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Freitag, 15. Dezember 2017 11

MZ-Kolumne

Schein und Sein in der Weihnachtszeit

Diesmal schreibt Kabarettist Matthias Meier über Bayerns Suche nach dem „next Superkine“ und warum sich Jesus distanziert.
Von Matthias Meier

Einmal im Monat schreibt Matthias Meier eine launische Kolumne für unser Medienhaus. Foto: Meier

Cham.Eines meiner Lieblingszitate, passend zur Weihnachtszeit, stammt von Gerhard Polt: „Oft dauert es doch geraume Zeit, bis man erkennt, dass der Heilige Nikolaus eigentlich kein Heiliger, sondern ein Mensch – und der Krampus ein Arschloch ist“. Der Schein trügt – und damit meine ich nicht den vorweihnachtlichen Heiligenschein.

„Schein oder sein“, so lautet auch das Motto, das zur Zeit bei der bayerischen CSU an oberster Stelle steht. Die neue bayerische Casting-Show lautet: „Bavarian next Superkine“. Es scheint, als ob es nur noch ein paar Züge mit der Säge bedarf, mit der der Markus Söder seit einer gefühlten Ewigkeit am Stuhl des amtierenden Ministerpräsidenten sägt. Es bleibt spannend. Viele Namen sind in aller Munde: Markus Söder, Joachim Herrmann – eventuell gibt es sogar die erste bayerische Queen – Eise Ilgner.

Wenn man die Charaktereigenschaften der früheren bayerischen Könige so betrachtet, dürfte jeder in Frage kommende Kandidat die Nachfolgekompetenz besitzen. König Ludwig I. war fast taub und stotterte extrem, König Ludwig II. wurde wegen seiner Maßlosigkeit als geisteskrank erklärt und Prinzregent Ludwig (später König Ludwig III.) hatte nur seine Landwirtschaft im Schädel und scherte sich nichts um die Regierung. Wir sehen – die Messlatte ist da recht hoch...

Übrigens Maßlosigkeit – es geht wieder los. Ich habe mir geschworen, dass ich heuer kein einziges Weihnachtsplätzchen esse. Meine Frau ist schon fleißig am Plätzchenbacken, und wie jedes Jahr fehlen ihr unterm Backen die passenden Zutaten, und ich muss einen auf „Hermes, der Götterbote“ machen.

„Fahr schnell in die Stadt und hol Milch, Backpulver und Zimtstangen.“ Als ich nach Hause kam, war der Teufel los, als meine Frau den Einkauf inspizierte. „Spinnst du“, schrie sie mich an, „ ich sagte Milch, Backpulver und Zimtstangen, nicht Augustiner, Schnupftabak und Marlboro!“ Wenn ich so über den Vorfall nachdenke, waren die vielen Schimpfen voll und ganz berechtigt, und ich hätte es eigentlich verdient, bei Wasser und Brot in der Hundehütte übernachten zu müssen.

Da Meier und sei Monat – hier lesen Sie weitere Kolumnen von Matthias Meier

Das wäre das gleiche, wenn man zu einem Europaabgeordneten sagen würde: Jetzt fährst du nach Brüssel und dann stimmst du gegen das gefährliche, gesundheitsgefährdende Glyphosat, er sich aber dann wegen seiner Völlerei und Nimmersattheit entscheidet, doch für die Zulassung dieses Menschengiftes für weitere fünf Jahre zu stimmen. Unvorstellbar.

Was hätte ein aufrichtiger, vom Volke gewählter Politiker für Gründe, für so ein menschenverachtendes Verhalten? Vielleicht trifft es ja ein niederbayerisches Sprichwort auf den Punkt: „De Sau, wos fiahre kimmt am Trog, de frisst se voll bis nimmer mog“. Das wäre für die Bevölkerung ein egomanisches Verhalten mit exzessiven Folgen. Während diese Entscheidungsträger bereits mehrere Jahre wegen altersbedingten Organversagens in der Kiste liegen und sich um nichts mehr scheren müssen, kämpfen unsere Kinder wegen dieser gierigen materiellen Machtentscheidung in der Blüte ihres Lebens mit der Krankheit Krebs ums Überleben.

Da weiß man nicht, was gescheiter wäre. Einen ordentlichen römischen katholischen Exorzismus oder eine Inquisition des 17. Jahrhunderts, dass grod a so staubt?

Aber so ein Fehlverhalten ist ja bei einer christlichen Partei nicht möglich. Da würde sich unser Jesus Christus aus Pietät von seinem Nachnamen distanzieren, um ein Zeichen zu setzen, dass die bayerische Spitzenpartei keine christliche Glaubenspartei, sondern eine satanistische Saubande wäre, die zum obersten Ziel hätte, die Apokalypse, die in der Offenbarung des Johannes beschrieben wird, schnellstmöglich herbeizuführen.

Da wären die Leute wiederum nicht nur um den Nikolaus, sondern auch um den am Anfang dieses Textes zu Unrecht behandelten Krampus wieder froh. Von diesem Knecht bekommst halt eine mit der „Gatt“ und gut ist es.

Die Foltermethoden, derer sich ein Agrar-Knecht-Rupprecht der CSU bedienen würde, wären verheerend und würden ein langfristiges gesundheitliches Leid in der bayerischen Bevölkerung pestartig herbeiführen.

So, jetzt esse ich doch noch schnell ein paar Plätzchen, wer weiß, wie lange wir diesen Genuss noch wahrnehmen können.

Bis bald, Euer Meier

Die Kolumne

„Da Meier und sei’ Monat”: So heißt eine Samstags-Kolumne von Bayerwald-Echo und Kötztinger Umschau. Matthias Meier (da Meier), der mit der Gruppe Da Huawa, da Meier und I bekannt geworden ist, schreibt alle vier Wochen einen launigen Beitrag für unser Medienhaus. Darin erzählt der Musiker (Bass, Trompete, Tenorhorn und Pustekeyboard) nicht nur private Begebenheiten, sondern gibt auch Erlebnisse zum Besten, die er auf Tour und mit seinen Kollegen Christian Maier (Da Huawa) und Siegi Mühlbauer (da I) hatte. Viele von Meiers Bühnensketchen und Einlagen – der Künstler gilt als Showtalent und echter Unterhalter – sind mittlerweile Kult. Der Riedinger ist ein Meister der Parodie und verstärkt mit dunkelster Bassstimme genauso den Dreigesang der Gruppe wie mit höchsten Tönen. Seit diesem Jahr tourt er mit seinem Solo-Programm „Ausgewogen“ durch die Lande.

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