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Donnerstag, 28. Juli 2016 24° 1

Sprache

Herr Landrat, sprechen Sie noch Dialekt?

Lukas Decker hat eine Facharbeit geschrieben, auf die Franz Löffler stolz ist. Die Chamer haben auch einmal „niad“ gesagt.
Von Ernst Fischer

Lukas Decker zeigt dem Landrat, dass sich in seiner Heimat der Ur-Dialekt im Landkreis Cham am beständigsten hält: „Waldmünchen ist die wirksamste Sprach-Barriere gegen fremde Einflüsse.“ Foto: Fischer

Cham.„Niad“ statt „ned“. Oder „Jacha“ für „Jaga“. Landrat Franz Löffler und Lukas Decker sprechen die selbe Sprache. Sie kommen beide aus Waldmünchen. Und: Diese Ecke im Landkreis Cham ist „eine sehr wirksame Sprachbarriere“. Lukas hat das in einem halben Jahr wissenschaftlicher Arbeit herausgefunden. Der junge Mann macht heuer Abitur am Chamer Robert-Schuman-Gymnasium und hat gerade in einem Deutsch-W-Seminar zum Thema Dialekte eine Facharbeit geschrieben. 18 Seiten hat das Werk.

Der Trend zum Einheitsbayerisch

Mit Literaturhinweisen und angehängten Karten ist eine dicke Mappe daraus geworden, die der Gymnasiast am Freitag dem Landrat auf den Tisch legte. Und Franz Löffler zeigte sich „begeistert“.

Was auch für ihn neu war: Vor 100 Jahren noch haben auch die Chamer einmal niad statt ned gesagt, wenn sie „nicht“ meinten. Oder „Jacha“ für Jäger. Das war nämlich einmal Ur-Oberpfälzisch. Aber seit 50 Jahren schleift sich das langsam ab zu einem schickeren Einheitsbayerisch, wie es im Radio oder Fernsehen („Dahoam is dahoam“) gern daherkommt. Lukas Decker nennt es „Allgemeinbayerisch“.

Dabei gibt es im Landkreis Cham insgesamt acht verschiedene „Sprachlinien“. Auch das hat Lukas Decker herausgefunden. Und nur die Waldmünchner Ecke von Rötz bis Geigant leistet da den tapfersten Widerstand gegen die Vermischung. Der Landrat ist da auch ein bisserl stolz drauf. Er lasse auch bei offiziellen Reden gerne mal mit Dialekt-Einfärbungen durchscheinen, wo er herkommt, sagte er. Denn: „Sprache ist Zuordnung. Und wir müssen aufpassen, dass diese Identität nicht verloren geht..“

Den Schüler Lukas Decker aus dem kleinen Waldmünchner Vorort Hirschhöf lobte Löffler deshalb über den Schellnkönig für seine Facharbeit. „Da stecken viele wissenschaftliche Ansätze drin.“ Das will sich der Chamer Landrat auch in seiner Funktion als Bezirkstagspräsident zunutze machen. Der Bezirk habe gerade einen Auftrag an die Uni Regensburg erteilt, den Bayerischen Sprachatlas für die Oberpfalz fortzuschreiben, versprach er dem Chamer Gymnasiasten: „Ich will dich mit den zuständigen Leuten dort zusammenbringen.“

Warum schleifen sich Dialekte ab?

Und dann hätte den Landrat noch interessiert, was Lukas Decker mit seinem wissenschaftlichen Faible für den Dialekt nach dem Abitur am liebsten studieren möchte. Irgendwas mit Sprache? „Na, niad“, sagt Lukas: Sicher ist das sowieso noch nichts, aber „…eher in Richtung Volkswirtschaft.“

Das hat er nämlich auch gelernt bei seiner Facharbeit: Wenn die Menschen im Landkreis Cham eine um die andere von den acht ureigenen Sprachlinien langsam aufgeben, dann hat das auch mit dem wirtschaftlichen Aufschwung dieses Landstrichs zu tun. Denn: Handel ist Wandel, das bedeutet Austausch –„und je mehr Einflüsse, umso größer die Gefahr für die eigene Sprache“.

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