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Mittwoch, 21. Februar 2018 4

Justiz

Geblitzt: Fahrer linkt die Polizei

Ein einschlägig Vorbestrafter bezeichnet sein Vorgehen als „unerklärliche Dummheit“ – und kommt nochmals mit Bewährung davon.

In der Nähe von Nittenau war das Fahrzeug mit Waldmünchner Kennzeichen geblitzt worden. Symbolfoto: dpa

Waldmünchen.Am 23. Mai 2014 gegen 20.21 Uhr blitzte die Polizei in der Nähe von Nittenau ein Fahrzeug mit Waldmünchner Kennzeichen, das auf der B 16 mit weit überhöhter Geschwindigkeit fuhr. Im Bußgeldverfahren schickte die Polizei einen Zeugen-Fragebogen an die Halterin des Fahrzeuges, eine Hausfrau in Waldmünchen. Der Fragebogen wurde auch prompt ausgefüllt, als Fahrer des geblitzten Autos ein Donat Hambacher (Name geändert) bezeichnet.

Dieser bekam einen Bußgeldbescheid, in welchem neben einer gehörigen Geldbuße auch ein Fahrverbot von einem Monat verhängt worden war. Der Bescheid wurde rechtskräftig, die Geldbuße wurde gezahlt, und Hambacher lieferte auch brav für einen Monat seinen Führerschein ab.

Konterfei war nicht identisch

Durch Indiskretionen von Eingeweihten bekam die Polizei Wind davon, dass sie eventuell gelinkt worden war. Die Beamten verglichen das Konterfei des Fahrers im geblitzten Golf mit dem von Hambacher und stellten fest, dass es nicht identisch war. Die Ermittlungen ergaben, dass am 23. Mai nicht Hambacher den Golf gesteuert hatte, sondern der Sohn der Fahrzeughalterin, ein 23-jähriger Marktleiter. Doch diesem war wegen zu vieler Punkte in Flensburg die Fahrerlaubnis am 23. September 2010 entzogen worden. Eine Neuerteilung war nicht erfolgt. Den Zeugen-Fragebogen hatte er selbst ausgefüllt und mit dem Namen seiner Mutter unterschrieben, welche von der ganzen Aktion keine Ahnung hatte. Abgesprochen war hingegen die Täuschungsaktion mit Hambacher.

Eine „unerklärliche Dummheit“

So wurde der Marktleiter wegen vorsätzlichen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und Urkundenfälschung in Tateinheit mit falscher Verdächtigung beim Amtsgericht Cham angeklagt. Dort zeigte sich der Angeklagte sofort geständig und bezeichnete seine Tat als „unerklärliche Dummheit“.

Ein wenig nachvollziehbar wurde die Sache, als Richter Andreas Lecker die Strafliste des Angeklagten bekanntgab. Vier Einträge finden sich darin, am gravierendsten eine Verurteilung aus dem Jahr 2012. Wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis wurde der Mann damals zu einer Geldstrafe von 3600 Euro verurteilt, welche er ratenweise abstottert. Staatsanwalt Christian Späth beantragte wegen „der besonderen Dreistigkeit“ eine Freiheitsstrafe von fünf Monaten mit Bewährung.

Richter Lecker verurteilte den Mann zu einer Bewährungsstrafe von vier Monaten. Weitere zwölf Monate darf der Verurteilte keine Fahrerlaubnis erwerben, und 1000 Euro muss er in die Staatskasse als Bewährungsauflage entrichten. Bleibt zu erwähnen, dass auch Hambacher wegen seiner Mitwirkung zu einer gehörigen Geldstrafe verurteilt wurde. (cog)

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