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Samstag, 16. Dezember 2017 5

Kultur

Viel mehr als nur Appetithäppchen

Das „Stodl-Kino“ zeigt Vorfilme aus dem Archiv von Sepp Liegl. Die Erinnerung ans Bürgerfest 2006 ist der erste „Schatz“.
Von Petra Schoplocher

Susanne Nock und Sepp Liegl durchforsten den Koffer mit DVDs, um den Stodl-Kino-Besuchern wie im Vorjahr besondere Vorfilme bieten zu können. Foto: Schoplocher

Waldmünchen.Ein richtiger Geheimtipp sind sie nicht mehr, die Vorfilme, die Sepp Liegl als Einstimmung für das Stodl-Kino beisteuert. Weil sie aber Schätze sind, trifft es das Wort Geheimtipp dennoch. Denn ganz genau wissen die Zuschauer nicht, was sie erwartet und ob sie sich etwa selbst bei der ein oder anderen szenischen Erinnerung mitwirken.

Dieses gepaart mit dem Wiederauflebenlassen bestimmter Ereignisse in Waldmünchen macht den Reiz der Vorfilme aus, weiß Susanne Nock. Sie ergänzte zusammen mit dem Waldmünchener Film-Urgestein bereits im vergangenen Jahr das Stodl-Kino, das seit 2014 das Programm im Mehrgenerationenhaus bereichert. Hervorgegangen war die Idee der „Heimatfilme“ aus einer Befragung im Premierenjahr – die Resonanz und die ganz besonders nette Stimmung bestätigte dies, freut sich Susanne Nock.

Redebedarf nach dem Film

„Manchmal müssen die Leute einfach noch reden“, ergänzt die MGH-Projektleiterin. Doch nicht nur nach den Filmen genießen es die Besucher, sich auszutauschen. Die spontanen „Überkreuzgespräche“ im Publikum während der Vorführungen seien herrlich, findet sie. Dabei entstehen sie meist aus spontanen Kommentaren wie : „schau mal da, der ...“ oder „Oh weh, was ist das denn für eine Frisur?“

Kein Wunder, dass sich Susanne Nock auf die vier Filme freut, die Sepp Liegl in den vergangenen Tagen so aufgearbeitet hat, dass sie gezeigt werden können. Los geht es mit einem Rückblick auf das Bürgerfest, mit dem Waldmünchen 2006 „750 Jahre Stadt“ gefeiert hat. „Das war eine schöne Sache“, erinnert sich Sepp Liegl, der den Zuschauern Vorfreude auf so manche Anekdote machen kann, wie etwa auf die Szene, in der ein Hund einem Mädchen das Essen wegschnappt.

Stodl-Kino in Waldmünchen

  • Die Anfänge

    Im Sommer 2014 wurde das Stodl-Kino erstmals angeboten, im Vorjahr ergänzten die Verantwortlichen die Hauptfilme um Vorfilme aus der jüngeren Waldmünchener Geschichte. Weil diese bildlichen Erinnerungen sehr gut ankamen, gibt es auch heuer vier Beiträge aus dem großen Archiv von Sepp Liegl.

  • Der Auftakt 2016

    Herausgesucht haben Liegl und MGH-Projektleiterin Susanne Nock als erstes einen Film zum Bürgerfest am Marktplatz 2006. Dieser läuft als Vorfilm am Mittwoch um 19.30 Uhr vor „Die Eleganz der Madame Michel“. Ab 18.30 serviert der Französisch-Stammtisch Häppchen zur Einstimmung.

  • Weitere Beiträge

    Vor „Honig im Kopf“ am Dienstag, 12. Juli, wird die 25-Jahr-Feier des TV-Musikzugs bildlich in Erinnerung gerufen. Die Verfilmung von Hape Kerkelings „Ich bin dann mal weg“ steht am Sonntag, 11. September, auf dem Programm. Zur Einstimmung gibt es den Historischen Heimatfestzug 1995. Ein Treffen von Tanz- und Gesangsgruppen aus dem Jahr 1989 auf dem Marktplatz bildet den musikalischen Brückenschlag zum Hauptfilm am Montag, 3. Oktober: „Der Chor – Stimme des Herzens“.

