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Donnerstag, 27. Juli 2017 19° 7

Natur

Greifvögel mit Kontaktgift getötet

Der LBV weiß nach entsprechenden Untersuchungen: Zwei Rotmilane und ein Bussard aus dem Landkreis Cham wurden vergiftet.
Von Evi Paleczek

  • Markus Schmidberger, Geschäftsstellenleiter der Umweltstation in Nößwartling (links), und LBV-Kreisvorsitzender Karl-Heinz Schindlatz sehen sich das Gebiet an, in dem die Tiere umgekommen sind. Foto: Paleczek
  • Mittlerweile mussten schon einige Tiere sterben. Foto: LBV

Cham.Im April sind in einem kleinen Gebiet bei Tasching/Cham sechs tote Greifvögel gefunden worden. Diese Zahl hat sich mittlerweile auf acht erhöht. Das teilten Markus Schmidberger, Geschäftsstellenleiter der Umweltstation in Nößwartling, und LBV-Kreisvorsitzender Karl-Heinz Schindlatz bei einem Pressegespräch am Mittwochnachmittag im LBV-Zentrum mit. Die geschützten Mäusebussarde und stark gefährdeten Rotmilane seien keines natürlichen Todes gestorben, sondern illegal getötet worden.

Mit Hilfe von Röntgenaufnahmen seien bei zwei Bussarden Schussverletzungen durch Schrot nachgewiesen worden. Bei den nicht erschossenen Greifvögeln habe der Verdacht einer Vergiftung bestanden. Deshalb seien Proben von zwei Rotmilanen und zwei Mäusebussarden zur toxikologischen Untersuchung nach München geschickt worden. Das Ergebnis: Bei drei Tieren seien Rückstände von Gift identifiziert worden, das zum Tod der Tiere geführt habe.

Vorsichtig sein

Bei den drei anderen Tieren habe die Todesursache nicht eindeutig beziehungsweise aufgrund ihres schlechten Zustands nicht mehr festgestellt werden können. Es sei unklar, ob die vergifteten Greifvögel gezielt ausgelegte Giftköder oder anderweitig illegal vergiftete Nahrung gefressen haben. Vorsicht sei geboten, denn: Genauso wie es die Greifvögel erwischt hat, stellten mögliche ausgelegte Giftköder auch für Kinder und Hunde eine Gefahr dar.

Der LBV ruft die Bevölkerung vor Ort dazu auf, den LBV und die Polizei umgehend zu informieren, falls weitere tote Greifvögel gefunden werden. Außerdem appelliert der LBV an alle Eltern, ihre Kinder nichts Verdächtiges anfassen zu lassen, und an alle Hundehalter, ihre Tiere an die Leine zu nehmen, damit sie mit eventuellen Giftködern nicht in Kontakt kommen können.

Der Verdacht auf Vergiftung bei den nicht erschossenen Greifvögeln habe bestanden, da die Vögel keine äußerlichen Verletzungen gezeigt hätten, ihre Krallen jedoch verkrampft gewesen seien. „Die Untersuchung durch die Ludwig-Maximilians-Universität, Abteilung Toxikologie und Pharmazie, konnte zweifelsfrei eine Vergiftung der Greifvögel nachweisen“, sagte Markus Schmidberger. Das nachgewiesene Gift wirke bereits bei Hautkontakt, sei auch in geringen Dosen hochtoxisch und führe zu Krämpfen.

Die Aufklärung illegaler Tiertötungen sei schwierig, deshalb hofft der LBV auf Hinweise aus der Bevölkerung. „Spaziergänger, die einen toten Greifvogel auf dem Waldboden oder im Feld finden, können diesen beim LBV-Zentrum melden“, sagte Schmidberger. Der LBV-Kreisverband habe 1000 Euro Belohnung für Hinweise an die Polizeidienststelle in Cham ausgesetzt, die zur Ermittlung des Täters führen.

Bereits 2013 drei tote Tiere

Das betroffene Gebiet sei sehr klein, zeigten Schmidberger und Schindlatz auf Karten. Es umfasst für sieben der getöteten Vögel einen Umkreis von 500 Metern, ein Tier hat es wohl noch etwa 500 Meter weiter weg geschafft.

Die beiden vergifteten Rotmilane habe man zudem gerupft, teilte Schmidberger mit, und Löcher in den Knochen entdeckt, die Schusswunden sein könnten. Eventuell sei auf die Tiere also vor Fressen des Gifts oder danach, als sie bereits torkelten, geschossen worden.

Der LBV fordert von der bayerischen Politik, eine Stabsstelle Umweltkriminalität einzurichten, die es in anderen Bundesländern gebe, sagten Schmidberger und Schindlatz. Dann könnte in solchen Fällen – auch in Bezug auf die Luchse etwa – intensiver nachgeforscht werden.

Bereits 2013 seien in der Nähe der jetzigen Fundstellen in Cham zwei tote Rotmilane und ein toter Mäusebussard gefunden worden, blickten Schmidberger und Schindlatz zurück. Der LBV habe damals keine Untersuchungen veranlasst, weil man zu dem Zeitpunkt noch nicht von einer illegalen Tötung der Tiere ausgegangen sei. Eine Fehleinschätzung, wie sich nun zeige, da in diesem Bereich anscheinend regelmäßig Greifvögeln illegal nachgestellt werde. Schmidberger und Schindlatz vermuteten auch, dass die Dunkelziffer der getöteten Tiere noch höher ist. Fuchs und Marder würden die Vögel in vielen Fällen sicher eher finden als Spaziergänger.

Das sagt die Polizei:

Stand der Dinge ist, dass mittlerweile sieben tote Tiere und einige Federn gefunden wurden, teilt Franz Himmelstoß auf Nachfrage unseres Medienhauses mit. Die Polizei geht deshalb von mittlerweile acht toten Greifvögeln aus. Sie wurden seit April bei Tasching gefunden. Bei zwei Tieren wurden Einschüsse mit Schrot festgestellt, bei drei haben Untersuchungen des LBV ergeben, dass sie möglicherweise vergiftet wurden.

Der LBV hat mittlerweile eine Belohnung von 1000 Euro für Hinweise ausgesetzt, die zu dem Täter oder den Tätern führen. Konkrete Hinweise sind bislang nicht eingegangen. Die Polizei ist aber auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen und hofft, die Belohnung wird vielleicht ein Anreiz sein, dass sich Leute melden. Ermittelt wird derzeit in alle Richtungen und gegen Unbekannt, in Zusammenarbeit mit dem LBV und der Staatsanwaltschaft Regensburg. Sie ist Herr des Verfahrens, die Polizei Cham führt die Ermittlungen durch. Es geht um ein Strafverfahren und die Tatbestände Jagdwilderei und Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, weil die toten Vögel ganzjährig geschützt sind.

Hinweise nehmen die Polizeiinspektion Cham und der LBV entgegen.

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