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Samstag, 16. Dezember 2017 10

Serie

In der Gemeinschaft Kraft finden

Das Mehrgenerationenhaus Waldmünchen als Anlaufstelle: Zwei Selbsthilfegruppen füllen diesen Sektor im besten Sinne aus.
Von Petra Schoplocher

Alleingelassen in Krise oder Krankheit. Zwei Selbsthilfegruppen im Mehrgenerationenhaus wollen dem entgegenwirken. Symbolfoto: dpa

Waldmünchen.Wenn die gemeinsamen Stunden im Mehrgenerationenhaus auch keine Therapie ersetzen, tun sie doch „unendlich gut“. Das sagt einer, der es wissen muss. Helmut (Name von der Redaktion geändert) leidet seit vielen Jahren an Depressionen. Weil er auch schon in der Großstadt gelebt hat, weiß er, wie wertvoll das Angebot der Selbsthilfegruppe im Mehrgenerationenhaus ist. Denn durch den Austausch mit anderen Betroffenen „merkt man, dass man nicht alleine dasteht“.

Das verleihe Kraft und Mut, erzählt Helmut von seinen Erfahrungen. Seit vergangenen Juli gibt es die Selbsthilfegruppe, die auf Anregung einer Familie ins Leben gerufen wurde. Die Initiatoren, wie auch der Rest der Gruppe, fühlen sich von den Verantwortlichen im Haus gut aufgehoben und verstanden, lässt Helmut im Namen der derzeit sechs Teilnehmer wissen. „Wir reden uns mit Vornamen an und wer nicht mehr preisgeben will, darf das natürlich“, berichtet er von den Treffen. Er selbst ist seit gut vier Monaten dabei, aus der Gründungszeit kommen derzeit noch drei regelmäßig.

Was für Außenstehende nicht zum Umkehrschluss führen darf, die Gruppe bringe nichts oder – im anderen Extrem – man sei nach ein paar Treffen geheilt. Denn: „Wir haben keinen fachlichen Touch“, stellt Helmut klar. Wichtig ist ihm auch, dass der Besuch der Waldmünchener oder einer anderen Selbsthilfegruppe keine ärztliche Therapie oder Hilfesuche ersetze. Es gebe Menschen, die denken, sie gehen in eine Gruppe und die helfen mir, weiß der Waldmünchener. „Wenn ich tief in einem Problem stecke, brauche ich fachliche Hilfe“, erklärt er.

Nicht wenige machten auch den Fehler, dann zu einer Gruppe zu stoßen, wenn es ihnen besonders schlecht gehe. Das funktioniere nicht, sagt Helmut, denn für solche Fälle seien Ärzte und Therapeuten da. Und helfen könne einem Betroffenen ohnehin keiner, glaubt er. „Letztlich muss man sich selber helfen.“

Wobei die Wartezeiten („bis zu einem Jahr“) eine Katastrophe seien. Für akute Fälle gebe es zwar das Bezirksklinikum, aber eine ambulante Gesprächstherapie, wie er sie beispielsweise brauche, erlangten derzeit sechs bis sieben Monate Geduld.

Ihm persönlich helfe es, zu erfahren, wie andere mit der Krankheit umgehen. Aus den Gesprächen mit anderen Betroffenen in Waldmünchen und anderen Orten weiß er, dass viele die Gruppenstunden als Teil der Stabilisierung sehen. Der Bedarf ist da, glaubt Helmut. Er wünscht sich vor allem für die Betroffenen selbst, dass sie den Mut und den Weg zur Gruppe finden würden. „Ich kann nur sagen, dass es gut tut und wir uns danach besser fühlen!“

Selbsthilfegruppen

  • Angebote

    Seit seiner Eröffnung im Jahr 2008 erfüllt das Mehrgenerationenhaus (MGH) die Aufgabe, Menschen zu verbinden. Neben den regelmäßigen acht eigenen Angeboten nutzen das Haus am Marktplatz sieben Externe.

  • Helfen

    Ein wichtiger Ansatz im Selbstverständnis ist „Helfen“. Deshalb sind die zwei Selbsthilfegruppen auch gerne gesehen. Gerne stellt das Haus weiteren Zusammenschlüssen Räumlichkeiten zur Verfügung.

  • Termin

    Die Selbsthilfegruppe der anonymen „Co-Abhängigen“ trifft sich immer am ersten Montag um 19.30 Uhr im Monat. Sie besteht seit 2009, möchte aber nicht viel von sich preisgeben.

  • Teilnehmer

    Stellvertretend für die Teilnehmer schreibt eine Frau: „Da wir alle Betroffene sind, wollen wir keine näheren Erklärungen abgeben.“ Die Betroffenen sind der Auffassung, dass dies durch einen Psychotherapeuten geschehen sollte.

  • Behandlung

    Da sich in der Regel Menschen melden, die bereits in Behandlung sind, sind sie meist von ihren Therapeuten unterrichtet, was in einer Selbsthilfegruppe geschieht. Betroffene Interessierte sind aber herzlich willkommen, sagen die „Co-Abhängigen“.

  • Infos

    Die Gruppe „Depressionen“ kommt alle 14 Tage am Mittwochabend im MGH zusammen. Dauer: etwa zwei Stunden ab 19 Uhr. Wissenswertes zum MGH und dem Programm gibt es unter www.mgh-waldmuenchen.de . (ps)

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