  • Ablauf im Kino

    Der Vorfilm beginnt um 19.30 Uhr, gegen 20 Uhr startet das Hauptprogramm – besucht werden kann auch je nur eine Vorführung. Der Eintritt ist frei, Spenden sind erwünscht. Für Getränke und Knabbereien ist gesorgt, bei kühleren Temperaturen werden zwei Wärmestrahler angeschaltet. (ps)

Doch auch die Stände der Partnerstädte von Combourg, Marktoberdorf oder Plain kommen toll zur Geltung. Münzpresse, Jongleur, Drehorgelspieler oder Auftritt des Männerchors... Sepp Liegl schwärmt sichtlich und weiß, dass musikalische Sequenzen in den Filmen diesen gut tun. Wie der Waldmünchener ohnehin unglaublich viel über das Filmemachen weiß – 40 Jahre alleine umfasst seine -Erfahrung mit VHS-Kassetten, zuvor war es „Super 8“.

Beste Ausstattung

Entsprechend gut ausgestattet ist sein Studio zu Hause: Videorekorder, Brenner, Schneider, eine Matrix – und natürlich reihenweise Digitalkassetten und DVDs. Wobei letztere den 71-Jährigen in letzter Zeit verstärkt beschäftigen. Genaugenommen, seit er eine DVD aus den Anfangsjahren der digitalen Sicherungen nicht mehr abspielen konnte. „Da scheinen doch die Recht zu haben, die sagen, solche DVDs halten nur zehn Jahre“, meint er nachdenklich.

Susanne Nock hat die Kinofilme ausgesucht, die ab Mittwoch gezeigt werden. Nach der überwältigenden Resonanz auf seine Beiträge trägt Sepp Liegl auch in diesem Jahr wieder zum Gelingen bei. Foto: Schoplocher

Denn das würde bedeuten, alle Sicherungskopien erneut zu kopieren – und das zu dem ohnehin schon großen Zeitaufwand, der hinter dem Filmen steckt. Deswegen hat sich Sepp Liegl auch ein Stück weit zurückgezogen. Doch auch andere Faktoren hemmen ihn. Beim Festspiel etwa, bei dem er wenigstens die Premieren im Bild festhalten will, wirkt er mit. Und richtig toll wäre die Dokumentation auch erst, wenn er einen oder zwei Co-Kameramänner hätte.

Da staunt die MGH-Chefin

Susanne Nock staunt ein ums andere Mal, während Sepp Liegl erzählt. Dass er aus reiner Eigeninitiative zur Kamera greift und nicht, weil ihn jemand beauftragt. Oder über seine Beobachtung, dass junge Leute mehr denn je schnelllebig unterwegs seien –nach dem Motto: Mit dem Handy filmen, anschauen, entsorgen. „Schneiden oder archivieren tut da keiner mehr“, sagt Liegl.

Faszinieren kann der Hobby-Filmer aber auch mit den Themen, die er noch auf Lager hat. „Viele Filme hat noch niemand gesehen“, meint Sepp Liegl mit verschmitztem Lächeln. Wegfall der Grenzkontrollen 2007, Bau der Perlseebrücke, Kinderfestzug... Wobei nicht alles für das Stodl-Kino geeignet ist, weil es zu speziell ist, die Jahreszeit („im Sommer geht kaum eine Schneekatastrophe“) oder die Länge nicht passt. Um die 25 Minuten sind ideal, was nicht selten dazu führt, dass Liegl noch eine extra Schicht „im Schneideraum“ einlegt.

Das „Problem“ mit Ereignissen im Winter hat sich übrigens bei dem Gespräch über die Vorfilme gleich mit erledigt. „Das wäre doch was für unseren begehbaren Adventskalender“, fällt Susanne Nock gleichermaßen spontan wie begeistert ein. Die nächste Idee ist also schon geboren – und sie wird sicher so viel Hochgefühl auslösen wie die Waldmünchener Erinnerungen im Stodl-Kino.

Hier lesen Sie weitere Berichte unserer Serie zum Mehrgenerationenhaus in Waldmünchen.

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