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Freitag, 15. Dezember 2017 4

Serie

Faszination im Miniaturformat

Fingerspitzengefühl und Geduld sind Fertigkeiten, die die Modellbaugruppe im Mehrgenerationenhaus Waldmünchen nebenbei vermittelt.
Von Petra Schoplocher

Sieht nach „Arbeit“ aus: Die Anlage ist so groß, dass Dieter Hohmann und Stephan Altmann sie nur halbiert im Erdgeschoss aufbauen können. Foto: Schoplocher

Waldmünchen.Stephan Altmann ist der beste Beweis für die Faszination Modellbau: Seit sich die Gruppe im Jahr 2008 unter dem Dach des Mehrgenerationenhauses gefunden hat, ist der heute 20-Jährige dabei. Und er hat eine ebenso mitreißende Erklärung für sein Hobby: „Das Schlimme ist: Das Anfangen ist schwierig. Aber wenn man mal dabei ist, ist Aufhören noch viel schwieriger...“. Über diese Aussage muss sogar Dieter Hohmann lachen, der als Kopf der Gruppe und einer einschlägigen Vita als Modellbauer und Modelleisenbahnsammler schon seit Jahrzehnten um besagte Faszination weiß.

Sieht nach „Arbeit“ aus: Die Anlage ist so groß, dass Dieter Hohmann und Stephan Altmann sie nur halbiert im Erdgeschoss aufbauen können. Foto: Schoplocher

Für die Gruppe, die Dieter Hohmann seit nunmehr sieben Jahren betreut und für die Stephan Altmann als „rechte Hand“ fungiert, ist das aber nur ein Teil des „Auftrags“. Viel wichtiger ist es Dieter Hohmann, den Kindern und Jugendlichen Fingerfertigkeit beizubringen, zu basteln, zu gestalten und eigene Ideen einzubringen. Hohmann weiß, dass nicht wenige Firmen mangelndes Geschick junger Menschen beklagen und dass es nicht selten gerade auch die Eltern sind, die ihren Sprösslingen den Umgang mit Lötkolben oder Teppichmessern nicht zutrauen würden. Dem entgegenzuwirken ist Teil von Hohmanns Motivation – über die Faszination für Modelle und Landschaften im Maßstab 1:87 hinaus.

„Zu hohes Gras“

Dieter Hohmann ist es wichtig, dass die zwischen sieben („vorher hat es motorisch keinen Sinn“) und 18 Jahre alten Teilnehmer selbst aktiv werden. „Wir helfen, beantworten Fragen und geben Ratschläge, aber die Initiative geht von der Gruppe aus“, berichtet Hohmann. Deswegen sieht es mitunter auf den Platten auch für Experten etwas unorthodox aus, „das macht aber gar nichts“. Die beiden Gruppenleiter machen auf Unzulänglichkeiten aufmerksam, wie „zu hohes Gras“, schräg stehende Häuser oder Bäume, die „aussehen wie Klobürsten“. Damit ist es dann aber auch erst einmal genug.

Die Modellbaugruppe

  • Seit seiner Eröffnung im Jahr 2008 erfüllt das Mehrgenerationenhaus (MGH) die Aufgabe, Menschen zu verbinden. Die Modellbaugruppe war von Beginn an dabei.

  • Bereits die erste Suchanzeige, dass die Hobbybastler alte Anlagen oder Material bräuchten, war von Erfolg gekrönt.

  • Seitdem gehen immer wieder Spenden ein, die die etwa Acht- bis 18-Jährigen nach ihren Ideen verwenden oder umgestalten dürfen.

  • Was nicht gebraucht wird, verkaufen die Modellbaufreunde, die ihren Materialbedarf zudem durch Spendenfinanzieren.

  • Als hilfreich haben sich in all den Jahren die Verbindungen von Dieter Hohmann zum Modelleisenbahnerstammtisch in Furth im Wald sowie dem Bundesverband Deutscher Eisenbahn-Freunde (BDEF) erwiesen.

  • Für den BDEF bietet Hohmann als Jugendbeauftragter regelmäßig auf Fachmessen kindgerechtes Basteln an. Zur Weihnachtszeit präsentiert sich die Gruppe immer mit einer Ausstellung.

  • Neben Material- und Abstellraum haben die Modellbauer auf dem Dachboden ein eigenes Reich, in dem im Sommer sogar gebastelt werden kann.

  • Die Modellbaugruppe würde sich über das ein oder andere neue Gesicht freuen. Treffpunkt ist alle zwei Wochen am Samstag von 9 bis 12 Uhr im MGH. Wissenswertes zum MGH und dem Programm gibt es unter www.mgh-waldmuenchen.de . (ps)

Es sei immer wieder beeindruckend, was Kinder können, wenn man es ihnen zutraut, berichtet der Waldmünchener aus jahrelanger Erfahrung. „Ja, es macht auch nach Jahren noch Spaß“, gibt der Modelleisenbahner unumwunden zu. Während Hohmann mehr das Große-Ganze des Hobbys Modellbau sieht, nähert sich Stephan Altmann mehr von der technischen Seite. 80 bis 90 Prozent seiner Begeisterung, so gibt er zu, würden dadurch geschürt, dass er etwas Elektronisches gebaut hätte und das dann funktioniere. Einig sind sich die beiden, dass der Moment, in dem dann Lokomotive und Zug auf der Anlage fahren, ein ganz besonderer ist.

Digital unterwegs

Hohmann und Altmann versuchen, der Gruppe Zugang zu so viel Technik wie möglich zu bieten, wenngleich man „für manches ein halbes Studium braucht“, wie Stephan Altmann schmunzelnd erklärt. Geräusche, Lichteffekte, dampfspuckende Loks und das alles digital angesteuert, „es gibt mittlerweile unglaublich viele Möglichkeiten“, so Hohmann. Das Gros der Lokomotiven sei mittlerweile kein Kinderspielzeug, nennt Hohmann einen Grund, warum sich das Hobby auf dem freien Markt schwertut. Die Loks hingegen, die im MGH gefahren werden, fallen in die Kategorie „Berühren erlaubt“, damit der Nachwuchs auch etwas davon hat. Für die Ausstellungen ist der Griff in die private Sammlerkiste schon einmal erlaubt, fügt Hohmann an.

Fingerfertigkeit ist gefragt: An diesem Samstag bauen die beiden Sebastians (sieben und acht Jahre alt) Häuser im HO-Maßstab 1:87. Foto: Schoplocher

Auch Sebastian und Sebastian haben bereits eine eigene Anlage zu Hause. Bei den Gruppentreffen lernen sie nun, worauf es ankommt und können zugleich ihr Geschick beweisen. Das Basteln macht richtig Spaß, finden die Freunde und einer der beiden zeigt stolz das Haus, das er binnen Stunden zusammengebaut hat. Faszination lässt sich auch ohne Worte ausdrücken – in Form von strahlenden Kinderaugen.

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