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Donnerstag, 19. Oktober 2017 18° 2

Bier

Hopfen und Malz, Gott erhalt’s

Die Wirtschaftsjunioren aus Cham besichtigten die Rhaner Brauerei. Seit 500 Jahren gilt das Bayerische Reinheitsgebot.
Von Hans Schmelber

  • Die Chamer Wirtschaftsjunioren besichtigten die RhanerBrauerei, rechts Dr. Alois Plößl und seine Frau Stefanie. Foto: fsh
  • Frank Betthausen (links) bedankte sich bei der Familie Plößl für den informativen Abend rund ums Bier. Mit auf dem Bild der Wirts Wast, Wast Hausladen Foto: fsh

Cham.„Bier in Bayern ist mehr als ein Nahrungs- oder Genussmittel, Bier in Bayern ist ein Kulturgut. Und unsere Brauerei gehört weltweit zu den zehn ältesten Brauereien, die urkundlich erwähnt werden“, sagte Dr. Alois Plößl, Chef der Brauerei Rhan, am Montagspätnachmittag zu den Wirtschaftsjunioren. Diese waren sehr zahlreich gekommen, um bei der Brauereibesichtigung alles Wesentliche über den Betrieb zu erfahren und später beim Wirtswast in Grafenkirchen einen Vortrag von Plößl zu hören.

„Wir feiern heute einen 500. Geburtstag vor“, sagte Plößl zu Beginn der Führung. Die Zeitmaschine startete im Jahr 1776, die amerikanische Nationalhymne erklang: „Thomas Jefferson war damals Präsident und bei uns geht das Brauhaus in Rhan ins Eigentum der Familie Bruckmayer über. Er ist Stammvater der Familie Bruckmayer und begründet eine einzigartige Familientradition, die bis heute andauert“. Mit dieser Zeitreise wolle man den Besuchern darstellen, dass Bier in Bayern ein Kulturgut ist und stark verwoben ist mit der Geschichte Bayerns, erklärte der Brauereichef.

Preis vorgestellt

Der zweite Teil des Abends wurde beim Wirts Wast in Grafenkirchen weitergeführt. Bevor Dr. Plößl mit seinem Vortrag startete, präsentierte Vorstandsmitglied Frank Betthausen den Anwesenden die vor kurzem erhaltene Auszeichnung der Wirtschaftsjunioren. Ursula von der Leyen, ihres Zeichens Verteidigungsministerin, hatte den Wirtschaftsjunioren diesen Preis für ihr Engagement für Bundeswehr-Soldaten im Auslandseinsatz verliehen.

„500 Jahre Bayerisches Reinheitsgebot - eigentlich begann alles schon vor 1516“, erklärte Dr. Plößl. „1283 wird in Kirchenbüchern unsere Brauerei erwähnt. Zu dieser Zeit war Bier als Genussmittel wenig verbreitet, viel mehr der Wein, als Relikt der Römer und deren Winzeraktivitäten. Nach „schwarzen Wintern“ im 14. Jahrhundert waren viele Weinstöcke erfroren, Weinanbau nur noch eingeschränkt möglich und es begann eine Suche nach einem Ersatz-Genussmittel. Bierbrauen wurde landauf, landab begonnen. Und weil das Bier damals nicht genügend berauschende Wirkung entfaltete, wurden Tollkirschensaft und die Essenz des Nachtschattengewächses hinzugefügt mit der Folge von Veitstanz/Tanzwut als Krankheitsbild.

Die vier Bestandteile

Am 30. November 1487 erließ Herzog Albrecht von Bayern für das Teilherzogtum Bayern-München die Münchner Brauordnung, wonach Bier „nu füran auch aus nichts anderem dann Hopfen, Gersten und Wasser gesotten werden“ darf. Danach erließ für das Teilherzogtum Bayern-Landshut Herzog Georg der Reiche von Bayern-Landshut ein analoges Reinheitsgebot. „Item die Bierbräuer und andere sollen auch nichts zum Bier gebrauchen denn allein Malz, Hopfen und Wasser, noch dieselben Bräuer auch die Bierschenken und andere nichts anderes in das Bier thun, bey Vermeidung von Strafe an Leib und Gut“. Nachdem Herzog Albrecht IV. die drei bisherigen Teilherzogtümer Bayern-München, Bayern-Landshut und Bayern-Ingolstadt wieder zu einem Herzogtum zusammenführte, hatte dies zur Folge, dass für die Bierherstellung zwei Gesetze galten. Infolgedessen bestand Handlungsbedarf, was im Jahr 1516 die Söhne von Albrecht IV, Herzog Wilhelm IV. und Ludwig X. mit dem bis heute gültigen Reinheitsgebot erfüllten.

Nach so viel geschichtlichem Hintergrund präsentierte Dr. Alois Plößl dann die vier Bestandteile des Bieres entsprechend des Bayerischen Reinheitsgebotes. Die bayerischen Brauer stellen an ihr Brauwasser in der Regel höhere Anforderungen, als der Gesetzgeber sie an Trinkwasser stellt. Braumalz wird hauptsächlich aus Braugerste erzeugt, aber auch Weizen und andere Getreidearten finden Anwendung für Spezialbiere. Die Malzqualität hat einen großen Einfluss auf die Qualität des Bieres. Um das Thema Malz auch geschmacklich zu definieren, erhielten die Wirtschaftsjunioren dazu eine Probe vom neu kreierten Bier „Rhaner oak-aged Bock“.“Stark und wuchtig, ein Gaumenspiel der besonderen Güte: Mokka, dunkle Schokolade, ein Hauch von Vanille, zarter Whiskey-Flavour, „smooth and warm“.

Malz zum Probieren

Um das Thema Malz zusätzlich geschmacklich abzurunden, standen auf den Tischen beim Wirts Wast jeweils fünf Gläser mit entsprechenden Malzsorten zum Probieren. Das schmeckte dem Frank Betthausen so gut, dass er sogar nachfragte, ob man das in großen Mengen unbekümmert essen könnte. „Völlig unbedenklich“, bestätigte ihm Dr. Plößl und wies darauf hin, dass es ein reines Naturprodukt ist. Hopfen verleiht dem Bier seine charakteristische bittere Note sowie besondere Aromen. Frank Betthausen überreichte an Stefanie Plößl ein kleines Präsent und bedankte sich im Namen der Wirtschaftsjunioren.

Der 500. Geburtstag wird am Samstag, 23. April, mit einem großen Brauereifest mit Sonderpostamt, Craftbier-Area, bayerischen Schmankerln, Kinderprogramm und Podiumsdiskussion im Hof der Brauerei Rhan gefeiert.

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