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Kolumne
Sonntag, 17. Dezember 2017 5

Kolumne

Erdogan: „Klassenkasperl der Politik“

Die deutsche Reiseindustrie ist am Boden, sagt Matthias Meier. An der Ostsee herrscht kein türkisches Ballermannfeeling mehr.
Von Matthias Meier

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan (rechts, hier mit seiner Frau Emine) bekommt von unserem Kolumnisten einen besonderen Titel verliehen. Foto: dpa

Cham.Die Qual der Wahl – so lautet das Motto im September. Dieses Sprichwort bezieht sich allerdings nicht nur auf die Bundestagswahl. Für viele Kinder ist er nun vorbei – der letzte schöne Tag im Leben – Schulbeginn. Nur beim Gedanken daran läuft es mir eiskalt den Rücken hinunter. Ich war zwar in der Schule am Jahresende immer einer der Besten (von denen, die durchfielen), aber trotzdem kann man bei meiner Schulzeit von der schwärzesten Epoche meines Lebens sprechen.

Allerdings war ich damals schon ein sehr innovativer Schüler. Ich machte damals schon die fünfstufige Realschule. Bei der Zeugnisausgabe am Jahresende der neunten Jahrgangsstufe, deren Klassenziel ich allerdings nicht erreichte, konnte ich genau an dem Gesichtsausdruck meiner Lehrerin erkennen, dass für sie eine Welt zusammenbrach.

Die arme Frau...

Diese arme Frau hatte mich nun noch ein Jahr länger an der Backe, und ich führte mich auch dementsprechend auf, so dass das Lehrerkollegium beschloss, dem Meier so schnell wie möglich einen Realschulabschluss zu geben, um den Parasiten endlich aus dem Bienenstock raus zu bekommen. Da bestätigte sich wieder das Sprichwort: „Dumm darf man sein, man muss sich nur zu helfen wissen“.

Aber nun zurück zur Wahl. Hinter einer Wahl steckt ja ein Entscheidungsprozess. In der Schule werden nun in ganz Bayern die Klassensprecher gewählt. Ich wurde früher nicht mal als Kandidat für den Klassensprecher aufgestellt. Aus Trotz übernahm ich die Rolle des sogenannten „Klassenkasperls“. Hier konnte mir früher keiner das Wasser reichen.

„Jetzt geht’s los mit den Sanktionen für Deutschland und ich muss sagen, mit der Verhängung einer Reisewarnung für Deutschland hat er uns wirklich an der empfindlichsten Stelle getroffen.“

Unser Matthias Meier hebt mal wieder mahnend-tadelnd den Zeigefinger. Foto: Archiv

Aber die Zeiten ändern sich. Der türkische Diktator-Azubi Erdogan machte sich diesen Monat zum „Klassenkasperl“ der Weltpolitik. Durch eine fatale Entscheidung hat er unsere Wirtschaft ruiniert. Jetzt geht’s los mit den Sanktionen für Deutschland und ich muss sagen, mit der Verhängung einer Reisewarnung für Deutschland hat er uns wirklich an der empfindlichsten Stelle getroffen. Die ganze deutsche Reiseindustrie ist am Boden zerstört. Wo früher noch an der Ostsee ein türkisches Ballermannfeeling mit Schweinswürstel und Beck’s- Bier herrschte, ist heute gähnende Leere.

Dem deutschen Tourismus fehlen einfach immer wieder die jährlich zurückkommenden türkischen Badegäste, die ihre ganzen türkischen Lira bei uns im Land lassen. Ein gekonnter Schachzug des Herrn Erdogan – ein tiefer Stich mitten ins wirtschaftliche Herz Deutschlands. Oder wie man es bei uns in Bayern formulieren würde: „Der is’ so hohl wia a Christbaumkugel“. Fazit – definitiv – Klassenkasperl der Politik 2017.

Gscheid oder brunzdumm

Aber nun zur bevorstehenden Bundestagswahl: Ich finde es ein großes Privileg, demokratisch wählen zu dürfen, nach seinen Vorstellungen und seiner persönlichen Meinung. Das ist in der Weltpolitik leider nicht selbstverständlich. Ob jung oder alt, Mann oder Frau, dick oder dünn, saugscheid oder brunzdumm – jeder darf wählen.

Da ich in letzter Zeit viele Beiträge von AfD-Anhängern auf Facebook gelesen habe, musste ich leider feststellen, dass es den meisten nicht möglich war, bei zehn Wörtern weniger als zwölf Fehler zu schreiben. Demokratie heißt Zusammenhalt, darum möchte ich aus Zwecken der Gleichberechtigung den potenziellen AfD-Wählern noch ein paar Wahltipps mit auf den Weg geben. Wäre ja schade, wenn auf Grund eines Bildungsdefizites die Stimme ungültig wäre:

Unter dem Motto „Hau ab, hau ab“ ist nicht nur ein Kreuz bei der AfD zu machen. Es ist auch zwingend erforderlich, den Namen Angela Merkel durchzustreichen (inklusive CDU). Um die Aufrichtigkeit zum Wohle des „teutschen Volkes“ zu unterstreichen und letztendlich den Wahlzettel gültig zu machen, ist es unerlässlich, diesen nach Beendigung des Wahlvorgangs zu unterschreiben. So, jetzt kann nichts mehr schiefgehen.

In diesem Sinne wünsche ich ein frohes Farbenspiel im Herbst und bald einen schönen Wahlsonntag. Bis bald, Euer Meier!

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