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Dienstag, 21. November 2017 7

Premiere

Ein bunter Traum regiert den Berg

Bei der Uraufführung des bairischen Sommernachtstraums begeistern die Festspieler in Bad Kötzting mit viel Witz.
Von Stefan Weber

Gerade ist der Premieren-Applaus verklungen für die neueste Inszenierung auf der Freilichtbühne am Ludwigsberg in Bad Kötzting: Ein Sommernachtstraum von Shakespeare, den Regisser Johannes Reitmeier wieder zeitgemäß, witzig und frech ins Bairische übersetzt hat. Die Bilder unserer Fotografin Gabi Schönberger zeigen etwas davon.

Bad Kötzting.Zu guter Letzt „entschuldigt“ sich der Elfen-Narr Puck beim Publikum für den Sommernachtstraum, den die Festspieler auf dem Ludwigsberg frei (und doch ganz nah am Original) auf Bairisch nach dem gleichnamigen Stück von William Shakespeare gezeigt haben. Ein letzter Scherz zum Schluss – denn was das Ensemble drei Stunden lang auf die Bühne gezaubert hatte, verdiente großes Lob.

Zusammen mit seiner Co-Autorin Barbara Kerscher (auch Assistentin in der Regie) hat sich Johannes Reitmeier, heute Intendant am Tiroler Landestheater in Innsbruck, nach dramatischen Stücken wie dem „Haus der Bernarda“ und dem „Schinderhannes“ dieses Jahr wieder an einem „leichteren“ Stoff versucht und mit dem Sommernachtstraum die zweite Komödie nach den „Lustigen Weibern“ des englischen Kult-Autors aus dem 16. Jahrhundert in die bayerische Moderne übertragen.

Der Aschram in der Elfenwelt

Und das bedeutet eine ungeheure Farbenpracht, die auf die Zuschauer einprasselt. Das gilt nicht nur für den Hof des Herzogs Theseus, der vom Barock des britischen Adels in die Landhaus-Moden-Gegenwart mit Lederhose und rotem Smoking geholt wird. Weil sich die Menschen nicht so recht entscheiden können, wer nun an wen sein Herz verschenken soll, machen sich die Elfen einen Spaß aus dieser Unentschlossenheit.

So bunt, wie die es mit ihren Scherzen mit den Menschen im Verlauf der Sommernacht treiben, so farbenprächtig stellt sie der Regisseur selbst dar. Es ist die Flower-Power-Zeit der 1970er Jahre, die in den Elfen wiederkehrt. Das gilt nicht nur für die schrillen Masken, sondern auch für deren Verhalten. Wenn der – mit einer unglaublichen Leichtigkeit von Markus Kilger gespielte – Elfen-König Oberon einmal Streit mit seiner Königin Titania (Monika Hollmeier) hat, dann neigt er schon einmal zur Meditation, um wieder „runterzukommen“. Wenn Titania dafür nicht einschlafen kann, dann kommt ihr Aschram zusammen und wiegt sie mit Klangschalen in den Schlaf. Das erfordert gerade in den Massen-Szenen eine sehr exakte und zugleich leichte Choreographie, die die Zuschauer verzaubert.

Weitere Aufführungen

  • Ausverkauft

    Die Aufführungen auf dem Ludwigsberg sind bereits alle ausverkauft.

  • Kontakt

    Interessierte können sich über die Internetseite www.reitmeiers-waldbuehnen.de aber auf Wartelisten setzen lassen.

  • Termine

    Dort gibt es auch alle Termine bis zur letzten Aufführung am 9. August. (wf)

Solche Ruhepunkte im Stück sind notwendig, um das zum einen vertrackte Zusammenspiel aus dem Hof des Theseus, die Elfen im Wald und zusätzlich die Handwerker am Herzogshof, die zur Hochzeit des Herren ein Theaterstück proben, in seiner Geschwindigkeit für den Zuschauer begreifbar zu machen. Doch natürlich haben Reitmeier und Kerscher hier ganze Arbeit geleistet und können es sich so auch noch erlauben, weitere Details einzubauen, die für viel Zwischenapplaus und unzählige Lacher sorgen. Bis in die kleinste Rolle gelingt die Besetzung – von jodelnden Schützenlieseln bis hin zu zwei übellaunigen Fliegenpilzen, die immer wieder (ähnlich wie die Herren auf dem Balkon der Mupped Show) das Stück kommentieren und auch mal die Zuschauer beschimpfen.

