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Wildtiere

Der Wolf kann überall auftauchen

Die Jäger im Landkreis Cham stehen Gewehr bei Fuß für wandernde Tiere – aber nicht zum Schießen! Sie warnen nur die Menschen.

  • Wolf im Gehege des Bayerwald-Tierparks in Lohberg. Aus dem Gehege ist am 5. April 2003 ein Wolf entlaufen. Von dem Tier hat man bis heute nichts mehr gehört und gesehen. Archiv-Foto: dpa
  • 3. März 2015: ein Wolf neben einer Straße im Landkreis Cloppenburg Foto: dpa
  • 6. April 2014: wolfsähnliches Tier bei Dorfen im Landkreis Erding Foto: dpa
  • 17. Februar 2015: Wolf in der Fotofalle im Segeberger Forst Foto: dpa

Furth im Wald.Der Wolf ist da! Erwin Pongratz sagt das. Der Mann ist Sprecher der Jäger-Kreisgruppe Furth im Wald und „Beauftragter für Große Beutegreifer“. So nennt man offiziell die Experten, die gerufen werden, wenn irgendwo in Bayern ein Wolf auftaucht. Pongratz hat sich jetzt ganz öffentlich zum Thema in einer Presse-Erklärung zu Wort gemeldet.

Wölfe wurden in den letzten Monaten gehäuft gesichtet – bundesweit, aber auch in Bayern. „…oder was man dafür gehalten hat“, schränkt Pongratz ein. Am 23. Januar wurde beim Sylvensteinspeicher im Landkreis Miesbach eine tote Rothirschkuh gefunden. „Wolfsriss“ lauteten die ersten Schlagzeilen. Alarmstimmung: „Der böse Wolf ist da.“

Dumm gelaufen, erklärt Pongratz heute. Genanalysen schlossen den Wolf als Verursacher aus. Die Hirschkuh war einzig und allein Hunden zum Opfer gefallen. Dagegen scheint das am Sonntag, 1. März 2015, im Landkreis Rottal-Inn fotografierte Tier tatsächlich ein Wolf gewesen zu sein. Das hat die Auswertung des Bildmaterials ergeben.

Bayern ist Wolf-Zuwanderungsland

Wolf im Gehege des Bayerwald-Tierparks in Lohberg. Aus dem Gehege ist am 5. April 2003 ein Wolf entlaufen. Von dem Tier hat man bis heute nichts mehr gehört und gesehen. Archiv-Foto: dpa

Für die Jäger und ihren Beauftragten für Große Beutegreifer kommt diese Feststellung nicht überraschend. „Bayern ist potenzielles Wolf-Zuwanderungsland“, sagt Erwin Pongratz. Seit einigen Jahren werde der Wolf in Bayern regelrecht erwartet. Mitarbeiter in den Jäger-Kreisgruppen würden auch seit einigen Jahren auf dieses Ereignis hin geschult und vorbereitet.

Das gleiche galt und gilt für Luchs und Bär. Entsprechendes Monitoring werde bei den Behörden vorgehalten, erklärt Pongratz, Schutz- und Notfallpläne (bei Gefahr für Schafe oder Menschen) würden entwickelt. Die Mitarbeiter im Netzwerk Große Beutegreifer werden jährlich in mehreren Seminaren weitergebildet.

In zahlreichen Bundesländern gibt es bereits nachweislich Wolfsrudel. In Graubünden sind Wölfe schon länger heimisch. In der Paarungszeit müssen die Jungwölfe die Rudel verlassen. Auf der Suche nach einem neuen Revier legen sie oft hunderte von Kilometern zurück. „Ihr Weg ins Blaue führt sie unter anderem dann auch nach Bayern“, sagt Pongratz: „Sie können auf der Durchreise überall auftauchen.“ Der Jagdexperte aber gibt Entwarnung: „Bei uns ist der Wolf, wie Luchs und Bär, willkommen, zog er doch lange vor uns seine Spuren durch das Land“.

Der Wolf in Deutschland

  • 33 Rudel

    Seit 1996 leben in Deutschland wieder Wölfe. Aktuell sind 33 Rudel und Wolfspaare nachgewiesen: Lausitz, Sächsische Schweiz, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen.

  • Bayern

    Nach Bayern können jederzeit einzelne Wölfe zu- oder durchwandern – sowohl aus dem Nordosten Deutschlands als auch aus dem Alpenbogen aus Österreich, der Schweiz und Italien.

  • Kein Nachweis

    Einen Nachweis auf die dauerhafte Anwesenheit von Wölfen in Bayern gibt es nicht.

  • Einzeltiere

    Folgende Einzeltiere konnten sicher nachgewiesen werden: 2006 wurde bei Starnberg ein junger, durchwandernder Rüde aus dem Mittelmeerraum überfahren; ein Wolf aus Frankreich hielt sich 2010 im Mangfallgebirge/Tirol auf.

  • Fichtelgebirge

    Im Dezember 2011 wurde am Schneeberg im Fichtelgebirge ein Wolf von einer Automaten-Kamera fotografiert.

