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Natur

Jäger: „Wir sind keine Luchsmörder“

Zwei Jäger aus dem Lamer Winkel äußerten sich im Fernsehen zu den getöteten Luchsen. Seitdem ernten sie Kritik.

Wer hat die Luchse getötet? Die Staatsanwaltschaft Regensburg hat bisher noch keine konkrete Spur. Foto: dpa

Cham.Während die Staatsanwaltschaft Regensburg weiter im Fall der zwei getöteten Luchse im Lamer Winkel ermittelt, zieht der Fall durch ein BR-Interview weitere Kreise. Die Waldbauern und Jäger Otto Frisch aus Hinterwaldeck und Andreas Roßbauer aus Hinteröd sehen sich seit einer Abendschau-Sendung des Bayerischen Fernsehens vor zwei Wochen als Ziel einer Beschimpfungskampagne. „Wir haben lediglich unsere Meinung gesagt und die steht uns als freien Bürgern wohl zu!“, sagen die beiden. Andreas Roßbauer erhielt dieser Tage einen Drohbrief mit Beleidigungen: „Wie gut, dass dein Vater schon so früh gestorben ist...“, schreibt der Verfasser. Und schiebt nach: „...und euch gehören die Hände und Füße....“

Kritik ist „menschenverachtend“

„Wir stehen als die Luchsmörder da und können uns nicht einmal dagegen wehren“, beklagen die beiden Waldbauern im Gespräch mit dem Bayerwald-Echo. „So etwas ist menschenverachtend“, sagt BJV-Kreisgruppenvorsitzender Bruno Ebner zu den Beleidigungen und Drohungen, die in dem Brief an den jungen „Veitbauern“ Andreas Roßbauer enthalten sind. „Die beiden haben lediglich ihre private Meinung wiedergegeben und das steht ihnen auch zu“, sagt Ebner.

Otto Frisch aus Hinterwaldeck (links) und Andreas Roßbauer aus Hinteröd fühlen sich zu Unrecht Anfeindungen ausgesetzt. Foto: kad

Nur weil den beiden Waldbauern eine Mitarbeiterin des BR geraten habe, vor der Kamera ihren Standpunkt zu erläutern, um den Verdacht zu entkräften, dass sie und ein weiterer Einödbauer im Lamer Winkel etwas mit den nach wie vor ungeklärten Funden von Luchs-Vorderpfoten bei Treiling zu tun haben könnten, hätten sie überhaupt zu der Sache Stellung genommen, sagen Frisch und Roßbauer. Nun breche von Tierschützern, Politikern von Bündnis 90/Die Grünen und sogar von Führungskräften des Landesjagdverbandes Kritik auf sie herein.

„Jegliche Äußerungen, die in diesem Zusammenhang von Einzelpersonen getätigt werden, (…) werden vom Bayerischen Jagdverband strikt abgelehnt“, heißt es dazu in einer Stellungnahme des Jagdverbands gegenüber dem Fernsehsender. Am Freitag war bei dem Verband für das Bayerwald-Echo niemand mehr für ein persönliches Statement erreichbar.

Der Grünen-Abgeordnete im Bayerischen Landtag, Markus Ganserer, schrieb zu dem BR-Interview einen offenen Brief an den Landesjagdverband. Darin heißt es, dass die Antworten der beiden Jäger eine tiefe Aversion gegenüber dem Luchs beziehungsweise der Arbeit der Naturschützer seien. Der Chamer Kreisvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Michael Doblinger, steht hinter dem Brief. „Die Aussagen der beiden Jäger belegen eindeutig deren Abwehrhaltung gegen den Luchs.“

„Wo ist die Grenze beim Luchs?“

„Ich habe noch nie einen Luchs in freier Wildbahn gesehen“, sagt dagegen Otto Frisch. Aber in seinem 250-Hektar-Eigenjagdrevier in Hinterwaldeck, hoch über Lam gelegen, fanden sich seit den 80er Jahren immer wieder Risse der großen Raubkatze. Sieben verschiedene Luchse habe er schon mit Wildkameras aufgenommen und dies auch der Luchs-Beauftragten Sybille Wölfl mehrfach mitgeteilt. Über viele Jahre hatte er drei Rehe auf dem Abschussplan, nach dem Vegetationsgutachten von 2013 sei der Abschuss auf sechs Rehe erhöht worden. „Soviel habe ich ja gar nicht im Revier“, sagt der Waldbauer. Ihm gehe es keineswegs darum, dass Luchse abgeschossen werden sollten. „Aber wenn zu viele da sind, sollten doch einzelne Tiere gefangen und woanders ausgesetzt werden“, hat Frisch auch vor der Kamera erklärt.

Nach Ansicht von Luchs-Experten hat eine große Waldkatze ein Streifgebiet von bis zu 60 Quadratkilometern. Wenn laut Luchs-Monitoring bis zu zehn Großkatzen im Lamer Winkel heimisch sind, die jedes Jahr Junge bekämen, werde klar, dass der Lebensraum und das natürliche Nahrungsangebot für die Tiere knapp werden, sagen Andreas Roßbauer und Otto Frisch. „Wir sind ja in erster Linie Waldbauern“, sagt Otto Frisch.

Traditionell werde in den dünn mit Rehwild besetzten 23 Eigenjagdrevieren zwischen Arber und Lam das Wild kurz gehalten. Das entspreche und helfe der natürlichen Waldentwicklung. Wenn aber zehn oder mehr Luchse mitjagten, bleibe für die Eigenjagdbesitzer nichts mehr übrig.

Der Luchs als Jagd-Konkurrent?

„Ich bin absolut für den Luchs und würde auf dieses schöne Tier nie schießen“, sagt Otto Frisch, aber es könne langfristig nicht gutgehen, dass wieder eingebürgerte Wildarten mit allen Mitteln geschützt würden.

Diesen Punkt kritisiert Markus Schmidberger von der LBV-Kreisgruppe in Nößwartling. „Die Jäger haben ein Konkurrenzdenken gegenüber dem Luchs und sind deshalb ernst zu nehmen“, sagt Schmidberger. Sonst gehe es mit dem Luchs in Zukunft bergab. Otto Frisch und Andreas Roßbauer sind da anderer Meinung. Der „völlig überzogene Tier- und Naturschutz“ führe nicht nur beim Luchs zu untragbar hohen Bestandszahlen. Die Wiederansiedlung von Bibern und Fischottern zeige deutlich, dass mit dem Schutzgedanken allein die Probleme nicht zu bewältigen seien, die diese Tierarten verursachten.

In den Eigenjagd- und Genossenschaftsrevieren würden die Abschussquoten immer wieder erhöht und der Staat zahle sogar „Kopfgeld“ für jedes erlegte Reh, beklagt Otto Frisch. Denn wer in einem Pirschbezirk im Staatswald besonders viele Rehe schieße, werde mit geringeren Pachten „belohnt“. Viel sinnvoller fänden es die beiden Waldbauern, wenn im Staatswald ganz auf den Rehwildabschuss verzichtet werden würde. Dann könnten diese Rehe wenigstens als Futter für den Luchs dienen, sagen Roßbauer und Frisch. Aber davon wolle der Staat nichts wissen.

Jäger im Fokus der Ermittlungen

Der Fund von insgesamt vier Luchs-Vorderpfoten, inklusive Schulterblatt, gibt den beiden Eigenjagdbesitzern auch aus einem anderen Grund zu denken. Das seit Jahren von Sybille Wölfl verantwortlich betriebene Luchs-Monitoring-Projekt im Bayerischen Wald sei im Mai 2015 in der bisherigen Form ausgelaufen. Dass ausgerechnet zu einem solchen Zeitpunkt, an dem das Projekt ende, ein „sensationeller Fund“ in unmittelbarer Nähe des Wohnorts von Sybille Wölfl auftauche, finden Frisch und Roßbauer „schon sehr seltsam“.

Sybille Wölfl zeigte sich angesichts dieser Aussage von Frisch und Roßbauer im ersten Moment sprachlos. „Wir sind schon gemeinsam in der Küche gesessen und haben uns über die Luchse unterhalten“, sagt sie. Die beiden seien nicht richtig informiert. „Das Luchs-Monitoring läuft weiter und ist lediglich in der Fläche halbiert worden“, erklärt sie. Seit 2013 sei bekannt, dass das grenzüberschreitende Luchs-Projekt in dieser Größenordnung nur bis 2015 bestehe. Wölfls Arbeit an dem Projekt läuft aber weiter. Was Frisch und Roßbauer diesbezüglich behaupteten, sei „an den Haaren herbeigezogen“.