Während die Menschen am Hof durch ein Missgeschick des Elfen-Narren Puck – mit dem Wolfgang Kerscher sein humoristisches Talent zum wiederholten Male glanzvoll zeigt – eine Nacht mit aufregenden und barock-derben Liebesabenteuern verbringen, die durch Oberons Zutun schließlich zum Traum werden, ist es nicht zuletzt das Spiel mit der Musik, das das über 400 Jahre alte Stück in die Gegenwart holt. Wenn der Traum endet, wird Schlagersängerin Helene Fischer mit „Atemlos durch die Nacht“ eingespielt, und wenn die Handwerker zur Probe ihres Stückes auftreten, dann ertönt der Song der „Sieben Zwerge“ aus dem Disney-Klassiker.

Handwerker mit Hang zur Komik

Apropos Handwerker: im Sommernachtstraum als „Stück im Stück“ eigentlich nur ein „Nebenkriegs-Schauplatz“ wird es durch die darstellerische Leistung der sechs Schauspieler zu einem Höhepunkt der Aufführung. Vor allem nach der Pause dürfen sich die Besucher auf dem Ludwigsberg auf die glanzvoll-unbeholfene Aufführung des „tragisch-komischen Stückes von Pyramus und Thisbe“ freuen. Hier glänzt vor allem Uli Treitinger nicht nur als Pyramus, sondern auch als Ehe- und sogar Esels-Mann in einer absoluten Paraderolle, und zeigt Johnny Kerscher als lispelnde Thisbe, dass er das Talent seines Vaters geerbt hat.

Das alles auf einer wieder einmal äußerst aufwendig gestalteten Bühne, die sich optisch kaum mehr vom Wald abhebt und dazu die gespenstisch-verträumten Licht-Effekte! Da ist es fast ein wenig schade, dass die noch acht ausstehenden Aufführung bereits ausverkauft sind.

Um zu erfahren, wer sich dann doch noch wie findet, und wie die Elfen ihren Feenzauber verbreiten, bleibt nur die Hoffnung an der Abendkasse – und auf auf die nächste (und vielleicht ja auch übernächste) Spielzeit immer im Juli und August auf dem Ludwigsberg, dem wahrlich „grünen Kulturhügel“ der Stadt mit der Garantie für die besten Klassiker auf Bairisch weit und breit.

„Der Funke ist übergesprungen!“

Die Spieler waren bei der Premierenfeier hinter dem Ludwigsberg gleich nach der letzten Verbeugung noch sichtlich bewegt, und für die Leistungen der vorangegangenen fast drei Stunden gab es dafür auch noch viel Lob. Nicht nur von der Vorsitzenden Beate Bauer („ich bin Stolz, eure Vorsitzende sein zu dürfen“), sondern auch von Bürgermeister Markus Hofmann.

Der war in seiner Eigenschaft als Musikalischer Leiter der Festspiele auf Burg Lichtenegg zwar an diesem Abend nicht unter den Zuschauern, versprach aber, den Besuch am 4. August nachzuholen. Seine Stadtrats-Kollegen hätten ihm aber bereits vorgeschwärmt, und der Schlussapplaus, den er noch gehört habe, spreche für sich. Das Lob gelte natürlich allen am Stück beteiligten: die Darsteller, die in kürzester Zeit ein neues Stück eingeübt hätten, Bühnenbildner, Technikern und natürlich Regisseur Johannes Reitmeier, der zusammen mit Barbara Kerscher den Text erstellt und die Regie geführt hatte – „und das im 28. Jahr in seinem Urlaub“, wie er hervorhob. „Nur die künstlerischen Fähigkeiten eines Johannes Reitmeier machen diese Stücke möglich“, betonte er.

Der so gelobte gab den Dank anschließend gleich an die Schauspielerschar weiter: „Es ist alles so gekommen, wie wir es uns gemeinsam gewünscht haben“, sagte er. Denn der Sommernachtstraum hänge sehr davon ab, dass „der Funke“ auf das Publikum überspringe. „Geschafft, der Funke ist übergesprungen“, freute er sich sichtlich, „und zwar von der ersten Minute weg“. Dass sei besonders bei einem Premieren-Publikum sehr schwierig und verdiene darum besonders große Anerkennung. „Sympathie, Begeisterung und Zugewandtheit waren zum greifen spürbar“, so der Regisseur. Und wieso? Dafür hatte Reitmeier auch eine Erklärung parat: Es sei die Lust der Spieler am Stück selbst und der Exhibitionismus in jedem Darsteller: „Bei uns wird alles hingelegt“, scherzte er mit Blick auf die vielen amourösen Verwicklungen im Stück, „aber nicht flachgelegt“.

Diese Bemerkung war sicher nicht der letzte Lacher bei der Premierenfeier bis in den frühen Morgen, bei der das Ensemble noch ausgelassen zu Recht den großen Erfolg feierte.

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