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Ermittlungen

Von Flammen verletzter Junge entlassen

Die schweren Brandverletzungen des Buben aus der Nähe von Waldmünchen verheilen gut. Sein Vater sitzt in Haft.
Von Johannes Schiedermeier

Die Staatsanwaltschaft hat nach der Mutter nun am 1. Dezember auch den Vater des durch Brandwunden schwer verletzten Jungen aus dem Altlandkreis Waldmünchen in Untersuchungshaft nehmen lassen. Foto: km

Waldmünchen.Der Fall des fünfjährigen Buben hat viele noch lange beschäftigt. Bis heute ist unklar, was sich damals im Garten der Familie im Altlandkreis Waldmünchen abgespielt hat. Die Eltern der insgesamt fünf Kinder sprechen bis heute von einem Unfall. Der Anwalt der beschuldigten Mutter, Jörg Meyer aus Regensburg, berichtete unserer Zeitung kurz nach dem Vorfall: „Meine Mandantin wollte einen Gegenstand verbrennen und hat dazu Benzin in die Flamme gegossen. Ein Kanister fing Feuer. Den hat sie weggeworfen. Dabei hat der Junge Feuer gefangen. Meine Mandantin hat ihn gleich an sich gedrückt, um das Feuer zu ersticken.“

Diese Version des Herganges beschäftigt bis heute Staatsanwaltschaft und Kripo. Die 36-jährige Mutter des Jungen wurde in einer psychiatrischen Klinik untergebracht. Der Vorwurf gegen sie lautete zunächst auf versuchten Mord, später ging es um „schwere Misshandlung von Schutzbefohlenen“. Die aktuelle Beschuldigung: „Versuchter Mord durch Unterlassen“. Dieser Vorwurf hat nun auch den Vater getroffen. Er war dabei, als der Junge mit schwersten Verbrennungen an der Hand seiner Mutter in eine Chamer Tankstelle ging. Eine Mitarbeiterin sah die Verletzungen und verständigte die Polizei.

Der Vorwurf des versuchten Mordes durch Unterlassung erklärt sich im Paragraf 211 des Strafgesetzbuches. Darin sind als Merkmale für einen (versuchten) Mord auch die besondere Grausamkeit der Umstände und das Ziel der Verschleierung einer Straftat genannt. Offensichtlich vor diesen Hintergründen hat die Staatsanwaltschaft nun den Haftbefehl gegen den 36-jährigen Vater erwirkt, der am 1. Dezember vollzogen wurde.

Der Fall und seine Entwicklung

  • Der Ablauf

    Eine Mitarbeiterin der Jet-Tankstelle in Cham stellte schwere Brandverletzungen bei einem Fünfjährigen fest. Sie informierte die Behörden. Der Junge kam in eine Klinik. Seine vier Geschwister befinden sich bei Pflegefamilien und in einem Kinderheim.

  • Der Vorwurf

    Die Staatsanwaltschaft Regensburg ermittelt gegen die 36-jährige Mutter wegen versuchten Mordes. Sie soll ihren Sohn mit Benzin übergossen und angezündet haben. Der Vater wird der unterlassenen Hilfeleistung beschuldigt.

  • Der Antrag

    Der Anwalt der Mutter rechnet jedoch damit, dass aufgrund von Zeugenaussagen der Vorwurf des versuchten Mordes nicht weiter verfolgt wird. Er hat beantragt, dass der Unterbringungsbefehl gegen die Frau ausgesetzt wird.

  • Die Reaktion

    Die Staatsanwaltschaft folgte nicht nur dem Antrag des Anwalts der Mutter nicht, sondern hat am 1. Dezember auch den Vater des Jungen inhaftiert.

  • Der Fortgang

    Der zwischenzeitlich geäußerte Vorwurf der „schweren Misshandlung von Schutzbefohlenen“ wurde wieder zurückgesetzt auf den ursprünglichen: Versuchter Mord durch Unterlassung. Nun untersucht die Kripo die Herkunft einer Brennstoffkanne.

Die Staatsanwaltschaft hat gegenüber unserer Zeitung bestätigt, dass der Vorwurf gegen die Mutter abgeändert worden ist. Deren Rechtsanwalt Meyer dazu: „Das weiß ich schon, weil der Unterbringungsbefehl dahingehend abgeändert worden ist.“ Der Anwalt der verdächtigten Mutter sagt aber auch, dass die Unfallversion immer noch haltbar sei. Die Staatsanwaltschaft habe sich mit der Ansicht beim Haftrichter durchgesetzt, dass schon die Tatsache, den Jungen nicht zum Arzt zu bringen, ein versuchtes Tötungsdelikt darstelle.

Das Jugendamt hat seit dem 5. Oktober das Sorgerecht für alle fünf Kinder, berichtet Friedrich Schuhbauer. Der Pressesprecher des Landratsamtes teilt auch mit, dass die schweren Brandverletzungen des fünfjährigen Buben gut verheilen und er seit einer Woche bei zwei Geschwistern ist, die in einem Heim untergebracht sind. „Demnächst werden wir alle zusammenführen“, so Schuhbauer.

Die Vorbesitzer einer solchen Brennstoff-Kanne sucht die Kripo. Foto: Polizei

Inzwischen sucht die Kripo Personen, denen zwischen dem 1. Juni und dem 30. September eine Kunststoffkanne abhandengekommen ist. Über die Hintergründe wird nichts gesagt. Auch der Anwalt der Mutter weiß nichts: „Von einer solchen Kanne war bisher nie die Rede“, sagt Meyer.

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