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Cham
Donnerstag, 18. Januar 2018 11

Jubiläum

Gipfeltreffen unter Freunden

Wie die Neujahrswanderung zum Cerchov schon Tradition ist, sind es auch viele kleine Bräuche. Allesamt mit viel Herzlichkeit.
Von Karl Reitmeier

Schon am Parkplatz in Capartice war die Begrüßung herzlich. Von dort ging es für rund 250 Wanderer 462 Höhenmeter nach oben auf den Gipfel. Foto: Reitmeier

Waldmünchen.Es war ein schönes Jubiläum, das am 1. Januar gefeiert werden konnte. Zum 20. Male hatte der Touristikclub Domažlice zur Neujahrswanderung eingeladen, bei der sich Männer und Frauen von beiden Seiten der Grenze auf dem Cerchov ein Stelldichein geben.

Rund 250 Teilnehmer, schätzte Touristikclub-Vorsitzender Petr Matejka, traten den 4,5 Kilometer langen Weg mit seinen 462 Höhenmetern von Capartice aus an. Die Wanderung hatte alles zu bieten. Dort, wo vor wenigen Tagen noch viel Schnee lag, sah es bei starkem Wind zunächst frühlingshaft aus, ab und zu gab es auch leichten Regen. Doch die letzten rund 1,5 Kilometer hatten es dann in sich, denn ab der Stadion-Kreuzung war es auf der Straße eisig und damit sehr glatt. Kurz unter dem Cerchov begann es dann sogar zu schneien. Oben wurden die Wanderer zudem von einem starken Wind begrüßt, der über den Gipfel fegte.

Bürgermeister als Chauffeur

Das alljährliche Gruppenfoto, immer mit viel Freude: (von links) Petr Matejka, Jan Kuzelka, Jan Bozdech, Reinhard Tietze, Jan Benda, Franz Löffler, Miroslav Mach, Sandro Bauer und Markus Ackermann. Foto: Reitmeier

Es ist ein schöner Brauch geworden, dass sich zu diesem Treffen auch die Bürgermeister aus den Grenzstädten Domažlice, Klenci pod Cerchovem, Furth im Wald und Waldmünchen einfinden, um sich gegenseitig ein gutes neues Jahr zu wünschen. Und bis auf Bürgermeister Markus Ackermann hatten auch alle zu Fuß den Weg zur höchsten Erhebung des Böhmischen Waldes angetreten. Dass das Waldmünchner Stadtoberhaupt nicht wanderte, hatte seinen Grund: Er musste Nachtwächter Reinhard Tietze mit dem Auto zur Mittagszeit zum Cerchov bringen. Ein klein wenig stellvertretend trat seine Frau Petra den Weg zu Fuß an.

Ebenfalls auf Schusters Rappen gekommen waren die Stadtoberhäupter Miroslav Mach (Domažlice) und Sandro Bauer (Furth im Wald) sowie Jan Bozdech (Klencí pod Cerchovem) sowie Bezirkstagspräsident und Landrat Franz Löffler. Alle hatten ihre Frauen oder Partnerinnen dabei. Die allesamt beim Anstieg gute Kondition bewiesen, wenn auch einige Schweißperlen vergossen wurden. Als „Chauffeur für alle Fälle“ war der Leiter der Städtischen Wälder Domažlice, Forstdirektor Jan Benda, mit dem Auto nach oben gekommen.

Nach dem rund einstündigen Fußmarsch hatten alle Wanderer den Cerchov erreicht. Dort war es in der Hütte des Touristikclubs bereits wohlig warm, Pächter Václav Procházka und seine Partnerin Martina hatten rechtzeitig eingeheizt. Es bewährte sich auch heuer wieder der geschlossene Anbau, in dem zudem Gasbrenner für Wärme sorgten. So ließen es sich viele Wanderer dort gut gehen.

Es war auch diesmal wieder ein freundschaftliches Miteinander und die tschechischen Touristen freuten sich insbesondere über den Auftritt von Reinhard Tietze, der als Nachtwächter verkleidet dem Touristikclub Domažlice mit einem Sprüchlein die besten Neujahrswünsche übermittelte. Der Nachtwächter war zudem ein gefragter Mann für Erinnerungsfotos.

„Pour félicité“

Reinhard Tietze verlas zur Freude der Gäste und unter Augen von Markus Ackermann einen Spruch zum Neuen Jahr. Foto: fkr

In der Hütte des Touristikclubs überraschte der Führer der Wanderung, Jan Kuzelka, mit sogenannten PF-Karten. Hinter der Abkürzung „PF“, die zusammen mit der Zahl des neuen Jahres geschrieben wird, versteckt sich das französische „Pour félicité“; man wünscht sich damit Glück im neuen Jahr. Gerne gaben die Wanderer auch Spenden für die landesweite Aktion zum Anlegen von Wanderwegen für Behinderte in Tschechien. Für diese Aktion zeichnete Petr Matejka verantwortlich.

Wie es so der Brauch ist, wurden auch die mitgebrachten Flachmänner ausgetauscht. Festgehalten wurde auch an der Tradition, mitgebrachte Plätzchen oder kleine Brotzeiten auszutauschen und zu verspeisen.

Das Wichtigste war aber einmal mehr die deutsch-tschechische Kommunikation in freundschaftlicher Atmosphäre, die trotz so mancher Sprachbarrieren bestens funktionierte, insbesondere weil viele Tschechen des Deutschen mächtig sind. Es zeigte sich aber auch, dass unter den Wanderern von beiden Seiten der Grenze im Laufe der Jahre viele nette Freundschaften entstanden sind.

Die gegenseitigen Wünsche schaffte der ein oder andere Deutsche dann auch schon in tschechischer Sprache: „štastný nový rok“. Und so selbstverständlich wie die Wünsche war auch das Versprechen auseinander, am 1. Januar 2019 bei der Neujahrswanderung wieder mit von der Partie zu sein und sich auf dem Cerchov zu treffen.

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