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Sie ist Soldatin, lesbisch und schwanger

Die Bundeswehr hat sich geändert: Es ist viel möglich, was früher undenkbar war. Eine Rodinger Offizierin zeigt das.
Von Christoph Klöckner

In Zivil, weil im sechsten Monat keine Uniform mehr passt: Oberleutnant Carolin Krämer, Personaloffizier in der Rodinger Kaserne, an ihrem Platz. Die 28-Jährige ist ein Beispiel, wie sehr sich Bundeswehr gewandelt hat. Sie ist Soldatin, mit einer Frau verheiratet und bekommt jetzt ihr erstes Kind – in der Truppe macht das nach ihren Erfahrungen aber keine Probleme. Fotos: Klöckner

Roding.Oberleutnant Carolin Krämer holt Besucher in Zivil an der Wache ab. Das gehe nicht anders, sagt sie. Bei aller Flexibilität der Streitkräfte – Uniformen für Schwangere gibt es noch nicht. Frau Oberleutnant, Personaloffizier des Versorgungsbataillons 4, ist im sechsten Monat schwanger, sie freue sich mit ihrer Frau auf das erste Baby.

Wenn sie das sagt, schauen die meisten erst einmal verwirrt. Doch sie haben richtig gehört: mit ihrer Frau. Carolin Krämer hält damit nicht hinterm Berg – für sie ist es normal. Doch für andere ist es ein Aha-Erlebnis. Vor allem die Aneinanderreihung des Außergewöhnlichen lässt viele mit offenem Mund zurück. Soldatin in Roding, lesbisch, verheiratet und schwanger – stärker kann sich der Wandel der Bundeswehr wohl nicht in einer einzelnen Person wiederfinden.

Und Probleme oder Anfeindungen, sagt sie, habe sie deshalb innerhalb der Truppe noch nicht erlebt. Das Thema anzusprechen, sei manchmal schwierig, gerade wenn man frisch zuversetzt werde. Man wisse nie, wie der Gegenüber reagieren werde. Doch schlechte Erfahrungen hat sie nicht gemacht - „mehr als akzeptieren müssen sie es ja nicht“.

An der Logistikschule

Bei Einsätze in islamisch-dominierten Ländern, wie zuletzt in der Türkei, wovon sie Bilder und Plaketten mitbrachte, hält sie sich mit ihrer sexuellen Orientierung zurück.

Die gebürtige Würzburgerin, die in den Reihen der Bundeswehr sogar die Frau fürs Leben fand, sieht die Besonderheiten ihres Lebensweges für ein Soldatenleben durchaus, doch eine große Sache macht sie nicht daraus. Nach ihrem Abitur 2009 entschloss sie sich, die Offizierslaufbahn einzuschlagen. Seit 2001 sind Frauen in allen Bereichen der Bundeswehr zugelassen. Sie habe sich auf zwölf Jahre verpflichtet, dort zunächst ein Studium begonnen – Wirtschaft und Journalismus an der Universität der Bundeswehr in München.

Wohliges Bauchkribbeln

Doch scheiterte sie an einer Prüfung, absolvierte danach ihre Fachausbildung an der Logistikschule der Bundeswehr in Garlstedt. Seit 1. Januar 2014 sei sie in Roding stationiert. 2010 lernte sie in der Kaserne in Lüneburg ihre heutige Frau Janina kennen. „Zu Schulzeiten hatte ich Händchenhalte-Freunde. Doch so richtige Gefühle, wie bei den anderen Mädels in der Klasse, wollten sich nicht einstellen“, beschreibt Carolin Krämer. In Lüneburg kam dann auch das wohlige Bauchkribbeln dazu. „Anfangs war es nur Freundschaft“, erinnert sich Carolin Krämer.

Gleichberechtigung und Bund

  • Langer Weg

    Leistung entscheidet, nicht das Geschlecht, heißt es heute bei der Bundeswehr. Doch der Weg dahin war lang. Denn vor 2001 konnten Frauen auf freiwilliger Basis nur im Militärmusikdienst oder im Sanitätsdienst ihren Dienst leisten, doch eine Verpflichtung bei der kämpfenden Truppe war nicht möglich.

  • Frauen beim Bund

    Erst eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes im Jahr 2000 öffnete dem weiblichen Geschlecht uneingeschränkt alle militärischen Laufbahnen. Mittlerweile gibt es weibliche Generäle, Jetpilotinnen und Frauen auf Ubooten. Heute sind von 160 000 Soldaten gut 20 000 Frauen.

Ein Buch über Theaterregie, das die gebürtige Winsenerin Janina vor dem Kompaniegebäude las, war der Aufhänger fürs erste Gespräch. Man lernte sich kennen und lieben und knapp vier Jahre später ging das Paar im Standesamt die eingetragene Lebenspartnerschaft ein. Auch kirchlich bekamen sie den Segen – evangelisch ist das in Deutschland möglich.

Und das Baby? Sie haben sich immer Kinder gewünscht. Als lesbisches Paar mit Kinderwunsch gibt es mehrere Möglichkeiten, die man nutzen könne, um sich den Wunsch zu erfüllen, sagt sie – ohne näher darauf eingehen zu wollen.

Spiegel der Gesellschaft

Bei der Bundeswehr gibt es sogar einen Arbeitskreis homosexueller Angehöriger, wie auch bei der Polizei, die das Ziel haben, auf die Diversität, die bei der Bundeswehr herrscht als Spiegel der Gesellschaft, aufmerksam zu machen und sich bei eventuell auftretenden Problemen für homosexuelle Soldatinnen und Soldaten einzusetzen. „Beim Christopher-Street-Day in München war der Arbeitskreis mit einem Informationsstand vertreten“, sagt sie.

Als sie im Herbst 2015 im Einsatz in der Türkei war, habe sie ihre Homosexualität für sich behalten, denn nicht überall, wo die Bundeswehr eingesetzt ist, sind Staat und Gesellschaft tolerant wie in Deutschland.

Ihre Zeit in Roding endet Ende diesen Monats. Bis zum Beginn des Mutterschutzes geht sie nach München an die Sanitätsakademie der Bundeswehr, wo sie nach ihrer Elternzeit weiterhin bleiben möchte, um die Familie mit dem Dienst zu vereinbaren.

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