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Montag, 27. Juni 2016 23° 3

Reaktion

Abensberg fühlt sich vorverurteilt

Die Stadt sieht nach ihrer Facebook-Raser-Aktion einen „Shitstorm“ auf sich zurollen. Die Verwaltung sieht sich vom Netz „diffamiert“.
Von Beate Weigert, MZ

Unser Bild zeigt den Sucher einer Laserpistole beim „Blitz-Marathon“ der Berliner Polizei. Foto: dpa

Abensberg.Kontroverse Reaktionen auf ihre Facebook-Aktion mit den Raserfotos hatte die Stadt Abensberg erwartet. Ja, sich sogar gewünscht. Schließlich wollte die Verwaltung das Thema in die Köpfe der Menschen bringen. Aber dass eine derart emotionale Welle entsteht, die sich „gerade überschlägt“, damit hatte niemand im Abensberger Rathaus gerechnet.

Die Verwaltung habe die Abensberger aus ihrer Gleichgültigkeit reißen wollen, sagt Hauptamtsleiter Andreas Horsche. Als Beispiel fügt er an, dass schon öfter etwa in der Zeitung, die Spitzengeschwindigkeiten veröffentlicht worden seien. Doch die Reaktionen waren gleich null. Dabei seien immer öfter höchst riskante Geschwindigkeiten innerhalb der Ortschaften zu verzeichnen.

Am Freitag klingelten die Telefone heiß. Und auf ihrer Facebook-Seite sah sich die Stadt kurz vor dem Ergießen eines „Shitstorms“. Aus Sicht von Andreas Horsche drifteten die Kommentare der Netzgemeinde in Richtung „Diffamierung“ der Verwaltung ab. Damit meint er unter anderem zahlreiche „Aufrufe zu Klagen“, die gepostet wurden, aber auch Kommentare, die direkt auf die Mitarbeiter der Verwaltung abzielten.

Dass das Thema so eine Richtung bekommt, damit habe man nicht gerechnet und das auch nicht gewollt. Es sollte um die Verkehrssicherheit vor Ort gehen. Stattdessen diskutieren aus Horsches Sicht mittlerweile „keine Abensberger mehr“, sondern Leute von irgendwo in Deutschland.

Wenn er am Vormittag irgendeinen einen positiven Aspekt sehen konnte, dann, dass sich beim Weg in die Arbeit eine Kolonne von Autos mit 40 vor ihm in der Münchener Straße bewegte. Die Stadt Abensberg wolle nicht als „Abzocker“ für Aufmerksamkeit sorgen, sondern erreichen, dass die vorgegebenen Geschwindigkeiten eingehalten würden. „Es geht uns ums Langsamfahren, nicht ums Blitzen, Messen, Führerschein einziehen.“

Aus seiner Sicht hat die Aktion nichts mit einem Pranger zu tun. „Niemand ist identifizierbar, es sind nur Daten ohne Personenbezug“, verteidigt Horsche die Aktion, die die Stadt vorab datenschutzrechtlich geprüft habe. Der Datenschutz sei gewährleistet. Da keine personenbezogenen Daten veröffentlicht wurden. Auch dass sich unter Umständen über personenbeziehbare Daten wie eine Autofelge oder eine Bikerkombi eine Ermittelbarkeit gegeben sein könnte, sieht Horsche nicht. Allein durch das Schwarz-Weiß-Bild sei nicht klar, welche Farbe zum Beispiel ein Auto oder Motorrad habe. Die Zuordenbarkeit nicht gegeben.

Auch mit dem Rechts-Blogger Udo Vetter, der am Donnerstag via Internet erklärte, dass er die Aktion als „Fall für den Staatsanwalt wertet“, werde man telefonieren. „Weil da Dinge stehen, die weitergehen“, so Horsche.

Mit der geballten Reaktion in Medien und Netz konfrontiert, denke die Stadt über das Einstellen der Aktion nach, sagte Abensbergs Hauptamtsleiter am Freitagvormittag. Denn das eigentliche Ziel stehe nicht mehr im Fokus der Diskussion. „So verliert die Maßnahme ihr Ziel“. Die Reaktionen aus dem Internet empfindet die Stadt als Vorverurteilung.

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