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Region Franken
Sonntag, 17. Dezember 2017 5

MZ-Serie

Ein Hauch fränkischer Renaissance

Historische Wirtshäuser: Einst war der Goldene Löwe in Marktredwitz ein Schloss. Die Wirtin erweckt ihn nun zu neuem Leben.
Von Thomas Dietz, MZ

  • Wirtin Maria Ruml mit ihrer Mutter in der gemütlichen und gepflegten Gaststube des Goldenen Löwen in Marktredwitz. Auffällig sind die vielen frischen Blumen und die blendfreien Lampen. Foto: Gabi Schönberger
  • Im Sommer ist hier der Biergarten: der goldene Löwe von außen. Foto: Schönberger

Marktredwitz.Der Gasthof zum goldenen Löwen gehört zu jenen Gebäuden, die von innen beträchtlich größer sind als es von außen scheint. In die urig-gepflegte Gaststube im Parterre passen zwar nur 55 Gäste, aber da gibt es diese ehernen Gewölbekeller, die wegen ihrer romantisch-geheimnisvollen Atmosphäre und der Fußbodenheizung von den Gästen geschätzt werden. Ein (zugemauerter) Tunnel führt von hier aus bis unter die Stadtmitte. Steigt man die steinerne Treppe hinauf, gelangt man in eine schier endlose Flucht von Sälen, Fluren, Zimmern, Räumen und Kammern.

Dieses Gemäuer war in der Renaissance ein Schloss – man merkt es immer noch. Schon ab 1655 diente es als Gasthaus mit Mälzerei und Brauerei und von 1780 bis 1783 wurde es komplett umgebaut. Bei den Renovierungen Ende des 20. Jahrhunderts legte man die herrliche, schwarze, 400 Jahre alte Holzdecke wieder frei und richtete die Tonnengewölbe der Bierkeller her.

Aber alles, was den Goldenen Löwen heute so angenehm macht, geht von der bezaubernden, jungen Wirtin Maria Ligia Ruml aus, die das Wirtshaus am 1. März 2014 übernommen hat. Ihren zweiten Vorname erhielt sie nach der Hauptperson aus dem historischen Roman „Quo vadis“ des Nobelpreisträgers Henryk Sienkiewicz.

Maria Ruml stammt aus dem rumänischen Oberwischau und ist Juristin. Sicherheitshalber machte sie an der Universität Bayreuth noch ihren Magister Legum Europae – „falls das mit der Gastronomie nicht klappt“. Ihr erstes Staatsexamen, das sie an der ehrwürdigen Universität von Klausenburg abgelegt hat, wurde in Deutschland ohnehin anerkannt.

Ein echter Lyriker als Stammgast

Doch solche Befürchtungen waren grundlos, denn die zarte, attraktive Frau mit den grünen Augen kam bei ihren Gästen gut an. Zu ihrem Geburtstag wurde sie mit Blumen geradezu überschüttet und als Überraschung erschien eine Band und spielte auf.

„Dabei habe ich ein paar Tränen vergossen“, erzählt Peter Gasse, Stammgast, pensionierter Oberstudienrat vom Otto-Hahn-Gymnasium und Lyriker unter dem Künstlernamen Pietro della Gazza. Er genießt gerade sein Rawetzer Weißbier aus der nahen Brauerei Nothhaft. „Als die meine Songs der 60er und 70er Jahre spielten, musste ich ein bisschen weinen.“

Die oberfränkische Fichtelgebirgslandschaft mit viel Wald ähnelt Maria Rumls nordrumänischer Geburtsstadt und mindert etwaiges Heimweh. Mutter Maria (65), Sohn George (19) und ihr Mann Adrian (37, Fahrlehrer), helfen möglichst oft in der Wirtschaft.

Hier geht’s in die uralten Gewölbe – mit moderner Fußbodenheizung. Foto: Schönberger

Küchenchef ist Thomas Siegel (49) vom früheren Hotel „Kronprinz in Bayern“ aus Wunsiedel. Er ist berühmt für seine exzellenten Braten, Enten und Gänse, Suppen und Soßen. Ein Klassiker ist natürlich fränkisches Kronfleisch oder das altbayerische Schnitzel in Biersoße mit süßem Senf. Auch seine Desserts – etwa Apfelküchle oder Bayerische Joghurtcreme – genießen einen gewissen Ruf. Die eher kleine Karte im Goldenen Löwen wechselt zweimal in der Woche.

Wirtin Ruml legt größten Wert auf traditionell fränkisch-bayerische Spezialitäten in exzellenter Qualität. Ihr Leibgericht aus der rumänischen Küche sind Krautwickerl: „Die werden mit Sauerkraut gemacht, mit Reis, Gemüse- und Rinderhack gefüllt. Und sie sind stärker gewürzt als in Deutschland. Dazu isst man Brot.“

„Und dann Polenta“, schwärmt sie (also Maisgrieß), „überbackene Polenta mit Wurst, Käse, Speck und Semmelbrösel ...“ – leider gibt’s das viel zu selten in ihrem Gasthaus, in dem sonntags ohne Reservierung kaum noch ein Platz zu kriegen ist.

„Ich esse alles und nehme nie zu“

Und ihr bayerisches Lieblingsessen? „Schweinshaxn“, sagt sie, ohne zu zögern. Wobei es schwerfällt, sich diese zarte Person über einer Schweinshaxe vorzustellen. „Doch, doch“, sagt sie, „ich esse alles und nehme nie zu.“

Ein Glück ist es, dass das einstige Schloss im Stadtteil Dörflas am Südende des Zipprothplatzes einen neuen Eigentümer fand, der es komplett denkmalgerecht sanieren will. In jeder Ecke findet man historische Kostbarkeiten, bemalte Deckenbalken, geschnitzte Türen oder Gerätschaften aus der 1948 aufgegebenen Brauerei. Über dem Stammtisch schwebt eine hölzerne „Diana“ unbekannten Alters, die Göttin der Jagd, des Mondes und der Geburt, Beschützerin der Frauen und Mädchen – unter den mindestens elf Stammtischen gibt es hier auch einen sehr fröhlichen Frauenstammtisch.

„2016 wird ein feierintensives Jahr in Rawetz“ (Marktredwitz sagen nur Auswärtige), weiß Otto Nothhaft, der in vierter Generation Chef der Privatbrauerei Nothhaft von 1882 ist, dem ältesten Unternehmen der Stadt. Man feiert die 200-jährige Zugehörigkeit zu Bayern und 500 Jahre Reinheitsgebot. Nothhaft-Biere werden übrigens nicht pasteurisiert: „Drum geben wir nur eine Mindesthaltbarkeit von neun Monaten. Aber wer nach neun Monaten dieses gute Bier noch nicht ausgetrunken hat, ist eh selber schuld.“

Lage des Gasthofs zum Goldenen Löwen:

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