Luchs-Monitoring

  • Das Luchs-Monitoring

    im Bayerischen Wald und Böhmerwald wird laut Landesamt für Umwelt in Augsburg „mit unterschiedlicher Intensität und mit unterschiedlichem räumlichen Bezug durchgeführt“.

  • In einem grenzüberschreitenden

    Projekt wurde 2013 und 2014 erstmals die Methodik der Fotofallen auf die gesamte Luchspopulation in Bayern, Böhmen und Oberösterreich ausgeweitet.

  • Dieses Projekt,

    bei dem die Regierung von Niederbayern die Federführung übernahm, war laut Pressestelle des Landesamtes auf zwei Jahre angelegt und endete im Mai 2015. Nähere Informationen finden sich unter www.luchsprojekt.de.

  • Das Luchs-Monitoring

    werde auch nach Abschluss des vorgenannten Projekts auf bayerischer Seite fortgesetzt, „wenngleich derzeit mit geringerer Intensität und auf geringerer Fläche“, so die Stellungnahme des Landesamtes.
    Vorhaben, das im Jahr 2016 beginnen soll, sei im Winter 2014/2015 von den Projektpartnern ausgearbeitet und im Februar dieses Jahres federführend vom tschechischen Umweltministerium beantragt worden.

  • Das Monitoring geschützter

    Tierarten, also auch die Überwachung des Luchsbestandes, sei eine gesetzliche Verpflichtung und werde vom Landesamt für Umwelt koordiniert, heißt es auf Echo-Anfrage weiter.

  • Bedingt durch die Größe

    des Lebensraums dieser Tierart hätten sich in den letzten 20 Jahren neben den staatlichen Stellen weitere Einrichtungen, Verbände und Einzelpersonen beteiligt, so der Naturpark Bayerischer Wald, die Wildland-Stiftung des bayerischen Jagdverbandes, Bund Naturschutz, Landesbund für Vogelschutz, WWF und viele Jäger, die als Luchsberater in den Hegegemeinschaften tätig sind. (kad)

„Jäger werden ständig verdächtigt“

„Für uns steht keineswegs fest, dass ein Jäger die Luchspfoten dort ausgelegt hat“, sagen die beiden Eigenjagdbesitzer, die wegen ihrer luchskritischen Haltung im Fernsehbericht angefeindet werden. Und auch BJV-Vorsitzender Ebner sieht keinerlei Beweise dafür, dass Jäger die Luchse erlegt haben könnten. „Aber Verdächtigungen werden ständig gegen uns ausgesprochen“, beklagt auch er. „In ihrem Interview wehren sich die beiden Waldbauern lediglich gegen die wilden Spekulationen gegenüber den Jägern in diesem Fall“, sagt Ebner.

Gerade die verschiedenen Luchsläufe deuten nach Ansicht von Waidmännern darauf hin, dass sie eben nicht von Jägern dort abgelegt worden seien. So dumm sei wohl nicht einmal der einfältigste Jäger, dass er Beine einer streng geschützten Tierart in der Gefriertruhe aufbewahre, um sie bei Gelegenheit auslegen zu können.

Angesichts der Luchs-Pfotenfunde im Lamer Winkel müsse wohl auch die Frage erlaubt sein, was mit den überfahrenen Luchsen von Stallwang, einem vergifteten und einem mit Schrotmunition bei Bodenmais gewilderten Luchs passiert sei. „Jäger haben diese Tiere auf jeden Fall nicht in Besitz genommen“, davon sind Frisch und Roßbauer überzeugt.

„Wir wollen nicht als die Luchsmörder dastehen“, sagen Frisch und Roßbauer, die mit der Natur leben und eine nachhaltige Waldwirtschaft pflegen. Zur Natur gehöre sicher auch der Luchs, betonen sie, aber langfristig sollte nach ihrer Ansicht auch darüber nachgedacht werden, wie viele dieser Tiere der Lamer Winkel eigentlich vertrage. (kad/gb)

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