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Freitag, 18. August 2017 27° 2

Wetter

Wärme, Wellness und Wohlfühlen im Winter

Auch wenn das Thermometer auf Dauerfrost steht, an diesen Orten hat Waldmünchen die nötige Hitze gegen das Dauerfrösteln.
Von Martin Hladik

Magdalena Laubmeier vom Aquafit-Team zeigt den wärmsten Ort in Waldmünchen. In der Finnischen Sauna zeigt das Thermometer 92 Grad. Draußen sind es am Mittwochmittag minus 1 Grad. Foto: Hladik

Waldmünchen.Das Außenthermometer im Auto zeigt am Dienstagmorgen kurz nach 10 Uhr minus zehn Grad an. Bei den ersten Atemzügen vor dem Waldmünchner Heizkraftwerk beißt die Kälte kräftig in der Nase. Es ist wirklich schaurig kalt. Keine fünf Minuten später steht der Reporter in einem Maschinenraum des Heizkraftwerks.

80 Grad zeigt das Thermometer, das Techniker Franz Dietl beobachtet. Im Kessel selbst herrschen Temperaturen von 900 bis 950 Grad. Foto: Hladik

Der Kraftwerkstechniker Franz Dietl und die beiden Geschäftsführer der Böhmerwald-Wärme GmbH, Hans Beer und Christian Graw, stehen an einem der vielen großen silbernen Rohre mit einer Temperaturanzeige und diskutieren über eine kleine Temperaturschwankung, die sie gerade beobachtet haben. Der Zeiger des runden Thermometers steht bei 80 Grad.

Selbst jetzt noch Kapazitäten

„Mit dieser Temperatur liefern wir die Wärme an die Kunden aus“, sagt Graw später im Konferenzraum des Biomasseheizkraftwerks. Im Maschinenraum war die Unterhaltung wegen der Nebengeräusche kaum möglich gewesen. Das Kraftwerk könnte auch noch höher – „90 Grad ist möglich“ – aber selbst bei dem jetzigen Dauerfrost ist das noch nicht nötig. Die Anlage hat noch genügend Kapazitäten frei. Deswegen sei heuer, so Beer, auch eine Erweiterung der Leitungen auf den Marktplatz geplant. Im Heizkessel selbst –das nur zur Ergänzung – herrschen zwischen 900 und 950 Grad.

Im Hackschnitzelbunker lagert bei einer Kältewelle maximal ein Vorrat für 20 Tage. Hans Beer und Christian Graw sowie Techniker Franz Dietl haben aber keine Sorgen vor einer Lieferknappheit. Foto: Hladik

Etliche der Großabnehmer der Wärme sind öffentliche Einrichtungen, wie die Schulen und das BRK-Altenheim. Auch Firmen beziehen Wärme aus dem Hackschnitzel-Heizkraftwerk. Die meisten der rund 90 Wärmeabnehmer sind allerdings Privathaushalte. An Frosttagen wie in den letzten Wochen verbraucht das Kraftwerk rund 150 Kubikmeter Hackschnitzel pro Tag. Das sind rein rechnerisch etwa zwei Lastwagenanlieferungen pro Tag, erklärt Graw.

Dennoch sei der Markt für Hackschnitzel entspannt. Der Brennstoff werde tendenziell eher günstiger. Im Gegensatz zum Heizöl verändere sich der Preis auch im Winter nicht nach oben. Die 150 Kubikmeter Hackschnitzel pro Tag entsprechen dem Heizwert von rund 13 500 Litern Heizöl. Das ist etwa das Fassungsvermögen eines Tanklaster, der normale Haushalte beliefert.

Auch bei hohen Schneelagen und einem langen Winter, der die Wälder schwerer zugänglich macht, werde es keine Versorgungsprobleme mit Hackschnitzeln geben, erklärt Beer. Dafür gebe es zu viele Anbieter auf dem Markt. Etwa ein Vorrat von 20 Tagen lagert bei einer Komplettfüllung unter dem hohen Dach des Heizkraftwerks im Hackschnitzelbunker.

„Im Winter sehnen sich einfach alle nach Wärme, Wellness und Wohlfühlen.“

Magdalena Laubmeier

Das Abreiben mit Schnee gehört zu den besonderen Genüssen beim Saunieren im Winter. Magdalena Laubmeier rät Neulingen, es einmal auszuprobieren. Einziges Manko dabei ist die Rutschgefahr. Foto: Hladik

Der klassische Ort, um Wärme zu tanken, ist die Sauna. Etwa die im Aquafit in Waldmünchen. Das kann Magdalena Laubmeier nur bestätigen. Die Gästezahlen seien jedenfalls deutlich höher als im Sommer. „Der Winter ist gut fürs Aquafit, was die Gästezahlen in der Sauna betrifft!“ Das Aquafit biete drei Saunen an: Das Dampfbad mit 50 Grad, das Saunarium mit 60 Grad und die Finnische Sauna mit 90 Grad. Im Winter gingen auch die in die Sauna, die sonst nicht kämen, sagt Laubmeier. Einmal um sich richtig durchzuwärmen, aber auch aus gesundheitlichen Gründen.

Der Temperaturwechsel zwischen 90 Grad in der Sauna und zweistelligen Minuszahlen im Außenbereich sei sehr reizvoll und härte ab. Niedrige Temperaturen ziehen die Gäste eher an, als dass es sie abschreckt. Eine Ausnahme habe es heuer aber gegeben: An dem Tag mit fast 20 Grad Minus seien weniger Gäste gekommen. Wahrscheinlich, weil sie die kalte Anfahrt zur Sauna scheuten, vermutet Laubmeier.

Auch die Beschäftigten, die einen Aufguss machen, genießen den Temperaturwechsel. Das sei „1000 Mal besser als im Sommer“ sagt Laubmeier, wo man sich gar nicht richtig abkühlen könne. Und mit etwas Motivation seien auch die Anfänger unter den Saunabesuchern dazu zu bewegen, danach einen Gang durch den Schnee zu machen, oder sich sogar im Schnee zu wälzen.

Wärme und Wohlfühlen

Die Wetterstation bei Wullnhof betreibt der Freistaat. Die tiefste Temperatur der Woche gab es am Dienstag um 5 Uhr mit minus 18,6 Grad. Noch kälter war es am 7. Januar mit minus 22,3 Grad. Foto: Hladik

„Sich mit Schnee abzukühlen, ist etwas ganz anders, als mit Wasser. Ich kann das gar nicht richtig beschreiben. Das ist angenehm und so pulverig“, sagt Laubmeier. Bei der Besucherzahl spiele es im Winter erstaunlicherweise keine Rolle, ob es ein Sonnentag ist, oder ob der Morgennebel gar nicht weichen mag. Für Laubmeier gibt es dafür nur eine Erklärung: „Im Winter sehnen sich einfach alle nach Wärme, Wellness und Wohlfühlen.“

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