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Cham
Montag, 25. September 2017 18° 3

Gipfeltreffen

Klimaschutz heißt Fluchtursachen bekämpfen

Umweltschützer aus Ostbayern und Tschechien plädieren für Energiewende und kämpfen gegen ein Atomendlager an der Ländergrenze.

Gipfeltreffen: Rund 70 engagierte Umweltschützer und Atomkraftgegner trafen sich am Osser zur Solidaritätsbekundung. Foto: Kurzmann

Lam.. Die Bürgerinitiative Bayerischer Wald gegen Atomanlagen (BI) und der Bund Naturschutz (BN) hatten zur Zusammenkunft vor der Bergwachthütte am Osser aufgerufen. Dem Aufruf folgten rund 70 Engagierte, davon rund 30 aus Tschechien.

Robert Kurzmann von der BN-Kreisgruppe Cham bedauerte, dass MdB Karl Holmeier gegen Abschaltung alter Braunkohlekraftwerke sei. Sein Appell an die Politik lautete: Klima- und umweltschädliche Subventionen streichen, die allein in Deutschland jährlich 57 Milliarden Euro ausmachen.

Kurzmanns BN-Kollege Dr. Herbert Barthel wies darauf hin, dass die Energieträger der Zukunft Sonne und Wind sind. Im Gegensatz zu Atomkraft und Klimawandel stellen uns diese jedoch nicht vor fast unlösbaren Probleme: „Die Folgen des Klimawandels werden hauptsächlich die Menschen im Norden Afrikas und im Nahen und Mittleren Osten treffen, denn bei uns wird es wohl weiterhin Wasser geben. Um zu überleben werden diese Menschen zu uns kommen. Wenn wir uns mit dem Flüchtlingsproblem beschäftigen wollen, müssen wir den Klimaschutz ernsthaft angehen“.

Um von der Verbrennung fossiler Energieträger wegzukommen sei das EEG in Deutschland ein bahnbrechendes Konzept mit Strom aus Fotovoltaik und Windkraft. Weltmeister im Zubau von Wind- und Sonnenstrom sei heute China, während bei uns durch Änderungen im EEG der Ausbau der Energiewende abgebremst wurde..

Pfarrer Andreas Schlagenhaufer verdeutlichte am Beispiel des Heiligen Samariters, dass es nicht nur darum geht dem zu helfen, der in Not geraten ist, sondern auch die Verantwortlichen zu benennen, die zu dessen Notlage geführt haben. Papst Franziskus finde hier deutliche Worte: „Die Erde, unser Haus, scheint sich immer mehr in eine unermessliche Mülldeponie zu verwandeln“. Explizit benennt der Papst dabei auch den Atommüll, der nach wie vor täglich produziert werde, obwohl derzeit niemand weiß, wo dieser sicher gelagert werden könne.

Im Anschluss berichtete der Bürgermeister von Manovice über seine Erfahrungen aus mittlerweile 15 Jahren Endlagersuche in Tschechien. Die tschechische Regierung konnte bisher nicht sagen, nach welchen Kriterien die Suche durchgeführt wird. Neben Manovice droht auch fünf weiteren angrenzenden Gemeinden, dass sie dem Erdboden gleich gemacht werden, falls das Endlager dort gebaut werden sollte.

Laut Hanna Konvalinkova vom Vorstand der tschechischen Grünen werden in Tschechien aktuell sieben sogenannte „tiefe Endlager“ geprüft. Hierzu habe sich ein Bündnis von 22 betroffenen Gemeinden gebildet, mit der Forderung an die Regierung, die Suche zu beenden, bis Kriterien für ein Endlager benannt werden und darüber ein Dialog mit den Bürgern stattfinde.

Den Abschluss der tschechischen Redner machte Pavel Vltek von OIZP, der es nach seinen Worten unverschämt fand, dass auf tschechischer Seite der weitere Ausbau des Atomkraftwerks Temelin geplant wird, dessen Strahlung schneller Bayern als die Hauptstadt Prag erreichen würde.

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