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Sonntag, 17. Dezember 2017 5

MZ-Serie

Licht am Ende des Tunnels für Furth

Der Deschlbergtunnel in Furth im Wald entlastet die Ortsdurchfahrt von Lastwagen, die von Cham in Richtung Grenze rollen. Ein imposantes Bauwerk.
Von Dominik Altmann, Mz

Furth im Wald.Knapp ein Jahr nach dem Tunnelanschlag hatten es die Mineure im Frühjahr 2012 geschafft – in rund 40 Metern Tiefe hatten sie eine über 700 Meter lange Röhre durch den Gneis des Deschlbergs getrieben. Damit wurde in Furth im Wald (Landkreis Cham) die entscheidende Lösung für die Ortsumgehung gefunden.

Zwei Jahre und drei Monate wühlen sich die Arbeiter durch den Hügel bei Grasmannsdorf. Der stand einer direkten Durchfahrt von West nach Ost im Wege. Der Tunnel als „das zentrale Bauwerk der Südumfahrung Furth im Wald“, wie er von Josef Kreitinger vom Staatlichen Bauamt Regensburg genannt wird, ist seit dem 19. März für den Verkehr freigegeben.

Die Bundesstraße 20 hatte bis zur Freigabe des Tunnels mitten durch das Herz der Stadt geführt – eine enorme Belastung für die Anwohner. Die B20 gilt als Verkehrsweg mit überregionaler Bedeutung, stellt sie doch die direkte Verbindung in die Tschechische Republik dar.

Verkehrsbelastung vervierfacht sich

Die Verkehrsdichte ist in den vergangenen Jahrzehnten – besonders seit der Grenzöffnung – dramatisch gestiegen. Einer Prognose des Straßenbauamts Regensburg zufolge werden 2020 rund 13800 Fahrzeuge pro Tag über die B20 rollen. Bei einer Zählung im Jahr 2005 waren es 12952 Fahrzeuge, die sich durch die Straßen Furths quetschten. Das Nadelöhr Bayplatz mit der engen S-Kurve war größtes Hindernis. Lastwagen, die sich in Millimeterarbeit aneinander vorbeischoben, gehörten zum Alltag.

„Die Anfänge der Planung einer Ortsumgehung von Furth im Wald reichen bis in die 1960er Jahre zurück“, sagt Baudirektor Kreitinger. Die schwierige Situation in der Ortsdurchfahrt von Furth in Verbindung mit dem gestiegenen Verkehrsaufkommen seien der ausschlaggebende Punkt für die Planungen gewesen.

Der Deschlbergtunnel ersetzt die einzige Durchgangsstraße von Cham nach Eschlkam. Die Fahrzeuge, die dorthin wollen, fahren über die Querspange und damit an der Grenzstadt vorbei. Laster, die zum Grenzübergang Schafberg fahren, müssen noch durch Furth – auch das wird sich ändern, wenn die Troglage, das zweite Tunnelbauwerk der Südumgehung, in der Eschlkamer Straße fertig ist.

Der Tunnelbau hat eine lange Geschichte: 1971 und 1977 hatte das Bauamt Raumordnungsverfahren durchgeführt: Sie sollten verschiedene Varianten der künftigen Verkehrsführung gegenüberstellen und bewerten, „ob sie mit den Zielen der Landesplanung in Einklang zu bringen sind“. Das erste Planfeststellungsverfahren „wurde 1995 eingeleitet“, sagt Baudirektor Kreitinger. Die ersten Ideen zur „Querung des Deschlbergs und Anschluss an die Eschlkamer Straße“ sahen einen Einschnitt in den Grasmannsdorfer-Hügel vor. Der ist mit 780 Metern Länge, 20 Metern Tiefe und 100 Metern Breite geplant gewesen.

Politiker, wie Staatssekretär Markus Sackmann, sahen in der Einschnittslösung vor allem ein Problem für die Ökologie und eine Beeinträchtigung für das Gesamterscheinungsbild der Region: Eine Dammschüttung mit fünf bis acht Metern Höhe, die sich am Verlauf der Umgehung orientiert hätte, wäre notwendig gewesen, um die Eschlkamer Straße höhenfrei kreuzen zu können. Nach Aussage von Kreitinger seien diese Planungen allerdings „nicht zielführend“ gewesen. Das Konzept hatte keinen Bestand und der Bau eines Tunnels rückte in den Fokus der Ingenieure.

Im Jahr 2006 wird mit dem Planfeststellungsverfahren eine Genehmigung für den Tunnelbau erteilt, die Detailplanungsphase wird in Angriff genommen und nach einer europaweiten Ausschreibung führt die österreichische Firma Jäger am 9. Dezember 2009 den Tunnelanschlag durch. Von diesem Tag an graben sich Mineure „im Sprengvortrieb – sieben Tage die Woche und 24 Stunden am Tag“ durch das Gestein des Deschlbergs.

Der Sprengvortrieb funktioniert nach Kreitingers Worten folgendermaßen: In Bohrlöchern bringen Techniker je nach Festigkeit des Gebirges bis zu 250 Kilogramm Sprengstoff ein und schließlich – „bumm“ – aus Gneis wird Schotter. Tunnelbagger und Lastwagen bringen das zertrümmerte Gestein aus der Röhre, aufgebrachter Spritzbeton stabilisiert die Wände.

Die Stützmauern ziehen Schalwagen. Die Mauern bestehen aus zehn Meter breiten und 30 Zentimeter starken Betonblöcken. Die Bautechnik nennt sich „Neue Österreichische Tunnelbauweise“. Von Osten nach Westen graben Mineure zwei Röhren. Eine Hauptkalotte, durch die eine zweistreifige Fahrbahn führt, und einen Rettungstunnel. Der ermöglicht den Einsatzkräften, im Notfall schnell zum Unfallort vorzurücken.

Eine lebenswichtige Verkehrsader

Anfang des Jahres besuchte Ministerialrat Manfred Jung den noch nicht freigegebenen Tunnel. Er und Chams Landrat Franz Löffler sind die Ersten, die durch den Tunnel fahren. Jung ist Mitte der 1990er Jahre als Referent im Sachgebiet Niederbayern/Oberpfalz des Straßenbauamts Regensburg in den Entscheidungsprozess für den Deschlbergtunnel und gegen die Einschnittslösung „intensiv eingebunden“ gewesen, lässt er über Josef Kreitinger mitteilen. „Die lebenswichtige Verkehrsader“, wie Kreisrat Markus Müller den Tunnel bezeichnet hatte, ist notwendig gewesen.

Die Troglage in der Eschlkamer Straße ist das zweite Tunnelbauwerk der Südumgehung. Der erste Bauabschnitt ist in der vergangenen Woche mit Rückverlegung des Chamb und der Eschlkamer Straße abgeschlossen worden. Mitte 2013 soll die Südumgehung Furth im Wald komplett abgeschlossen sein. Fernfahrer in Richtung Tschechien brauchen dann nicht mehr durch das Herz der Grenzstadt.

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