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Region Kelheim
Sonntag, 21. Januar 2018 5

Schulinvestition

25 Millionen für die berufliche Bildung

Nach der Erweiterung sind nun die Altbauten des Beruflichen Schulzentrums Kelheim dran. Dabei entsteht mehr Neues als gedacht.
Von Martina Hutzler

Lernen für die Praxis: In der neuen Werkstatt am Beruflichen Schulzentrum soll das optimal möglich sein. Foto: dpa

Kelheim.Mit einem Aufwand von geschätzt fast 25,2 Millionen Euro will der Landkreis das Berufliche Schulzentrum (BSZ) Kelheim fit für die Zukunft machen: Die beiden Altbau-Trakte werden generalsaniert; neu entstehen eine Einfach-Turnhalle und der Werkstatt-Komplex. Den entsprechenden Vorentwurf samt Kostenschätzung hat der Kreisausschuss des Kreistags am Montag einstimmig gebilligt. Die Aussicht, dass vom Staat rund zehn Millionen Euro Förderung fließen, erleichterte die Entscheidung.

Im Grundsatz hatte der Ausschuss bereits 2016 beschlossen: Die Schule braucht zum einen eine eigene Turnhalle – bisher fällt der Sportunterricht oft aus. Und zum anderen sind, nach der Erweiterung des BSZ um den markanten Querriegel, nun die Altbauten, Jahrgang 1967, sanierungsbedürftig. Während sich daran für die beiden Längsgebäude der Schule nichts geändert hat, ergab die Vorplanung durch die Architektengemeinschaft Raith / Dömges für die Lehrwerkstatt: Sie neu zu bauen ist wirtschaftlicher als eine Sanierung, trotz Mehrkosten von rund 1,5 Millionen Euro.

Kein Platz für Zweifach-Halle

Davon überzeugte Architekt Norbert Raith den Ausschuss. Er begründete dies unter anderem mit dem veralteten Spannbetonträger-System von Decke und Wand, mit dem zum Beispiel keine adäquate Dämmung möglich sei. Der Neubau erlaube eine völlige Neuplanung und die Vergrößerung der Werkstatt um 650 Quadratmeter.

Lernen für die Praxis: In der neuen Werkstatt am Beruflichen Schulzentrum soll das optimal möglich sein. Foto: dpa

Sie rückt gleichzeitig nach hinten, also Süden, in den Hang hinein. Die Turnhalle entsteht zur Stadtseite hin, auf Höhe des Erweiterungsbaus.

In beiden Varianten reicht indes der Platz nicht für eine Zweifach-Turnhalle, ergänzte der Planer.

Diese Option mitzuprüfen, hatte ihn der Ausschuss vor einem Jahr beauftragt; mit Blick auf etwaige Kooperationen und Mitnutzungen durch die Stadt Kelheim. Denn auch die städtischen Schulen und Vereine sind nicht allzu üppig mit Sportstätten gesegnet.

Wenn gewünscht, müsste man den Bau einer Zweifach-Halle gleich jetzt beschließen – aber dafür dann einen komplett neuen Standort suchen, gab Raith zu bedenken. Und die Mehrkosten komplett ohne staatliche Förderung stemmen, ergänzte Kreiskämmerer Reinhard Schmidbauer. Nein danke, war letztlich die Quintessenz – der Ausschuss legte damit das Thema Zweifach-Halle endgültig ad acta.

Mit dem Neubau der Werkstätten können diese und die Turnhalle aus „einem Guss“ im Passivhaus-Standard gebaut werden, führte Architekt Raith weiter aus. Dem Vorschlag von Kreisrat Peter-Michael Schmalz, eine Massivholz-Bauweise prüfen zu lassen, kam der Ausschuss nicht nach. Das würde zu viel Zeit kosten, hatte Kämmerer Schmidbauer gewarnt.

Die neue Turnhalle soll komplett vom restlichen Schulkomplex abtrennbar und so auch für Vereinssport und Veranstaltungen nutzbar sein. Nicht zuletzt deshalb wird sie barrierefrei geplant. Mit der Erweiterung der Werkstatt von 1530 auf 2180 Quadratmeter werde die aktuelle Raumnot dort behoben, erfuhr Kreisrätin Petra Högl.

Ihre Kollegen Josef Reiser und Andreas Kreitmeier forderten, die Beschulung von „Zukunftstechnologien“ nicht zu verbauen: „Keine falsche Bescheidenheit: Planen’S so großzügig wie möglich“, forderte Kreitmeier. Viel Möglichkeiten sah Kämmerer Schmidbauer freilich nicht: Visionäres sähen die staatlichen Bemessungsvorgaben – das so genannte Raumprogramm – nicht vor. Trotzdem sei man mit der Planung zukunftsfähig, sagte Landrat Martin Neumeyer und gab bekannt, dass im Berufsschul-Angebot die Einführung der Sparte „E-Commerce-Kaufmann“ (Handel im Internet) angedacht sei.

