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Donnerstag, 27. April 2017 7

Wirtschaft

Spiel(be)trieb kostet vier Millionen

In der Spielbank Kötzting wurden 2,3 Millionen Euro Ertrag erzielt, doch unterm Strich bleibt ein Minus von zwei Millionen.
Von Stefan Weber

Überraschende Zahlen zur Spielbank gab es kürzlich im Haushaltsausschuss des Landtages. Foto: dpa

Bad Kötzting. Was der Brutto-Spielertrag (BSE) ist, weiß in Bad Kötzting jeder – schließlich bekommt die Stadt jährlich 15 Prozent dieser Summe, die sich aus den überschüssigen Gewinnen der Bank an Tischen und Automaten errechnet. Von den rund 2,3Millionen im Jahr 2016 waren das 342 682,10 Euro, dieselbe Summe geht noch einmal an den Freistaat. Alles Zahlen, die bekannt sind und jährlich veröffentlicht werden. Eine Zahl, die bislang aber nicht vorgelegt worden war, wurde vor kurzem im Haushaltsausschuss des Landtages öffentlich gemacht: Das operative Ergebnis.

Das rückte 2011 erstmals so richtig in den Mittelpunkt des Interesses, als der damalige Präsident der staatlichen Lotterieverwaltung Erwin Horak erklärte, dass 2010 rund 2,8 Millionen Euro, im Jahr davor sogar 3,6 Millionen Euro draufgezahlt werden mussten. Konkrete Zahlen zu einzelnen Häusern wurden damals nicht vorgelegt. Dafür wurden Rufe laut, Spielbanken zu schließen.

Große müssen kleine tragen

Dass das operative Ergebnis dieses Jahr veröffentlich worden ist, hat wohl einen einfachen Grund: erstmals seit Jahren erwarten die neun Spielbanken in Summe eine positive Bilanz, nämlich 138 000 Euro. Das ist nur eine vorläufige Zahl, lässt mit Blick auf die Vorjahre aber hoffen. 2013 lag das operative Ergebnis aller Spielbanken bei minus 2,9 Millionen Euro, der Freistaat musste 4,8 Millionen zuschießen. 2014 fehlten 5,3 Millionen Euro und 2015 noch einmal eine Million, die knapp zur Hälfte bezuschusst wurde. Grund dafür, dass es überhaupt eine Hilfe vom Freistaat gab, seien die „schwierigen Rahmenbedingungen durch die Konkurrenz von Spielhallen, Online-Glückspiel und das Rauchverbot“ gewesen, erklärt Christian Goerdeler von der Lotterie-Verwaltung.

Die Stadt und die Spielbank

  • Baukosten:

    27 Millionen D-Mark, rund 13 Millionen Euro, komplett über Kreditaufnahme finanziert.

  • Restschulden:

    Der neue Haushalt ist derzeit noch in Bearbeitung, doch dürfte die Summe gut um die neun Millionen Euro liegen, wie Bürgermeister Markus Hofmann erklärt.

  • Zinsen:

    Die Schuldenstatistik des Haushaltsjahres 2016 weist Zinsen für das Darlehen von 445 000 Euro aus – das entspricht einer Verzinsung von vier Prozent, festgeschrieben bis Juni 2019. Erst dann könnte die Stadt von den niedrigen Zinsen profitieren, sollten sie bis dahin nicht wieder steigen.

  • Einnahmen:

    Die Stadt ist zu 15 Prozent jährlich am Brutto-Spielertrag beteiligt. Nach Auskunft der Lotterie-Verwaltung waren das in den vergangenen 15 Jahren 6,55 Millionen Euro. Hinzu kommen rund 260 000 Euro Miete jährlich, was in Summe gerade für Zinsen und minimale Schuldentilgung reicht.

  • Abgaben:

    Wie die Lotterieverwaltung weiter mitteilt, haben die neun Bayerischen Spielbanken zwischen 2000 und 2015 insgesamt 779 Millionen Euro an den Staatshaushalt abgeführt – davon alleine rund 220 Millionen Euro an die Kommunen, in denen die Häuser beheimatet sind. (wf)

  • Die Stadt und die Spielbank

In Bad Kötzting schwankte das Minus im selben Zeitraum zwischen geschätzten 2,1 Millionen im vergangenen und rund drei Millionen 2014. Den BSE 2016 in Höhe von 2,3 Millionen Euro zugrunde gelegt, ergeben sich Betriebskosten in Höhe von über vier Millionen Euro. Stellt sich natürlich die Frage, wo diese Summe hinfließt. Die Spielbanken seien wie ein Betrieb innerhalb der staatlichen Lotterieverwaltung zu sehen, erklärt ein Sprecher des Finanzministeriums in München auf Anfrage unserer Zeitung. Entsprechend werde eine Gewinn- und Verlust-Rechnung aufgestellt. Doch auch wenn die einzelne Häuser ausweise, so würden doch alle Spielbanken als ein Haus gesehen. Das ist die Formulierung, die auch in anderen Zusammenhängen – von der Besucherzahl über die Erträge bis hin zum Personal – gerne gebraucht wird. Vom Spielbankdirektor vor Ort bis zum Lotterie-Präsidenten und im Ministerium. Nicht zu vergessen das Credo, das seit Eröffnung der kleinen Spielbank an der unteren Au gegolten hat: Die Großen müssen die Kleinen mittragen. Bad Kötzting weist übrigens den höchsten Fehlbetrag aller neun Häuser aus, obwohl der BSE höher war als in Bad Steben.

Goerdeler begründet das mit den geringeren Fixkosten. Welche das genau sind, gehöre zu den Betriebs-Interna. So sieht man das im Großen und Ganzen auch im Finanzministerium. Zumindest so viel ist zu erfahren: Mietkosten, Personal und Verwaltung gehören zu den Posten, die vom BSE abgezogen werden – und natürlich die 30 Prozent, die an den Freistaat beziehungsweise die jeweilige Kommune gehen (siehe Info).

Es gibt auch positive Ergebnisse

In Bad Steben dürfte die Miete zumindest wegfallen – hier hat der Freistaat das Gebäude 2006 von der Kommune gekauft. Ob das den Unterschied von rund 200 000 Euro im Vergleich zu Bad Kötzting ausmacht, muss Spekulation bleiben. Es gibt auch Spielbanken, die Gewinne erwirtschaften. Feuchtwangen und Bad Wiessee liegen seit Jahren mit im Schnitt anderthalb beziehungsweise knapp sieben Millionen Euro im positiven Bereich. 2016 werden auch für Garmisch gut 800 000 Euro im Plus erwartet. Es gehört allerdings ebenfalls zu den Interna der Spielbanken, warum in der Bilanz bei Bad Wiessee am Ende vom BSE in Höhe von gut 19 Millionen Euro etwa zwölf Millionen fehlen, bei Feuchtwangen bei elf Millionen Euro BSE nur gut eine Million übrig bleibt. Grund zur Freude ist das erstmals seit Jahren in der Summe wieder positive Ergebnis für die Spielbanken aber trotzdem. Der „Spieltrieb“ soll durch sie in „geordnete Bahnen gelenkt werden“, betont die Lotterie-Verwaltung bei jeder Gelegenheit. Die Gewinnorientierung stehe daher nicht an oberster Stelle – aber wenn das Ergebnis positiv ist, umso besser.

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