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Cham
Donnerstag, 23. Februar 2017 13° 5

Tiere

Kein Happy End für die Entenküken

Der LBV bringt Igel mit einer nagelneuen Auffangstation durch den Winter. Bei drei Entenküken ist das leider nicht gelungen.
Von Steffi Bauer

Markus Schmidberger bei der Rettung eines Entenkükens aus einem zugefroren See Foto: si

Cham.Wäre der Schnee nicht dazwischengekommen, hätte der kleine Igel schon umziehen können in eine neue Behausung im Freien. Im Herbst geboren und nicht gerade der durchsetzungsfähigste im Konkurrenzkampf mit seinen Geschwistern, war er darauf angewiesen, von Markus Schmidberger und seinen Mitarbeitern aufgepäppelt zu werden, bis er schließlich ein halbes Kilogramm auf die Waage brachte.

Wegen der kalten Temperaturen darf er jetzt aber noch in seiner Bleibe beim Landesbund für Vogelschutz in der Alten Nößwartlinger Mühle verweilen, und zusammen mit einem weiteren Igel in einem kühleren Raum seinen Winterschlaf halten. Die restlichen Tiere, die noch wach sind, haben es schön warm in ihren Boxen in der nagelneuen Igelauffangstation.

Gefährdet sind sie und ihre Igelkollegen bei uns nicht: „Der Population geht es bayernweit ganz gut“, sagt Schmidberger. Geradezu gemütlich mutet so eine Igelrettung an, gegenüber dem Einsatz am Nunstiger Weiher. Letztes Jahr musste Schmidberger nämlich nicht nur Stacheltiere, sondern auch Stockentenküken bergen. Eines vorweg: Diese Geschichte hat leider kein Happy End.

Markus Schmidberger und der Igel Foto: cba

Mutter führte Küken aufs Glatteis

Ein Spaziergänger hatte Schmidberger im Dezember informiert, dass eine Entenmutter ihre sechs Küken sozusagen aufs Glatteis geführt hat – vollkommen ungewöhnlich für die Jahreszeit! Der Natur ihren Lauf zu lassen, wie ja eigentlich die Devise für einen wahren Naturschützer lautet, würde vermutlich nichts Gutes verheißen für die Entenfamilie. Also muss ein Kompromiss her: Schmidberger bittet den Spaziergänger, der in Sichtweite des Weihers wohnt, ob er ein Auge auf die Küken haben könnte. Ein bis zwei, die auf der Strecke blieben – das müsse man als natürliche Auslese sehen.

Sehen Sie hier unsere Bildergalerie: Das Jahr 2016 des LBV in Bildern:

Das erlebte der LBV im Landkreis Cham im Jahr 2016

Aber schon am nächsten Tag liegen drei Entenküken tot auf dem Eis, und Schmidberger rückt aus, mit dem VW-Bus des LBV und einer Wathose. Minus 1 Grad kalt ist es. Der Weiher ist komplett zugefroren, bis auf eine kleine Stelle hinter der mittig gelegenen Enteninsel, wo die übriggebliebenen Küken fiepen. Also hinein ins eiskalte Nass! Ausgerüstet mit einem Kescher gelingt es ihm, den Entennachwuchs einzufangen – aus dem Gelege, in das eines sich flüchtet, und eines sogar nach einem Tauchgang.

Dann schließlich noch einmal eines aus dem Nest, aber erst nachdem es die Insel umrundet und Schmidberger somit durchs Eis geschickt hat. Danach durften sich endlich alle aufwärmen, der LBV-Geschäftsstellenleiter und seine neuen Schützlinge, letztere in einer der Igel-Boxen und nahrungstechnisch gut versorgt mit wirbellosen Tierchen aus der Zoohandlung.

Aber obwohl die drei Küken es mollig warm hatten und sich ihre Mahlzeiten schmecken ließen, haben sie es dennoch leider nicht geschafft – trotz aller Bemühungen der LBV-Mitarbeiter. Die für sie unnatürliche Jahreszeit hatte den Entchen einfach keine Überlebenschance gelassen.

Sehen Sie hier unser Video von der Kükenrettung:

Markus Schmidberger vom Landesbund für Vogelschutz rettet die Entenküken am Nunstinger Weiher. Video: Schiedermeier

Nach dieser traurigen Nachricht: Welche positiven Seiten hatte 2016? Bemerkenswert ist, dass der Kranich wieder Fuß fassen konnte in der Oberpfalz. „Das hätte ich nie geglaubt“, gibt Schmidberger zu. Und ebenfalls sehr bedeutsam, nicht nur für den LBV: „Dass bei den Luchstötungen endlich die Mauer des Schweigens gebrochen worden ist.“

Verlust des Artenreichtums

Eine der Beobachtungen, die auch der LBV machen musste, ist laut Schmidberger der Verlust des Artenreichtums in der Natur, allerdings nicht nur auf 2016 bezogen, sondern auf die letzten Jahrzehnte: „Die Artendichte und -vielfalt in der offenen Kulturlandschaft hat abgenommen, das betrifft Vögel, aber zum Beispiel auch Schmetterlinge und Blühpflanzen.“

Hier schlagen sich wohl verschiedene Ursachen nieder, und eine davon ist sicherlich der Pestizideinsatz, ist Schmidberger überzeugt. Im Chambtal seien alle Wiesenbrüter ausgestorben, wegen der intensiven Landwirtschaft habe kein Vogel mehr die Chance, zu brüten. Schmidberger hat aber auch Verständnis für die Landwirte: „Die Politik müsste ihnen einfach rentable Alternativen anbieten. Wenn beispielsweise mit dem Schutz eines Uferstreifens das gleiche Geld verdient wäre wie mit der konventionellen Landwirtschaft, wäre das eine super Angelegenheit.“

Entwarnung für Singvögel

  • Keine Vogelgrippe

    Ende des Jahres hatten die LBV-Kreisgruppe etliche Meldungen erreicht, dass die zu dieser Jahreszeit üblichen Vögel am Futterhäuschen oder im Garten vermisst werden. Lag es an der Vogelgrippe, wie viele mutmaßten? Hier gibt Markus Schmidberger Entwarnung: „Singvogelarten werden nicht von der aktuellen Form der Vogelgrippe befallen.“

  • Vogelzählung

    Einen Aufschluss über das tatsächliche Fehlen von Vögeln an Winterfutterstellen könnte Deutschlands größte Vogelzählung geben. Die „Stunde der Wintervögel“ fand vom 6. bis 8. Januar statt. Alle Naturfreunde waren aufgerufen, eine Stunde lang die Vögel am Futterhaus zu zählen und dem LBV zu melden. Momentan läuft die Eingabe und Auswertung.

An die Politik appelliert er auch noch in anderer Hinsicht: Bald werde nämlich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit der Wolf seine ersten Jungen in Bayern haben, und das würde dann, im Gegensatz zu den Luchsen, nicht nur Auswirkungen für Jäger haben, sondern auch für die Landwirte. „Wenn wir keine Bilder von zerfleischten Tieren haben wollen, müssen geeignete Schutzmaßnahmen ergriffen werden.“ Für die Weidezäune brauche es viel mehr Litzen, und das koste Geld. Hier müsse der Staat den Landwirten unter die Arme greifen. Auch Schutzhunde seien eine gute Sache, aber man müsse bereits jetzt mit der Ausbildung beginnen. „Andere Bundesländer machen es schon vor, leider wird bei uns hier noch zu wenig getan“, so Schmidberger.

Hier finden Sie weitere Teile unseres Jahresrückblicks.

Hier lesen Sie weitere Meldungen aus dem Landkreis Cham.

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