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Dienstag, 16. Januar 2018 7

Wirtschaft

Wie aus Gründern Manager wurden

Der Landkreis Cham feiert das 20-jährige Bestehen seiner Gründerzentren in Furth im Wald und Roding.
Von Thomas Mühlbauer

Zwischenbilanz: Die aktuellen Nutzer des Gründerzentrums erhielten eine Ausgabe des Chamer Wirtschaftsmagazins YoungCHAMpion. Foto: rtn

Roding.Groß war die Zahl der Gratulanten und Gäste, die sich am Mittwochabend im Gründerzentrum an in Roding einfand. Anlass hierfür war, dass der Landkreis Cham das 20-jährige Bestehen der beiden Gründerzentren (IGZ) im Rahmen einer „Blauen Nacht der Gründer“ feierte.

Der 26. April 1986 ging dabei in Roding in die Geschichte ein, denn an diesem Tage wurde das IGZ in Roding feierlich eröffnet, wie TVA Moderator Matthias Walk, der auch durch den Abend führte zu Beginn erläuterte. Denn um erfolgreich zu sein, gehört es auch dazu innovativ zu denken, so feiert man heute 20 Jahre Erfolgsgeschichte in Roding.

Moderator Matthias Walk (l.) mit Landrat Franz Löffler (Mitte) und Klaus Schedlbauer. Foto: rtn

In dessen Rahmen wurde auch der fünfte Band der Ausgabe Youngchampions offiziell vorgestellt. Zu diesem feierlichen Anlass wurde ein Kreis an Gästen eingeladen, die mit der Erfolgsgeschichte des IGZ eng verbunden waren, wie Altlandrat Ernst Girmindl, Altlandrat Theo Zellner, Altbürgermeister Eduard Bäumel, die ehemaligen Wirtschaftsreferenten Klaus Hofbauer und Richard Brunner.

Zu Beginn stand eine „Talkrunde“ mit Landrat Franz Löffler und dem heutigen IGZ-Geschäftsführer Klaus Schedlbauer an. Löffler verwies auf große Firmen, die einmal klein angefangen haben und die zum Teil auch in einem IGZ ihre ersten Werkstücke gefertigt haben. Wichtig war hier, dass man die Unternehmen professionell beraten konnte. Ein Erfolg für die Unternehmen war auch, dass sie sich auf das Kerngeschäft konzentrieren konnten, da ein Hausmeister und alles was so noch dazugehört vorhanden war.

Franz Fischer und Walter Peter waren die ersten Firmengründer, die ins IGZ einzogen. Für sie gab es Präsente. Foto: rtn

Klaus Schedlbauer stellte heraus, dass es immer an erster Stelle stand, die Firmen vernünftig und sicher zu beraten, denn viele der Gründer in den letzten 20 Jahren kommen aus dem Angestelltenverhältnis heraus. Und im IGZ hatten sie den Vorteil, dass man sich teils mit anderen Firmen vernetzen konnte, allerdings hat man immer darauf geschaut, so Schedlbauer, dass man keine konkurrierenden Firmen im IGZ hatte.

Die Weitsicht der Landräte

Landrat Franz Löffler bekräftigte auch noch einmal welche Weitsicht die damaligen Amtsträger im Landkreis Cham hatten, mit der Gründung des IGZ. „Die haben große Weitsicht bewiesen, dass war kommunale Selbstverwaltung in höchstem Maße, denn die Initiative zu ergreifen und das IGZ zu gründen war einmalig. Von dieser Basis können wir noch profitieren und darauf aufbauen“, so Löffler.

Nun folgte eine lockere Interviewrunde mit den „Gründervätern“ des IGZ, wie es Moderator Walk bezeichnete mit Altandrat Ernst Girmindl, Landrat a.D Theo Zellner, Altbürgermeister Eduard Bäumel und den damaligen Wirtschaftsreferenten im Landratsamt Cham Richard Brunner und Klaus Hofbauer.

