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Region Franken
Samstag, 16. Dezember 2017 6

MZ-Serie

Die Geheimnisse stecken im Garten

Nicht nur zur Festspielzeit ist der Gasthof Opel in Heinersreuth eine exquisite Adresse: Hier wachsen alte Tomatensorten.
Von Thomas Dietz, MZ

  • Immer fröhlich und vergnügt: Katrin Opel macht den Service und bereitet Sülze und Desserts zu. Für den Gemüsegarten und den Rest der fränkisch-rustikalen Küche ist ihre Mutter zuständig. Fotos: Gabi Schönberger
  • Im Treppenhaus: Das hellblaue Regal stammt aus der früheren Metzgerei.

Heinersreuth.Die Gemeinde Heinersreuth liegt nur vier Kilometer nordwestlich vor Bayreuth und der Hotel-Gasthof Opel verkehrsgünstig an der B85. Keine Frage, dass zur Festspielzeit besonderer Hochbetrieb herrscht. Dann stellt Katrin Opel (37) immer die Wagnerbüste aus Gips auf das Fensterbrett: „Einige Gäste erwarten das“, sagt sie, „drehen sie sogar herum, damit der Maestro sehen kann, was sie essen.“

Zur Festspielzeit immer ausgebucht: Blick in eines der elf Zimmer

Katrin Opel und ihre Mutter Christine (67) haben sich längst darauf eingestellt, dass Wagnerianer ihre eigenen Spleens pflegen. „Gäste haben erzählt, das sie in ihrem Haus ein privates Café Lohengrin mit 1000-Watt-Boxen haben. Dass sie nach der Vorstellung nicht angesprochen zu werden wünschen, weil sie innerlich noch so erfüllt seien. Darum spielen wir in der Gaststube auch keine Musik.“

Das schöne Haus aus fränkischem Sandstein wurde 1833 errichtet – auf Kellergewölben des alten Schlosses, das an Silvester 1561 abbrannte. Die älteste Urkunde, die Heinersreuth erwähnt, stammt aus dem Jahr 1398. Familie Opel kaufte das Anwesen 1905 und baute es um: „Urgroßvater hat unterm Tanzsaal eine Säule herausnehmen lassen, um mehr Platz zu gewinnen“, berichtet Katrin Opel.

Heute hat das Haus elf Zimmer mit 21 Betten, in die Gaststube passen 40 Gäste, im Sommer kommt noch der hübsche, grüne Biergarten dazu. Eine vernünftige Busverbindung vom und zum Festspielhaus gibt es nicht, die Gäste kommen mit dem Taxi oder organisieren ihre Shuttles selbst; Amerikaner sind da angeblich besonders fit.

Uropa signierte „Opel ohne Auto“

Hundertmal wurde Katrin Opel gefragt, ob sie mit der Automobil-Dynastie verwandt sei: „Nein. Wir sind seit 400 Jahren eine echte fränkische Familie, nur der Name Opel ist nicht fränkisch, da müsst er ja ,Obbel‘ heißen.“

Urgroßvater unterschrieb gerne „Opel ohne Auto“ und auch Gäste behaupteten schon, dass sie Opel hießen: „Ein Bill Opel aus den USA war mal da und ein Ruben Opel aus Südamerika“, sagt Katrin Opel – aber da hatte die diplomierte Psychologin (Schwerpunkt-Thema „Bindungsforschung“) ihre Zweifel, ob das wohl gestimmt hat.

Die Küche ist diesem Gasthof ist fränkisch-rustikal – und vor allem äußerst eigenwillig. Neben dem klassischen Krenfleisch und Sauerbraten mit Klößen gibt es hausgemachte Sülze mit Bratkartoffeln: einfache Dinge sind am schwierigsten. Eine Fritteuse gibt es hier selbstverständlich nicht.

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Katrin Opel bereitet wundervolle Desserts, Bayerisch Creme („Das ist reine Physik“) oder Crème brûlée („Ich brauchte Jahre, bis ich sie so hingekriegt habe“), lauwarmes Zwetschgenkompott mit Vanilleeis und Sahne. Hausgemachtes Trauben-Balsamico-Gelee wird zum würzigen Weichkäse mit Butter und Brot gereicht.

Kräuterschnitzel, Kräuterspätzle mit Kräuterpesto weisen darauf hin, dass der eigene Garten, der das Reich von Mutter Christine Opel ist, im Mittelpunkt des Hauses steht. Es gibt z. B. hausgemachtes Tomatenchutney oder Rote-Zwiebel-Marmelade. Hier wachsen Knoblauchsrauke, Giersch und Bärlauch, seltene Salate wie Kanarienzunge oder Butterkopfsalat.

Am bedeutendsten sind aber, wenn die Saison begonnen hat, die historischen Tomatensorten, die den Gasthof Opel weithin bekannt machten: „Die beziehen wir aus einem Samenarchiv im mittelfränkischen Schwanstetten“, erläutert Christine Opel. Es gedeihen Altsorten wie Vintage Vine, Snow Ball White Beauty (weiß), Furry Yellow Hog, Azul de Arizona (blau, lila), Schokotomate, Lambada, Golden Currant oder Schlesische Himbeere.

Kein Vergleich mit Turbo-Tomaten

Das Gasthaus: Zum Zentrum Bayreuths sind es nur vier Kilometer.

„Sie sind mit diesen geschmacksarmen, roten Kugeln aus spanischen Turbo-Gewächshäusern nicht zu vergleichen.“ Nach ungenehmen Erfahrungen musste der Garten, in dem auch Alltagsgemüse wie Rote Bete, Gurken, Kürbis oder Schnittlauch wächst, eingezäunt und abgesperrt werden: „Fremde Leute füllten sich dort ihre Tüten voll.“ Zur Rede gestellt, antworteten die: „Wieso, Sie haben doch heute geschlossen.“

Gäste, die nur zur Festspiel- oder Probenzeit anreisen, fragen schon an der Tür nach den Tomatenspezialitäten, etwa der junge „Holländer“-Regisseur Jan Philipp Gloger. Auch der frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch mit Gattin war schon hier: „Wir halten uns aber immer zurück“, meint Katrin Opel. „Bei einem überaus eindrucksvollen Herrn habe ich erst Jahre später erfahren, dass er der Dombaumeister zu Speyer war.“

Dass Mutter und Tochter sich bei der Arbeit so gut verstehen, ist ein weiteres Glück. Bis auf Desserts und Sülze ist Christine Opel für alle Speisen verantwortlich: „Dabei konnte ich das Kochen gar nicht mehr leiden, nachdem ich Hauswirtschaftsunterricht bei unserer Lehrerin Frau Ludwig hatte.“

Hinterm Garten am Roten Main liegen Wiesen, die Teil der Landesgartenschau (ab 22. April) sind. Dort wachsen die seltenen Schachblumen: „Wo, wird nicht verraten“, sagt Katrin Opel, „es gibt Leute, die graben die aus.“

Lage des Restaurants:

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