Zwei Optionen für mehr Räume

Auf Wunsch der Schule hat Architekt Raith noch geprüft, ob auch für zusätzliche Schulräume Platz geschaffen werden könnte. Vom Aufstocken nach oben riet er sowohl bei den zwei Längsflügeln als auch bei der Werkstatt ab. Möglich sei aber, einen oder beide Längsflügel in den Hang hinein zu verlängern, zumindest im jeweils 2. und 3. Obergeschoss. In der am Montag beschlossenen Sanierungsplanung ist so eine Erweiterung allerdings noch nicht enthalten.

Die Sanierung der Altgebäude umfasst laut Beschluss die Dächer – die bisherigen Flachdächer sollen flach geneigte Dächer werden – und die Innensanierung samt Haustechnik. Außen wurde die Fassade bereits 2009 energetisch saniert.

Noch nicht in der Planung enthalten sind Umfang und Kosten einer Photovoltaik-Nutzung der bestehenden und neuen Dächer. Bis zu 250 Kilowatt-Peak wären möglich; man werde aber berechnen lassen, was – auch unter dem Aspekt Eigenverbrauch – wirtschaftlich sinnvoll ist, sagte der Kämmerer zu Kreisrat Richard Zieglmeier.

Aus Alt mach Neu

  • Werkstatt

    Als erster Bauabschnitt soll ein erster Werkstatt-Teil neu erbaut werden: der nach Süden, in den Hang hinein.

  • Turnhalle

    Als zweites wird die alte Werkstatt abgerissen und die zweite Hälfte der neuen Werkstatt errichtet, zusammen mit der Einfach-Turnhalle.

  • Altbestand Schulgebäude

    Zuletzt steht die Generalsanierung der alten Schulgebäude an. Zuerst ist der Westflügel dran, dann der Ostflügel. Bei beiden sind die Dächer und das Innenleben zu erneuern. Die Fassade wurde bereits vor Errichtung des Erweiterungsbaus energetisch saniert.

Keine Diskussionen gab es zum vorgeschlagenen Zeitplan: Nach Detailplanung, Ausschreibung und Vergabe soll es im Frühjahr 2019 an die Arbeit gehen, in vier Bauabschnitten. Bis 2024 sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein. Als nächstes werde nun der Auftrag für die detaillierte Planung (Architekt, Heizung/Lüftung/Sanitär, Elektro, Tragwerksplanung) ausgeschrieben, teilte Kämmerer Reinhard Schmidbauer mit.

„Mich hat sehr gefreut, dass unser Landrat und unsere Kreisräte nicht nur Lippenbekenntnisse zur beruflichen Bildung abgeben, sondern sie wirklich unterstützen

BSZ-Schulleiter Johann Huber

Der Schulleiter des BSZ, Johann Huber, der mit etlichen Kollegen und auch Schülern die Sitzung verfolgte, zeigte sich im Interview mit unserem Medienhaus zufrieden mit dem Beschluss der Kreispolitiker:

Herr Huber, wie bewerten Sie den Beschluss für die Generalsanierung samt Turnhallen- und Werkstattneubau?

Auch wir sehen im Neubau der Werkstatt eindeutig besserere Variante, verglichen mit der Sanierung.

Es hieß, die Generalsanierung solle künftige Entwicklungen im Berufsschulbereich berücksichtigen. Welche könnten das sein?

Erst einmal hat mich sehr gefreut, dass unser Landrat und unsere Kreisräte nicht nur Lippenbekenntnisse zur beruflichen Bildung abgeben, sondern sie wirklich unterstützen. Generell ist die Berufsschule stabil, abgesehen von leicht sinkenden Schülerzahlen bei Bankfachleuten und Friseuren. In der Metall- bzw. Kfz-Abteilung ist das Thema Elektromobilität sehr wichtig. Dafür braucht man in der Werkstatt zusätzliche Flächen; die sind nun mit der Erweiterung des Werkstattbereichs auch berücksichtigt.

Schulleiter Huber sieht noch weiteren Raumbedarf am BSZ. Foto: hu/ Archiv

Und die ebenfalls angesprochenen „Zukunftstechnologien“?

Auch die „Industrie 4.0“ – oder besser gesagt „Wirtschaft 4.0“, weil das ja auch das Handwerk betrifft – bringt für die Schule einen Flächen-Mehrbedarf mit sich. Auch der sollte in der Planung enthalten sein. An FOS und BOS sind die Schülerzahlen und damit der Raumbedarf ebenso gestiegen.

Was halten Sie von der Option, die Altbauten zu verlängern?

Der Vorschlag war heute neu für mich; ich halte ihn aber für sinnvoll. Auch, dass man bedarfsabhängig vorerst daran denkt, nur einen zu Flügel erweitern, um die Entwicklung der Schülerzahlen abzuwarten.

Brauchen Sie denn mehr Klassenzimmer?

Ja, wir haben höheren Bedarf, auch wegen der neu hinzugekommenen Beschulung von jungen Flüchtlingen – die laut Kultusministerium mindestens noch die nächsten zehn Jahre erforderlich bleiben wird. Momentan haben wir dafür viele Fachräume zu Klassenzimmern umfunktioniert. Daher wäre es wünschenswert, wenn dieser Flächenmehrbedarf, der auch finanziell gefördert wird, in den Baumaßnahmen berücksichtigt wird.

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