  • 2014

    2014 gab es drei Nachweise: bei Brannenburg (Landkreis Rosenheim), bei Dorfen (Erding) und bei Oberstdorf-

  • Infos

    Weitere Informationen beim Landesamt für Umwelt: www.lfu.bayern.de

  • Hinweise

    Wolfshinweise sollten bei Polizei oder Landratsamt gemeldet werden.

Auch der Wolf will leben, und dazu benötigt er Futter. Im vergangenen Jahr hat ein Wolf in Brannenburg, Landkreis Rosenheim ein Stück Rotwild gerissen. Weitere Meldungen kamen aus Erding und dem Oberallgäu.

„Wölfe sind keine Bestien“

Pongratz: „Wölfe sind keine Bestien, aber auch keine Kuscheltiere, sie sind Raubtiere.“ Der Further Jäger sagt das aus eigener Erfahrung in Kanada: Während eines Trips durch die Rocky Mountains brachen Wölfe in sein Jagdcamp ein und töteten zwei seiner Hunde. Eine läufige Wölfin lockte eines Abends, ohne dass man vorher etwas bemerkt hätte, die Hunde vor der Hütte ins Freie. Ihr Todesurteil: Die Hunde wurden vom restlichen Wolfsrudel binnen Minuten zerrissen.

1. März 2015: Wolf im Wohngebiet in Wildeshausen (Niedersachsen) Foto: dpa

Normalerweise zeigen Wölfe keine Aggression gegenüber den Menschen, sie sind sehr scheu und flüchten, sobald ein Mensch auftaucht, erklärt Pongratz: „Ein Restrisiko aber bleibt, wie bei allen Raubtieren, vor allem dann, wenn einzelne Wölfe, wie in Niedersachsen, die Scheu vor dem Menschen verlieren.“

Die Empfehlung des Jagdexperten: Distanz halten und langsam, sehr langsam sich groß machend und laut rufend den Rückzug antreten. Keinesfalls den Eindruck von Flucht erwecken. Hunde an die Leine nehmen. Auf sie reagieren die Wölfe mit besonderer Neugier und sehen in ihnen, wenn sie sich bereits niedergelassen haben, Revierkonkurrenten, die angegriffen werden. Die Tiere auf keinen Fall anlocken, oder füttern!

Nicht schießen: Sie sind geschützt

Seit 2014 gibt es für Bayern einen Plan für Wolfsmanagement, den das Umweltministerium erarbeitet. Er lässt viele Fragen offen, sagt Eric Imm, der Naturschutzbeauftragte des Jagdverbandes. Imm: „Angesichts der Entwicklung sehen wir dringenden Handlungsbedarf mit Blick auf die landwirtschaftliche Tierhaltung, aber auch auf das Rotwildmanagement.“

Und noch ein Pongratz-Rat von Jäger zu Jäger: Von eigenmächtigem Handeln, gar dem Abschuss, wird abgeraten. Wölfe sind geschützt. Im Zweifel, welches Tier Sie vor sich haben, machen Sie Fotos. Setzen Sie sich dann mit der Polizei ins Benehmen. Die können Ihnen den jeweiligen Ansprechpartner für Große Beutegreifer benennen.

Die mit dem Wolf lebt

Claudia Schuh ist Leiterin des Bayerwald-Tierparks Lohberg. Dort sind auch Wölfe im Gehege zu sehen, zurzeit ein Rudel mit acht Tieren. Wir haben nachgefragt: Wie ist es, mit dem Wolf zu leben?

Frau Schuh, wie lange gibt es schon Wölfe im Bayerwald-Tierpark?

Seit 15 oder 16 Jahren haben wir auch Wölfe im Gehege.

Hat es in dieser Zeit jemals eine gefährliche Situation für Menschen gegeben?

Nein, niemals – jedenfalls nicht in den elf Jahren, in denen ich hier bin. Unsere Wölfe sind nicht auf Menschen sozialisiert. Das heißt, sie weichen dem Menschen aus.

In den Jahren 2003 und 2013 sind Wölfe aus dem Tierpark entkommen. War das gefährlich?

Der junge Wolf von 2013 ist in den Tagen danach rund um Lohberg noch gesichtet worden. Aber von den Tieren hat man dann nie wieder etwas gehört.

Und jetzt? Sind Ihnen aktuelle Meldungen von Wolfssichtungen aus unserer Gegend zu Ohren gekommen?

Nein, aus unserer Nähe nicht. Ich hab nur ein Foto aus der Gegend von Schwandorf-Weiden bekommen. Das war aber eindeutig ein Hund.

Was soll man tun, wenn man einem Wolf begegnet?

Die Wahrscheinlichkeit ist so gering! Ein Wolf hat viel intensivere Sinne als ein Mensch. Der ist schon lange geflohen, bevor wir ihn überhaupt bemerken.

Und wenn’s doch passiert?

Claudia Schuh ist die Leiterin des Bayerwald-Tierparks Lohberg. Foto: Archiv

Ganz ruhig bleiben. Auf keinen Fall wegrennen!

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