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Freitag, 15. Dezember 2017 11

Kunst

Die Chamer Nacht erstrahlt im Kalender

Fotograf Michael Cizek wirft einen eigenen Blick auf seine nächtliche Heimatstadt. Das Ergebnis findet nicht nur Bewunderer.
Von Johannes Schiedermeier

Stadt Cham bei Nacht – so lautet das Motto den Kalenders 2018, dessen Fotos Michael Cizek gemacht hat. Gut getroffen – hier der Beweis. Fotos: Cizek

Cham.Harte Kante und eine ganz eigene Färbung – das Ergebnis ist wie sein Fotograf. Michael Cizek kennt das Netz unter dem Pseudonym „Der Mitch“. Seine bearbeiteten Bilder haben ihn über den Landkreis Cham hinaus bekannt gemacht. Nun hat er seine Heimatstadt Cham des Nachts durchwandert und einen ganz eigenen Blick darauf geworfen, der nun zu einem Kalender für 2018 geworden ist.

Nachts, wenn die Straßen leer sind und einen ganz eigenen Charme im Glanz der Lichter entwickeln, lässt der Mitch bezaubernde Augenblicke für die Ewigkeit zu einem farbenfrohen Bild erstarren. Menschen? Nein, nachts nicht. Doch, halt, im Dezember steht ganz klein im Hintergrund ein Menschlein vor einem erleuchteten Schaufenster am Rathauseck.

„Bilder wurden schon immer bearbeitet.“

Michael Cizek zur Kritik

Im Internet spaltet der Mitch die Netzgemeinde. So richtig kalt lassen seine bearbeiteten Bilder kaum einen. Da sind auf der einen Seite seine glühenden Fans und auf der anderen diejenigen, die seine Form der Bearbeitung als künstlich ablehnen. Doch der Mitch wäre nicht der Mitch, würde ihn das nicht kalt lassen. „Bilder wurden schon immer bearbeitet. Schon zu Zeiten, als sie noch schwarz-weiß waren. Jetzt geht das halt digital. Man kann eigene Effekte einbauen und seinen eigenen Stil entwickeln. Es ist doch egal, ob das allen gefällt. Und es ist auch egal, wer das beste Bild oder das erste Bild von irgendwas gemacht hat“, sagt der Fotograf. Den Anspruch, ein Künstler zu sein, erhebt er nicht. Und er beteiligt sich geradlinig wie er ist deshalb auch nicht an irgendwelchen Wettbewerben.

Das persönliche Lieblingsbild des Fotografen im neuen Kalender ist ein besonderer Durchblick durch das Chamer Wahrzeichen. Fotos: Cizek

Das heiß nicht, dass der Mitch keine Ansprüche hätte. Im Gegenteil. Er besitzt eine Vollformat-Profikamera und lichtstarke Objektive. Nur diese Kombination macht derartige Bilder möglich. „10 000 Euro gehen für so eine Ausrüstung schon drauf“, sagt er. Und schon hat er die neue Nikon D 850 im Visier ... Bei solchen Anschaffungen gibt es allerdings eine Institution, die mitentscheidet – seine Frau Natalya. Die ist zum Glück auch ein Fan seiner Bilder. Mal sehen, laut Kalender ist ja auch heuer wieder Weihnachten.

Michael Cizeks Blick auf die Chamer Nacht

Natürlich gibt es auch den Marktplatz bei Nacht. Fotos: Cizek

Für den Mitch zählt der Spaß. Dafür hat er inzwischen auch Freunde wie den Werner von der Lippe gewinnen können. „Wir gehen schon mal nachts auf einen Friedhof und blasen bei einem Grad Kälte künstlichen Nebel zwischen die Gräber. Und dann freuen wir uns diebisch über das Ergebnis: Schau mal – Wahnsinn!“ Manche haben auch angefangen, den Mitch zu kopieren. Das stört ihn nicht. Manchen hat er sogar die notwendigen Tipps gegeben. Außerdem kommentiert er auch im Netz keine fremden Bilder. „Ich like, wenn mir was gefällt – das war’s!“

Und noch ein paar Lebensziele

Der Mitch und sein Sohn Adam präsentieren den Kalender „Cham bei Nacht 2018“. Fotos: si

Der Mitch hat in seinem Leben schon schlechte Zeiten erlebt. Er redet ganz offen über Rückschläge und Burnout. Letzterer hat ihn zur Fotografie zurückgebracht. Es gibt eben nichts Schlechtes, aus dem nicht etwas Gutes entstehen könnte. Der Mitch arbeitet als gelernter Kraftfahrzeug-Mechaniker, Anlagenbauer und Spezialschweißer nun Schicht bei Zollner. Von 6 bis 14 Uhr. „Um 20.30 Uhr gehe ich ins Bett. Da kann ich auch schlafen. Das geht“, erzählt er. Und er packt auch sein neuestes Lebensziel aus: mit 50 nochmal einen Sixpack haben. Dafür trainiert er an vier Tagen in der Woche Kraft, Schwimmen und Laufen.

Es gibt Durchblicke, die jeder kennt. Trotzdem ergeben sich ganz neue Aspekte, wenn man seine Kamera vor der Rathaus-Passage einmal auf den Boden legt. Fotos: Cizek

Sein Motto: „Jeder ist verantwortlich für sein Leben. Ich helfe gerne, aber ich mag kein Selbstmitleid.“ Aus diesem Gedanken heraus ist auch mit der RM-Medienagentur sein neuer Kalender entstanden. Er kostet 15,90 Euro und ist in den Chamer Buchhandlungen, beim Haberl-Metzger, bei der Medienagentur und über Facebook beim Mitch selbst zu haben. – Und bei der Caritas. Die bekommt nämlich von jedem der 666 gedruckten Kalender drei Euro aus dem Verkaufserlös. Damit sollen ehrenamtliche Mitarbeiter im Hospizdienst, der Trauerbegleitung und dem Frauennotruf unterstützt werden.

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