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Dienstag, 26. Juli 2016 26° 8

Geld

Hier wird wieder mit D-Mark bezahlt

Im Chamer Kaufland und in 15 Rodinger Geschäften laufen „Retro-Aktionen“. Kunden können mit der alten Währung bezahlen.
Von Ernst Fischer und Peter Nicklas

Hannelore Bergfeld (Mitte) hat eine Aktion in Rodinger Geschäften angeleiert: In 15 Läden können Kunden mit D-Mark bezahlen. Foto: Nicklas

Cham.Schauen Sie doch einfach mal hinter den Wohnzimmer-Schrank, liebe Leser! Könnte sein, dass Sie dort eine verlegte Geburtstagskarte finden – und zwischendrin versteckt sich ein alter „Fuchz’ger“. So ist es einer Kundin im Chamer Kaufland passiert, wo sie ihre Geschichte an der Kasse erzählte. Und sie hat dort mit dem Fünfzigmarkschein bezahlt.

In diesem Januar nehmen alle 640 Kaufland-Lebensmittelmärkte in Deutschland wieder D-Mark an. Eine geschickte PR-Idee – einen runden Jahrestag jedenfalls gibt es nicht. Die D-Mark wurde am 1. Januar 2002 vom Euro abgelöst – vor 14 Jahren also.

Wenn man bei Kaufland nach dem Hintergrund der D-Mark-Aktion nachfragt, dann gibt es eine schriftliche Antwort aus der Zentrale in Neckarsulm: „Wir wollen unsere Kunden in die 60er Jahre entführen“ – „mit einem Augenzwinkern“. Für die gute alte Mark gibt’s auch Artikel im Retro-Look – Bärenmarke, Rama, Melitta Kaffee, Schauma Shampoo, Dalli Waschmittel oder „Ravioli in pikanter Soße“ im Design von 1975.

10 000 Mark an Kaufland-Kassen

Andrea Denk vom Chamer Kaufland mit Dosen-Ravioli 1975 Foto: Fischer

Andrea Denk ist stellvertretende Leiterin der Chamer Kaufland-Filiale und darf auf Konzern-Direktive nicht viel Konkretes sagen, wie die D-Mark-Aktion hier bei uns so gelaufen ist, seit sie am 4. Januar gestartet wurde. D-Mark-Münzen und Scheine „im Zehntausender-Bereich“ haben die Chamer Kaufland-Kunden in knapp zwei Wochen an die Kassen gebracht. Doch eine ganz schöne Summe!

Ist ja auch kein Wunder: In ganz Deutschland sollen nach Zahlen der Bundesbank von Ende 2014 noch knapp 13 Milliarden D-Mark in Münzen und Scheinen im Umlauf sein. Wo hat sich sich das gute, alte Geld nur versteckt? Wie gesagt: Eine Kaufland-Kundin hat einen „Fuchz’ger“ in einer Geburtstagskarte gefunden, die hinter einen Schrank gefallen war. Andere haben an der Kasse erzählt, dass ihre Restmark-Bestände aus der Wohnung von Oma, Opa, oder Eltern stammen, die nach ihrem Tod geräumt werden mussten. Der eine oder andere hat mal wieder seine berühmte Ramsch-Schublade in der Küche aufgeräumt. Eine Frau hat in ihrem alten Geldbeutel nochmal rumgestöbert, den sie eigentlich nur wegen der vielen verrunzelten Zettel mit Telefonnummern und Adressen nicht weggeschmissen hatte. Zwischendrin sind jetzt vier zerknitterte Fünf-Mark-Scheine aufgetaucht.

Lesen Sie hier die Fakten vom Weg von der D-Mark zum Euro

Von der D-Mark zum Euro

  • Der Wechsel

    Am 1. Januar 2002 wurde der Euro als Bargeld eingeführt und hat die D-Mark (DM) abgelöst.

  • DM-Reste

    Zum 31. Dezember 2014 waren noch 12,94 Milliarden DM nicht umgetauscht (Banknoten: 6,13 Milliarden DM, Münzen für 6,81 Milliarden. Das sind rund fünf Prozent der Umlaufmenge des Jahres 2000 mit damals 244,8 Milliarden DM.

  • Die DM-Legende

    Die D-Mark wird von vielen Deutschen im Vergleich zum Euro als „stärkere“ Währung gesehen, weil sie als Symbol für das Wirtschaftswunder in Deutschland steht. Jeder zweite Deutsche nennt die Einführung des „Teuro“ als Hauptgrund für Preissteigerungen. Oft wird dabei die jährliche Teuerungsrate nicht einbezogen. Tatsächlich war dieser Effekt auch zu DM-Zeiten zu beobachten.

  • Aktuelle DM-Aktionen

    Vom 4. bis 30. Januar 2016 können die Kunden bei Kaufland ihre Einkäufe mit D-Mark bezahlen. Begleitet wird diese Aktion mit einer Retro-Kampagne. Artikel-Klassiker werden im Design zu D-Mark-Zeiten angeboten. Rodinger Geschäfte haben eine ähnliche Aktion gestartet.

