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Justiz

Landwirt bedrohte Beamte mit Mistgabel

Das Landgericht muss beurteilen, ob ein Mann aus dem Kreis Cham bei der Kontrolle seines Hofes einen Beamten töten wollte.

Auf Antrag von Staatsanwalt Christian Späth verwies der Richter das Verfahren an die große Strafkammer des Landgerichts Regensburg. Symbolfoto: dpa

Furth im Wald.Zwei Mitarbeiter des Veterinäramtes Cham hatten sich am 1. Juli 2015 zu einem landwirtschaftlichen Anwesen zwischen Cham und Furth im Wald begeben. Die beiden Angestellten wollten dort nach mehreren Beanstandungen eine amtliche Kontrolle durchführen.

Bereits im Oktober 2013 hatte das Veterinäramt Mängel bei der Tierhaltung und der Lebensmittelsicherheit auf dem Bauernhof festgestellt und bei einer Nachkontrolle im Juli 2014 waren die Beanstandungen noch nicht behoben.

Auf Kontrolleure losgegangen

An besagtem Tag hielt sich der 61-jährige Landwirt gerade in der Milchkammer auf, als die beiden Kontrolleure eintraten und sich als Angehörige des Chamer Veterinäramtes vorstellten. Aber dieser Vorstellung hätte es eigentlich nicht bedurft, denn der Landwirt wusste ohnehin, wen er vor sich hatte. „Was wollt denn ihr schon wieder da, schleichts euch!“ forderte er die Besucher zum Gehen auf. Dann verließ der Landwirt die Milchkammer in Richtung Stall, dort griff er sich eine Mistgabel mit einer Zinkenlänge von etwa 27 Zentimeter, richtete diese auf die beiden Kontrolleure und ging drohend auf sie zu.

Den am Boden liegenden verletzt

Erschrocken liefen die beiden Männer aus der Milchkammer in Richtung Hofeingang. Auf dieser Flucht rutsche einer der beiden aus und stürzte zu Boden. Als er auf dem Boden lag, stieß der Landwirt die Mistgabel in Richtung seines Bauches. Glücklicherweise konnte der Geschädigte den Stoß mit seinen Händen zur Seite abwehren, so dass ihn die Mistgabel nur mehr an der linken Seite traf.

Trotzdem erlitt der Mann noch drei oberflächliche Schürfwunden an der linken Bauch- und Brustseite. Der Verletzte hielt die Mistgabel fest, nach kurzer Zeit ließ der Landwirt sie los und entfernte sich. Wegen gefährlicher Körperverletzung in Tateinheit mit Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Bedrohung saß der Landwirt jetzt auf der Anklagebank des Amtsgerichts Cham.

Dort versuchte der 61-Jährige den Geschehensablauf etwas harmloser darzustellen. Er sei in der Milchkammer mit dem Reinigen der Milchkannen beschäftigt gewesen, als er plötzlich hinter sich einen Schatten wahrgenommen habe.

Landwirt fühlte sich bedroht

In der Meinung, dass es sich um Einbrecher handeln könne, habe er die Mistgabel gegriffen und sei auf einen der Männer losgegangen. Dieser habe aber versucht, ihm die Gabel zu entreißen und sich dabei selbst mit den Gabelzinken verletzt. Die beiden Männer seien ihm nicht bekannt gewesen und hätten sich auch nicht als Angehörige des Landratsamtes vorgestellt.

Dieser Einlassung widersprach einer der Kontrolleure heftig. Sie hätten sich sehr wohl vorgestellt und sie seien vom Landwirt auch sofort erkannt worden. Dessen Reaktion mit „was wollt denn ihr schon wieder da“ sei eindeutig. Und der Landwirt habe auch mit voller Wucht und gezielt mit der Gabel in Richtung seines Bauches gestoßen und wenn er nicht hätte ausweichen, bzw. die Gabel abwehren können, wären ihm die Gabelzinken in den Bauch gedrungen.

Richter Stefan Simeth gab dem Angeklagten und seinem Pflichtverteidiger Gelegenheit, die eigene Darstellung nochmals zu überdenken. Nach einer Beratungspause erklärte der Verteidiger aber, dass der Angeklagte bei seiner Schilderung bleibe und der Geschädigte sich selbst verletzt habe, als er dem Angeklagten die Gabel habe entreißen wollen.

„Gezielt zugestochen“

Daraufhin erklärte Richter Simeth, dass nach Schilderung des verletzten Kontrolleurs auch ein versuchtes Tötungsdelikt seitens des Angeklagten vorliegen könnte. Auf Antrag von Staatsanwalt Christian Späth verwies der Richter deshalb das Verfahren an die große Strafkammer des Landgerichts Regensburg. (cog)

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