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