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Montag, 11. Dezember 2017 14

Planung

Der gute Ruf dringt bis nach Berlin

Das Mehrgenerationenhaus Waldmünchen schickt sich an, in ein neues Förderprogramm des Bundes aufgenommen zu werden.
Von Petra Schoplocher

  • Kinderferienbetreuung und ein „Welt-Café“ sind Wunschprojekte. Deswegen sähen sie (von links) Markus Ackermann, Susanne Nock, Martina Mathes und Hans Ruhland gerne dauerhaft im Angebot. Foto: Schoplocher
  • Umfangreich ist das Angebot im und vom Mehrgenerationenhaus jetzt schon. Das neue Förderprogramm könnte helfen, Vieles noch besser zu machen. Foto: Schoplocher

Waldmünchen.Es könnte ein großer Sprung nach vorne sein: Das Mehrgenerationenhaus Waldmünchen hat sich um Aufnahme in ein neues Förderprogramm des Bundesfamilienministeriums beworben. Klappt dies, steht ein Zuschuss von 40 000 Euro jährlich für 2017 bis 2020 in Aussicht.

Geld, das dem Haus nicht nur gut täte, um bestehende Angebote auszubauen und zu verbessern, sondern auch, um neue Schwerpunkte zu erschließen. Welche das sind, musste das Team um Projektleiterin Susanne Nock neben anderen – allgemeineren – Angaben in einem Konzept zu Papier bringen.

Ganz freigestellt war die Wahl der neuen Projekte nicht. Vorgegeben hatte das Ministerium das Thema demografischer Wandel, das die Waldmünchener in die Kategorie „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ herunterbrachen und eine bessere, weil flexible, Ferienbetreuung anbieten wollen.

Unter der zweiten Maßgabe „Menschen“ schwebt dem Lenkungskreis – Martina Mathes und Hans Ruhland stellten das Vorhaben mit vor – ein „Weltcafé vor, in dem sich einmal im Monat Menschen mit Migrationshintergrund untereinander und mit Einheimischen austauschen können. Gedacht ist „eine niederschwellige Begegnung zum interkulturellen und interreligiösem Dialog“, wie Susanne Nock erläuterte. Ziel: „Vorurteile abbauen“.

Internet ist selbstverständlich

Zu beschreiben war die Lage des Hauses mit Bevölkerungszahlen, Erreichbarkeit und Strukturdaten, darlegen musste die Projektleiterin auch die Rolle des MGH als offener Treff mit Begegnungsstätte und Seminarräumen oder ein öffentlicher Zugang zu Rechner und Internet, „das wird als selbstverständlich angesehen“, informierte Nock.

Das Mehrgenerationenhaus

  • Ausgangslage

    450 Mehrgenerationenhäuser (MGH) sind derzeit beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gelistet. Eines von ihnen ist das 2008 in Waldmünchen eröffnete, dessen Errichtung finanziell gefördert wurde.

  • Charakter

    Gedacht sind sie als zentrale Begegnungsorte, an denen das Miteinander der Generationen aktiv gelebt wird. Diese Aufgabe erfüllt das MGH Waldmünchen auf vielfältige Art und Weise. Neben dem offenen Treff gibt es diverse regelmäßige Angebote von Strickkreis über gemeinsames Singen für die Älteren oder Jugendkino. Vorträge und Aktionen runden das Programm ab.

  • Zuschusssituation

    Nach Ende des ersten Förderzeitraums entschlossen sich die Verantwortlichen, den Folgeantrag nicht zu stellen, da die Kriterien unerfüllbar erschienen. Seitdem schloss die Stadt die Finanzierungslücke mit einem Budget von 16 500 Euro jährlich.

  • Neuer Antrag

    Für die neue Förderperiode 2017 bis 2020 wurden die Kriterien seitens des Ministeriums geändert, so dass sich der Lenkungskreis entschlossen hat, sich wieder um Zuschüsse bemüht.

  • Verfahren

    Die entsprechende „Interessensbekundung“ wurde bis 30. Mai eingereicht, mit einer Entscheidung wird im September gerechnet. In Aussicht steht nach einer noch nötigen formellen Bewerbung eine Förderung von 40 000 Euro pro Jahr, wobei 10 000 davon von Stadt oder anderen Stellen co-finanziert werden muss. (ps)

In den 20 Seiten, die die Verantwortlichen nach Berlin geschickt haben, ist aber auch viel von dem zu finden, was Bürgermeister Markus Ackermann als Leuchtturm bezeichnete und das Martina Mathes als „kleinen Familienstützpunkt“ lobte. Denn dass das MGH am Marktplatz eine Erfolgsgeschichte ist, ist ein offenes Geheimnis. Eine Erklärung dafür lieferte Hans Ruhland: „Die Vernetzung untereinander ist einmalig“, sagte er zum Zusammenspiel von MGH und anderen Verbänden und Organisationen. Auch, dass die Verantwortlichen schnell und flexibel auf Wünsche und Anregungen aus der Bevölkerung reagieren könnten, trage zum Gelingen bei. „Das ist nicht von oben dirigiert, die Themen ergeben sich von unten“, erklärte er.

Bürgermeister Markus Ackermann ergänzte: „Alle verstehen sich als Dienstleister, im Team wird miteinander statt nebeneinander her gearbeitet“. Die Stadt sei stolz auf die Einrichtung und stehe zu 100 Prozent hinter ihr. Ackermann unterstrich die gesellschaftspolitische Aufgabe, die er im MGH sehe. Deswegen sei es auch nie eine Frage gewesen, ob die Stadt die Finanzierungslücke nach Auslaufen der ersten Förderperiode füllen würde. Damals habe eine gewisse Betroffenheit geherrscht, zumal die Kriterien für Waldmünchen nicht relevant und erfüllbar waren.

Stadthaushalt wäre entlastet

Umso positiver gestalte sich die momentane Aussicht auf den zusätzlichen Handlungsspielraum des Hauses und die Entlastung des Stadthaushalts. Zwar muss die Kommune immer noch 10 000 der 40 000 Euro Zuschuss selbst stemmen oder auftreiben, dieser Betrag liegt aber deutlich unter dem, was die Stadtkasse derzeit jedes Jahr zuschießt.

„Ausbaupotenzial haben wir“, war sich der Bürgermeister sicher, der die Bevölkerung im Umkreis als eigentlichen Gewinner sieht. „Das steigert ganz sicher die Lebensqualität“, meinte er. Die Bedeutung des MGH für Familien stellte Martina Mathes heraus. Wohnortnahe, kompetente Angebote und Leistungen seien eine der Stärken, die so manche Fahrt etwa nach Cham überflüssig mache. Auch sie lobte die kurzen Wege und das flexible Eingehen auf Bedürfnisse, das vom Projektteam praktiziert werde. Letztlich sei das Programm maßgeschneidert, fasste Markus Ackermann zusammen.

Warten bis September

Voraussichtlich Anfang September gibt das Ministerium bekannt, ob die Waldmünchener im MGH-Programm III dabei sind. Dann ist eine offizielle Bewerbung von Nöten, die aber nur eine Formsache ist. „Jetzt heißt es erst einmal abwarten“, sagte Nock.

Einen neuen Plan B gibt es nicht: Wenn es mit der Aufnahme in das Programm nicht klappt, bleibt laut Aussage von Markus Ackermann alles beim Alten. Will heißen: Die Stadt lässt sich das MGH und dessen umfangreiches Angebot bis zu 16 500 Euro Defizitausgleich im Jahr kosten. Und darf weiterhin von einem „Leuchtturm“ schwärmen.

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