mz_logo

Kolumne
Sonntag, 10. Dezember 2017 10

Serie

Wahre Gruselgeschichte aus dem Vorgarten

Wie unser Kolumnist Matthias Meier am 31. Oktober kleine Verbrecher-Banden verjagt – und dafür ordentlich Ärger kassierte.
Von Matthias Meier

Eine wilde Meute suchte Matthias Meier am Dienstagabend heim. Der vertrieb sie todesmutig. Foto: dpa

Cham.Eine finstere Zeit. Es gibt für mich nichts Schlimmeres als eine Anreise zum Auftrittsort im Dunklen. Das Motto „Zeit is a Matz!“ ist nicht nur der Titel unseres aktuellen Bühnenprogramms, sondern scheinbar auch eine der wenigen negativen Hinterlassenschaften des Altkanzlers Helmut Schmidt, unter dessen Regierung 1978 das erste Jahr der frühen Finsternis eingeführt worden ist.

Eines ist sicher – mit Tradition hat das Ganze nichts zu tun. Na gut, ist halt so. Es gibt Schlimmeres. Kriminelle Banden schickten heuer am 31. Oktober ihre noch unstrafmündigen Kinder als organisierte Banden von Haus zu Haus, um Lebensmittel zu erpressen. Ich arbeitete diesen Tag ausnahmsweise im Garten. Vor dem Bereich meines Tonstudios musste ein Kopfsteinpflaster verlegt werden, auf höchsten Befehl meiner Regierung, da wir Musikanten immer den Dreck mit hineinziehen. Der Vorschlag, dass man sich die Schuhe abputzen soll, wenn man wieder nach draußen geht, stieß auf wenig Anklang.

Matthias Meier

So schaufelte und buddelte ich an diesem dunklen Abend wie ein blinder Maulwurf mit Schaufel und Pickel im Dreck herum. Ich sah schlimm aus. Unrasiert mit einem Blaumann, der schon so viele Löcher hatte, dass man nicht mehr genau weiß, für welches man „hineinschliefen“ muss, einen alten Waidlerhut, von oben bis unten voller Dreck mit viel zu großen Gummistiefeln. Auf einmal hörte ich gegen 18.30 Uhr eine wilde Meute, die anscheinend in Anmarsch meines Hauses waren: „Das muss bestimmt die gefährliche Bande sein, von der schon weit und breit die Rede ist.“ Und schon hörte ich die Haustürglocke. Ich schlich mich durch die Garage leise zur Haustüre, in der Hand einen Pickel und mit der Stirnlampe beleuchtete ich von unten mein Gesicht. Das waren wirklich schlimme Gesellen. Einer muss hingefallen sein, da sein ganzes Gesicht voller Blut war, der andere war sichtlich unterernährt, da sah man nur die weißen Knochen, und eine Gestalt erinnerte mich an meine Grundschullehrerin, nur dass sie noch einen Besen in der Hand hatte. Aus dem Hinterhalt lief ich mit dem Pickel über meine Schulter mit lautestem Gebrüll auf die Gruppe zu, die letztendlich flüchtete. Meine Frau machte die Haustüre auf, und ich sagte stolz zu ihr: „Gell, dene hob is gezeigt.“ Sie zeigte mir nur den Vogel. Keine fünf Minuten später kam wieder eine Horde Menschen, diesmal aber lauter normal aussehende Erwachsene, alle scheinbar aus meinem Dorf, und schimpften auf mich ein, was mir einfiele, ihre Kinder so zu erschrecken.

Da Meier und sei Monat – hier lesen Sie weitere Kolumnen von Matthias Meier

Jetzt habe ich das Ganze erst kapiert, das ist scheinbar ein uralter bayerischer Brauch, den ich Kulturbanause nicht kannte. Sie nennen es Hallo-Wien. Scheint ursprünglich aus der österreichischen Hauptstadt zu kommen. Mir war diese Angelegenheit auf bairisch gesagt „sauzwieder“, und ich bat sie, dass sie die Kinder nochmals vorbeischicken sollen, um das Missverständnis aufzuklären. Kurz darauf kamen die Kinder, klingelten, und ich öffnete mit frischen Klamotten und gewaschen die Haustüre, als ob es den vorherigen Vorfall nie gegeben hätte. Jetzt sagten die Kinder: „Süßes oder Saueres!“ „Hm“, dachte ich mir, „was wollt ihr denn?“ Die Kinder antworteten wie aus der Pistole geschossen: „Ich was Glutenfreies – ich hab Laktoseintoleranz – ist diese Schokolade vegan – ich kann keine Nüsse essen – ist das Bio – bitte ohne Gelantine – ist das aus der Region – bitte Vollkorn“. Kurze Zeit überlegte ich und erinnerte mich an die Fragestellung der kleinen Gruselzwerge: „Süßes oder Saueres?“ – „Bin gleich wieder da“, antwortete ich hektisch und lief Richtung Küche. Als ich wieder an der Haustüre war, sagte ich: „Ich hab was gefunden für euch“ und übergab ihnen ein Fünf-Kilo-Glas Essiggurken. Die süßen Kinder machten ein saueres Gesicht und dampften enttäuscht ab – mit ihnen die kopfschüttelnden Eltern. Entsetzt rief ich ihnen nach: „Wenn ihr nächstes Mal als Sternsinger kommt, dann gibt’s zu de Gurken an warmen Leberkäs dazu.“ Und so zogen sie davon. Bis bald, Euer Meier!

Die Kolumne

Matthias Meier (l.), Siegi Mühlbauer (Mitte) und Christian MaierFoto: Band

„Da Meier und sei’ Monat”: So heißt eine Samstags-Kolumne von Bayerwald-Echo und Kötztinger Umschau. Matthias Meier (da Meier), der mit der Gruppe Da Huawa, da Meier und I bekannt geworden ist, schreibt alle vier Wochen einen launigen Beitrag für unser Medienhaus. Darin erzählt der Musiker (Bass, Trompete, Tenorhorn und Pustekeyboard) nicht nur private Begebenheiten, sondern gibt auch Erlebnisse zum Besten, die er auf Tour und mit seinen Kollegen Christian Maier (Da Huawa) und Siegi Mühlbauer (da I) hatte. Viele von Meiers Bühnensketchen und Einlagen – der Künstler gilt als Showtalent und echter Unterhalter – sind mittlerweile Kult. Der Riedinger ist ein Meister der Parodie und verstärkt mit dunkelster Bassstimme genauso den Dreigesang der Gruppe wie mit höchsten Tönen. Seit diesem Jahr tourt er mit seinem Solo-Programm „Ausgewogen“ durch die Lande.

Weitere Nachrichten aus Cham und der Region lesen Sie hier.

Erhalten Sie täglich die aktuellsten Nachrichten bequem via WhatsApp auf Ihr Smartphone. Alle Infos dazu finden Sie hier.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht