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Samstag, 29. April 2017 12° 4

Überraschung

Der Zirkus, der vom Himmel fiel

Wie der kleine Zirkus Kaiser in die Bundesstraßen-Abfahrt kam und warum seine Dromedare nun Gegenverkehr sein dürfen.
Von Johannes Schiedermeier

So mancher traut seinen Augen nicht, wenn er zurzeit von der B 22 abfährt und im Kleeblatt der Abfahrt einen Zirkus findet und Dromedare im Gegenverkehr unter der Bundesbahnbrücke.Fotos: Schiedermeier

Cham.„Da geht ein Dromedar!“ Der Skoda-Fahrer in der Auffahrt zur B 22 bei den Goldsteig-Käsereien zweifelt kurz am Geisteszustand seiner Beifahrerin, bevor er über Alkohol-Konsum uns seine Folgen nachdenkt: Er sieht nämlich zehn Dromedare. Eine halbe Stunde später geht es dort die Abfahrt wieder runter. „Spinnst Du! Da steht ein Zirkus!“ – Und tatsächlich leuchtet im Begleitgrün der vierspurigen Kreuzung hoch über dem Zirkuszelt in bunten Lämpchen „Kaiser“.

Da steht der Zirkus, wie vom Himmel gefallen. In gewisser Weise ist er das auch. Denn eigentlich hatte Zirkus-Chef Kaiser das Feld gegenüber gepachtet. Die große Wiese in Richtung der Johann-Brunner-Mittelschule, mit den Parkplätzen vor der Schule in den Osterferien als freundliche Dreingabe. Dachte er.

Falsch gepachtet

Die Hörner wirken einschüchternd.

Als dann die Lastzüge seines Unternehmens dort eintrafen und die 14 Zirkus-Mitarbeiter aufbauen wollten, kam der Feldbesitzer und schickte sie weg. Da erst stellte sich heraus, dass das gepachtete Feld samt hinterlegter Kaution auf der anderen Straßenseite lag. Praktisch eines der vier Kleeblätter der Bundesstraße 22, eingebettet in die Anfahrt Richtung Goldsteig-Käsereien.

„Was blieb uns übrig. Da sind wir dann halt hingezogen“, sagt die Pressesprecherin der Zirkusleute, Tina Quaiser. Und so sahen die Chamer einigermaßen fassungslos Dromedare im Gegenverkehr und Rinder mit riesigen Hörnern im Begleitgrün der Bundesstraße. Die Fassungslosigkeit zog schnell weitere Kreise. Der Besitzer der Fläche, das Staatliche Bauamt in Regensburg war baff. Das Ordnungsamt in Cham auch, das Landratsamt als Verkehrsbehörde erst recht. Wie kommt ein Zirkus an die Bundesstraße und darf der das?“

Knapp fünf Wochen ist der Esel-Nachwuchs alt.

Eigentlich nicht. Aber er darf. Zumindest bis Sonntag. Aber dann darf nie wieder einer. Denn Straßenbauamts-Chef Dr. Richard Bosl will solchen Dingen in Zukunft eine Schranke vorschieben. „Das darf natürlich so nie wieder passieren. An einer vierspurigen Kreuzung neben einer Abfahrt können wir keinen Zirkus brauchen“, sagt Dr. Bosl. Bei einem gemeinsamen Termin mit Stadt, Landratsamt und Polizei habe man aber auch die Probleme der Zirkusleute verstanden und sie an dem Platz gelassen. Allerdings unter der Voraussetzung, dass die gefährliche zu- und Abfahrt von den Zirkusleuten betreut wird.

Stars und Sternchen

  • Bison:

    Taurus, der Bison-Bulle ist das Lieblingstier von Pressesprecherin Tina Quaiser. Er war ein Flaschenkind, ist aber bis heute innerlich ein Wildtier geblieben. Am Kopf anfassen lässt er sich ungern und nur sein Herrchen darf ihn führen. Ansonsten ist er ein gemütlicher Geselle, den auch Schmuddelwetter nicht aus der Ruhe bringt.

  • Nachwuchs:

    Der Esel-Nachwuchs ist gerade fünf Wochen alt geworden. Im Zirkus Kaiser gibt es mehrere Jungtiere. Auch bei den Dromedaren läuft inzwischen der Nachwuchs mit und hat sich schnell an Besucher gewöhnt, auch wenn die Nähe der Mama immer noch erwünscht ist.

  • Känguru:

    Zahm ist auch das Känguru, das inzwischen auch schon seinen Auftritt in der Manege hat. Es darf am Halfter vorausgehen. Der Mitkollege im Gehege ist noch einen Kopf kleiner und geht Besuchern lieber aus dem Weg. Jede Tierart hat ihren eigenen Betreuer im Zirkus Kaiser, der mit ihr arbeitet und sich darum kümmert.

  • Rinder:

    Die Hörner im Rindergehege dürfen auch mal etwas breiter auslegen. Das macht was her, auch wenn die Träger des Kopfschmucks sehr gemütliche Rassen sind. Allerdings sollte man den Wirkungskreis nicht unterschätzen, wenn man so ein Rinderhirn mal kraulen möchte, damit man anschließend nicht selbst ein Hörnchen trägt.

Wohin hätte man sie auch schicken sollen. Die Stadt Cham lässt nämlich seit Jahren schon keinen Zirkus mehr auf öffentliche Plätze. „Wir haben da ganz schlechte Erfahrungen. Wir haben den Dreck weggeräumt und sogar einen Zirkus überwintern müssen“, erinnert Ordnungsamts-Chef Sepp Altmann.

Der Bisonbulle Taurus gehört zu den größten Tieren des Zirkus.

Die Pressefrau im Zirkus Kaiser kennt das alles. „Wir haben mit diesen Dingen überall zu kämpfen. Ich sage immer: Verlangen Sie 2000 Euro Kaution, dann passiert das nicht. Wir sind die Leidtragenden. Wir räumen unseren Müll weg und halten den platz sauber. Wir wollen ja auch unsere Kaution wieder.“

Auch über die Sache mit den Plätzen kann Tina Quaiser ein Liedchen singen. „In vielen Städten verweist man uns auf private Grundstücksbesitzer. Gleichzeitig darf uns aber auch niemand sagen, wem die geeigneten Grundstücke gehören. Das macht uns dass Leben schon schwer. Es ist auch traurig, dass man alle so über einen Kamm schert!“

Noch vier Vorstellungen

Auch das Känguru tritt in der Manege auf.

Nun ist der Platz gefunden. So oder so. Die ersten beiden Vorstellungen waren gut besucht, die dritte so lala. Die Zirkusleute hoffen nun auf die zweite Woche. Donnerstag, 15.30 Uhr, geht es weiter. Dann Freitag und Samstag um dieselbe Zeit. Und am Sonntag ist letzte Vorstellung um 14 Uhr. Dann fährt der Tross weiter nach Amberg.

Mit den Tierschützern gab es in Cham bisher keine Probleme. Das Veterinäramt hat den Zirkus besucht und laut Landrats-Pressesprecher Friedrich Schuhbauer nichts beanstandet. Auch nicht, dass die Dromedare nur durch Schnur und Graben von der Straße getrennt sind. „Steht schon im Koran“, sagt Schuhbauer: „Ziehe einen zwei Fuß breiten Graben und du wirst kein Kamel verlieren.“ – Gilt auch für Dromedare. Jedenfalls waren die gestern noch da. Ach ja. Räudig sehen sie aus, hat einer im Internet geschrieben. Stimmt. Der Fachmann nennt das Fellwechsel.

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