Blick zurück in die 80er-Jahre: Die Gründerväter Brunner (v.l.), Zellner, Girmindl, Bäumel und Hofbauer. Foto: rtn

Wie Altlandrat Ernst Girmindl einführend sagte, war der Landkreis damals noch recht strukturschwach, erst allmählich ist man mit den vielen „Eigengewächsen“ nach vorne gekommen. Und man war schon als Landkreis sehr stolz darauf, als das erste der insgesamt zehn Gründerzentren in ganz Bayern in Roding eröffnet wurde. Im Oktober 1996 folgte schließlich das zweite in Furth im Wald „Ich war damals kein Visionär, aber man kann jetzt mit Fug und Recht behaupten, unserer Wirtschaft ist in vielen Teilen mittlerweile Schrittmacher“, so Girmindl.

Klaus Hofbauer berichtete davon, wie schwierig es war, einen geeigneten Standort für das IGZ zu finden, doch schließlich habe der damalige Rodinger Bürgermeister Eduard Bäumel die Idee gehabt, dieses Gebäude für das IGZ zu nutzen. Wie Hofbauer weiter sagte, habe er in seinen 15 Jahren als Wirtschaftsreferent im Landratsamt rund 300 Gründergespräche geführt und aus vielen dieser Gespräche sind Firmen entstanden, die der Wirtschaft im Landkreis Schub geben.

Rodings Altbürgermeister Eduard Bäumel sagte, als bekannt wurde, dass der Landkreis Cham ein IGZ haben möchte habe er sich schnell auf die Suche nach einem geeigneten Standort gemacht, denn ein passendes Gebäude war die Grundvoraussetzung. Zunächst sei er dabei im Kloster in Strahlfeld gelandet, doch nach Begutachtung wurde klar, dass sich dieser Standort nicht anbietet, so ist ihm die Idee mit dem ehemaligen Einkaufszentrum an der Buchenstraße eingefallen, wo die Grundvoraussetzung vorhanden war und nur einige Umbauten bewerkstelligt werden mussten. Insgesamt wurden in das Gebäude rund 600 000 Mark investiert, rund die Hälfte wurde bezuschusst, die andere Hälfte trug die Stadt Roding. Und heute kann man feststellen, dass dieses Geld gut angelegt war.

Damals herrschte Platzmangel

Profiteure der Pionierarbeit: Die Gesellschafter der IGZ erhielten ebenfalls Präsente. Foto: rtn

Richard Brunner ließ wissen, dass es vor der Gründung der IGZ für die Firmen sehr schwierig war, geeignete Hallen und Produktionsplätze zu finden, so wurde auch eine weitere große Firma in Roding in einer sehr kleinen Halle gegründet. Beim ersten Gründerseminar, dass angeboten wurde fanden sich damals bereits 25 bis 30 Personen ein, so Brunner.

Altlandrat Theo Zellner sagte angesprochen auf die Frage von Matthias Walk, wie wichtig die Gründerzentren in Furth und Roding für den Landkreis waren: „Ein Wirtschaftsstandort braucht Firmen und Gründerväter“. Die Eröffnung der Gründerzentrum sei nur ein Faktor gewesen, im Anschluss daran wurden viele Dinge richtig gemacht. Den zweiten Standort mit Furth im Wald begründete Zellner so: „Der Landkreis hat sich schon immer als dezentraler Landkreis verstanden, so wäre es nicht richtig gewesen alles zentral aufzubauen

Franz Fischer, der ins IGZ in Furth im Wald einzog und Walter Peter, der in Roding seine Betriebsgründung startete, berichteten, wie sie oft bis weit in die Nacht hinein arbeiteten. Das war auch dringend nötig: „Wenn wir kein Geld verdient hätten, dann wäre es ganz schnell vorbeigewesen, doch nachdem man schnell Auftraggeber hatte, war die Anfangszeit doch eher entspannt“, erzählte Peter. Schnell konnte auch die Auftragslage nach oben geschraubt werden. Heute beschäftigt er rund 80 Angestellte in seiner Firma. Franz Fischer beschäftigt heute über 250 Mitarbeiter.

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