  • Wechselkurs

    Der Wechselkurs bei diesen Aktionen liegt bei 1,95583 DM für einen Euro. Die Aktion bei Kaufland ist kostenlos. Bearbeitungsgebühr in Roding: 5 Euro.

  • Umtausch

    Ein offizieller Umtausch ist kostenlos zeitlich unbegrenzt bei den Niederlassungen der Bundesbank möglich (nächste in Regensburg). Die Chamer Sparkasse leitet auch D-Mark-Reste von Kunden zum Umtausch weiter (Gebühr 2,50 Euro). Das passiere heute nur mehr ein bis zweimal im Monat, erklärt Vorstandsmitglied Karl Rank. (ef)

15 Rodinger Geschäfte nehmen DM

Die letzte Geschichte hat uns Hannelore Bergfeld erzählt. Die Rodinger Geschäftsfrau hat in ihrer Stadt auch eine D-Mark-Aktion angeleiert, an der sich inzwischen 15 Geschäfte beteiligen. Hier kann man seit 13. Januar in D-Mark bezahlen.

Die Resonanz war in den ersten Tagen „eher spärlich“, berichtet Hannelore Bergfeld aus einem Treffen des Arbeitskreises „Lust auf Roding“. „Aber wir warten ab, was draus wird, wenn sich das richtig rumgesprochen hat.“ Vorerst soll die Rodinger Aktion bis Mai laufen. Hannelore Bergfeld tut’s gern: „Ich mag die D-Mark.“

Andrea Denk im Chamer Kaufland wiegt den Kopf, wenn man sie fragt, wie sehr ihr Herz an der alten Währung hängt. „Mei, das ist schon so lang her. Und wir haben uns doch an den Euro gewöhnt.“ Ihr Freund aber hat ein richtiges Sammler-Album mit D-Mark-Münzen und -Scheinen daheim. Andrea lächelt: „Ich habe ihn gefragt, ob ich die zu unserer Aktion mitnehmen darf.“ Antwort: „Nein!!!“

Achtung: Fuchzgerl für 600 Euro

Das hat seinen Grund: Alte D-Mark-Münzen können viel mehr wert sein, als draufsteht. Für ein Fünf-Mark-Stück von 1958 mit Prägestempel J kann ein Sammler 4000 Euro hinblättern. Die Zwei-Mark-Münze mit Franz-Josef Strauß bringt fünf Euro. Oder das Fuchzgerl mit dem Fehldruck „Bank deutscher Länder“ – Sammlerwert 600 Euro. Also: Schauen Sie die gute alte Mark lieber nochmal genau an, bevor sie Ravioli aus der Dose dafür kaufen!

„Mit dem Euro ist alles teurer geworden“

Würden Sie gerne die D-Mark wiederhaben? Mit welchen Gefühlen denken die Menschen heute an die D-Mark zurück? Wir haben uns bei Kunden im Chamer Kaufland umgehört.

Carmen Kasenbacher Foto: Fischer

Carmen Kasenbacher (55) aus Schorndorf: „Schön wär’s, wenn alles noch so sein könnte wie früher. Aber heute ist alles viel teurer geworden – Lebensmittel, Fleisch vor allem, oder der Friseur. Früher habe ich da höchstens 30 Mark bezahlt, heute bis zu 60 Euro.!

Josef Hummel Foto: Fischer

Josef Hummel (52) aus Oberviechtach: „Die D-Mark war eine sichere Währung und etwas wert auf ganzen Welt. Mit dem Euro ist alles teurer geworden – nur die Milch nicht. Wir Landwirte haben zuletzt 70 bis 80 Pfennige für den Liter bekommen, heute 35 Cent.“

Gertraud Dostal Foto: Fischer

Gertraud Dostal (69) aus Breitenried: „Ich würde die D-Mark gern wieder haben, weil sie in der ganzen Welt gefragt war. Mit dem Euro haben sich Preise verdoppelt. Ein Essen im Lokal hat früher zehn Mark gekostet, heute reichen zehn Euro nicht.“

Irmgard Knauer Foto: Fischer

Irmgard Knauer (65) aus Pinzing: „Den Wechsel von der Mark zum Euro haben die Großkopferten eingefädelt., weil jetzt alles mehr kostet. Früher sind wir beim Aldi mit einem Einkaufswagen für 50 Mark rausgefahren – heute für das Doppelte.“

Weitere Meldungen aus dem Landkreis Cham lesen Sie hier

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Möchten Sie die alte D-Mark wieder?

Knapp 15 Jahre ist es her, dass die D-Mark vom Euro als Zahlungsmittel abgelöst wurde. Beim Kaufland in Cham und in einigen Rodinger Geschäften laufen gerade Retro-Aktionen: Kunden können dort wieder mit alten D-Mark-Münzen und Scheinen bezahlen, die sie irgendwo noch gebunkert oder gefunden haben. Würden Sie gerne die alte D-Mark ganz wiederhaben?

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