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Samstag, 23. September 2017 17° 2

Festspiel

Drache bewirbt sich um eine hohe Ehre

Regisseur, Archivar und Kulturamt stellen Bewerbung für die Aufnahme ins bundesweite Verzeichnis des Kulturerbes zusammen.
Von Evi Paleczek

Das Festspiel hat sich im Lauf der Zeit immer wieder verändert. Das ist gut, befindet die Deutsche Unesco-Kommission. Fotos: Archiv/Benjamin Franz

Furth im Wald. Vor zwei Jahren hat die Stadt eine Bewerbung für die Aufnahme des Drachenstich-Festspiels in die landesweite Liste des immateriellen Kulturerbes verschickt, mit Erfolg. Und das hat gleichzeitig den Versuch bedeutet, für eine Prüfung zur Aufnahme ins bundesweite Verzeichnis ausgewählt zu werden, erklärt Kathi Drescher-Seidl vom Kulturamt im Gespräch mit unserem Medienhaus.

Und auch dieser Versuch hat geklappt: Im April vergangenen Jahres erfuhr die Stadt, der Bayerische Ministerrat habe die Drachenstich-Bewerbung zur Aufnahme ins Bundesverzeichnis nominiert. Die Deutsche Unesco-Kommission hat dann unter den Vorschlägen der Länder gewählt – und der Drachenstich war nicht dabei.

Die Bewerbung überarbeiten

Die Stadt hat allerdings ein Schreiben bekommen, man dürfe die Bewerbung überarbeiten, und es wurden auch Tipps gegeben, welche Punkte für eine Aufnahme des Festspiels ins Bundesverzeichnis erfüllt sein sollten. Und so haben Regisseur Alexander Etzel-Ragusa, Stadtarchivar Werner Perlinger und sie noch einmal zusammengeholfen, um sich zum 30. April noch einmal zu bewerben, sagt Drescher-Seidl. Zudem enthält das Geheft Empfehlungsschreiben von Bezirksheimatpfleger Dr. Tobias Appl und Prof. Dr. Hans-Michael Körner. Gefordert wird in der Bewerbung etwa eine Kurzbeschreibung mit 600 Wörtern über die nachweisbare Präsenz des Festspiels seit mehreren Generationen, die gegenwärtige Anwendung und Praxis sowie die Aktivitäten zur Erhaltung und Weitergabe an kommende Generationen. Es sei ganz wichtig, dass der Drachenstich nicht an Bedeutung nachlasse, erklärt Drescher-Seidl. Dieses Problem gebe es in Furth aber nicht.

Kathi Drescher-Seidl stellt die Bewerbung zusammen. Foto: Paleczek

Abgegeben werden zudem 300 Wörter zur Beschreibung der kulturellen Ausdrucksform und heutigen Praxis. Da geht es laut Drescher-Seidl um Darsteller, Technik und Objekte, aber auch um die Bedeutung für die Gemeinschaft und den identitätsstiftenden Charakter, der einer der wichtigsten Kriterien für die Aufnahme ins Bundesverzeichnis sei.

300 Wörter wurden außerdem über Entstehung und Wandel des Festspiels verfasst, darüber, dass der Drachenstich nichts Starres, Verharrendes ist. Weitere 150 Wörter waren zu den Aktivitäten um das Festspiel herum gefordert. Auch da muss man nicht suchen, sagt Drescher-Seidl. Das ist in Furth alles gegeben. Außerdem an die Bewerbung angehängt werden Fotos, Filme, Tondokumente und ein Literaturverzeichnis, um die kulturelle Ausdrucksform zu dokumentieren.

Der Unesco-Kommission ist unter anderem die Veränderbarkeit von Brauchtum wichtig, erklärt Drescher-Seidl. Das Festspiel müsse sich immer wieder dem Zeitgeschehen anpassen, sich damit auseinandersetzen und es kritisch reflektieren. Es gebe keinen Brauch, der sich nicht seinem kulturellen Kontext anpasse. Brauchtum existiere nicht isoliert vom Rest der gerade vorherrschenden Einflüsse. Es lebe davon, dass es wahrgenommen und dass darüber diskutiert werde. Und da sei der Drachenstich ja ein Paradebeispiel, freut sich die Mitarbeiterin des Kulturamts. An den verschiedenen Spielfassungen, die über die Jahre hinweg entstanden, sei ersichtlich, wie man sich immer wieder mit der gerade vorherrschenden Wirklichkeit auseinandergesetzt habe.

Das Drachenstich-Programm 2017

  • Generalproben:

    2. und 3. August, jeweils um 20 Uhr

  • Festspieltermine:

    4. bis 6., 11. bis 14. und 17. bis 20. August, jeweils um 20, am 13. August zusätzlich um 15.30 Uhr

  • Historischer Festumzug:

    13. August, 14 Uhr

  • Historisches Kinderfest:

    19. August: 13.30 Uhr Kinderdrachenstich, ab 14 Uhr Spieleparcours auf dem Stadtplatz mit historischen Spielen; 20. August: 13.30 Uhr Historischer Kinderfestumzug, im Anschluss Kinderdrachenstich

  • Cave Gladium:

    18. bis 20. August

Alle sollen eingebunden sein

Wichtig ist der Unesco-Kommission auch die Eingebundenheit von Gemeinschaften, Gruppen, Einzelpersonen und der Bevölkerung sowie die Art der Beteiligung am Festspiel. Auch da kann Furth nur glänzen, meint Drescher-Seidl. „Jeder ist Drachenstich“, sagt sie. „Das erklärt sich bei uns von selbst. Ganz Furth lebt den Drachenstich.“ Und es gibt viele Gruppen, die rund um das Festspiel entstanden sind: Mortifer Draconi etwa und Arma Georgii. Wohl auch wegen des Festspiels gibt es viele Reiter in der Gegend, der Spielmannszug ist die ganze Drachenstich-Zeit über im Dauereinsatz.

Zudem legt die Kommission wert darauf, dass alle sozialen Schichten eingebunden sind in das Festspiel. Auch das ist in Furth gegeben, ist Drescher-Seidl überzeugt. Während des Drachenstichs – und zum Teil auch darüber hinaus – sind die Darsteller ihre Rollen.

Die sollten für jeden offen sein und keinen zu strengen Exklusiv-Charakter haben. Auch das habe sich geändert in Furth, meint Drescher-Seidl. Die Verbundenheit zur Stadt zähle im Hinblick auf das Mitspielen im Stück mittlerweile mehr als der Geburtsort. Das sei früher sicher strenger gehandhabt worden. Nur das Ritterpaar sollte aus der Stadt kommen.

Außerdem will die Kommission, dass man sich bewusst ist, dass Kulturerbe verpflichtet, sagt Drescher-Seidl. Das sei aber ganz klar in Furth, das man den Drachenstich sinnvoll in die Zukunft führen wolle. Man müsse sich auch keine Gedanken darüber machen, wie man das Ganze attraktiver gestalten könne – „weil der Drachenstich ist und lebt“. Voraussichtlich in ihrer Herbstsitzung wird die Unesco-Kommission die Bewerbung aus Furth wieder begutachten.

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