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Region Kelheim
Mittwoch, 22. November 2017 7

Hospizverein

An der Seite von Kindern, die trauern

Wie hilft man Kindern, den Tod zu verstehen? Sonja Ilnseher hat damit lange gehadert. Ihre Antworten gibt sie nun weiter.
Von Martina Hutzler

Für Kinder und Jugendliche ist der Tod erst einmal etwas unvorstellbar Abstraktes. Foto: dpa

Kelheim. Was der Tod ist? Puh, da kommen Erwachsene schon ins Grübeln – erst recht, wenn sie Kindern erklären sollen, warum die Oma, der Onkel oder gar die Mutter, der Vater nicht mehr da ist. Wie schwer man sich tut, kindliche Trauer zu begleiten, weiß Sonja Ilnseher aus ureigenster Erfahrung. Und bietet deshalb jetzt ihre Hilfe dabei an, über den Kelheimer Kreis-Hospizverein.

Für Kinder und Jugendliche ist der Tod erst einmal etwas unvorstellbar Abstraktes. Foto: dpa

Vor 13 Jahren hätte die Paintnerin solche Hilfe selbst gut brauchen können. Damals verunglückte ihr Mann tödlich – für ihre damals dreijährige Tochter war von einem Tag auf den anderen der Papa weg. „Ich habe damals intuitiv gehandelt und viel mit meiner Tochter darüber geredet“, sagt sie rückblickend. Das hat wohl gut geholfen; die heutige Teenagerin bekundet, dass sie gut über den Tod des Vaters hinweg ist.

Aber die Sorgen um die Tochter, die sich damals bei Sonja Ilnseher neben der eigenen Trauer um den Ehemann einstellten, haben dazu geführt, dass sie sich mit der Frage, wie Kinder trauern, ausführlich beschäftigt hat. Das mündete in eine mehrtägige Schulung zur Trauerbegleiterin für Kinder und Jugendliche. Als solche arbeitet die Zahnarzthelferin nun ehrenamtlich beim Hospizverein für den Landkreis Kelheim mit. Wie Kinder mit dem Thema Tod umgehen, das kann Erwachsene irritieren, erklärt sie.

Sonja Ilnseher hat eine Ausbildung zur Trauerbegleiterin für Kinder und Jugendliche absolviert. Foto: Hutzler

Schon die Kleinsten haben ein feines Gespür, wenn sich im Familiengefüge etwas so gravierend verändert. Bewusst damit auseinandersetzen können sich Kinder – individuell verschieden – ungefähr ab drei Jahren, schildert Sonja Ilnseher. Aber bis zum Alter von etwa sechs Jahren bleibt für sie der „Tod“ etwas Abstraktes. „Wo ist mein Papa? Ist er jetzt mein Schutzengel?“ So hat ihre eigene Tochter einst versucht zu begreifen. Ältere Kinder und Teenager dann stellen meist viele konkrete Fragen; „Meine Tochter wollte zum Beispiel dann wissen, wie genau ihr Papa gestorben ist“.

Egal wie alt – auf Fragen sollten Eltern stets eingehen, „altersgerecht und ehrlich“, rät sie. Also zum Beispiel nicht erzählen, dass der Opa „eingeschlafen“ ist – denn dass er dann nicht wieder aufwacht, verwirrt das Kind. Oder auch nicht erschreckt verstummen, wenn bei einem Gespräch über den Verstorbenen das Kind unvermutet hinzukommt: „Womöglich gibt sich dann das Kind die Schuld am Tod des Verwandten.“

Oft wollen Eltern ihr Kind nicht mit der Endgültigkeit des Todes konfrontieren. Aber es weckt in der kindlichen Fantasie womöglich erst Horrorvorstellungen über den Tod, wenn es vorm Sterbezimmer heißt: „Da darfst Du nicht rein!“ Besser findet es Sonja Ilnseher, Kinder an Abschiedsritualen teilhaben zu lassen und sie sich vielleicht sogar vom toten Angehörigen verabschieden zu lassen, wenn sie das selbst wollen: Das hilft Kindern einerseits zu begreifen, dass ein geliebter Mensch tot ist.

Erwachsene können aber auch Gefahr laufen, kindliche Trauer zu unterschätzen: „Im einen Augenblick sind sie traurig, im nächsten springen sie vielleicht wieder fröhlich herum“ – aber genauso schnell könne die Traurigkeit auch wieder zurückkehren.

Kinder trauern anders als Erwachsene – aber leiden deswegen nicht weniger an ihrer Trauer. Foto: dpa

Egal, wie lange es dauert: „Wenn man Kinder richtig führt, können sie unbeschadet aus Trauer und Verlust wieder herauskommen“, ist Sonja Ilnseher überzeugt. Und auch davon, dass Eltern das intuitiv schon selbst hinbekommen können. „Aber wer selbst zu sehr in der Trauer steckt, ist oft froh, Hilfe von außen zu bekommen“, begründet sie ihre Engagement beim Hospizverein. Dieser bildet zwar selbst Hospizhelfer und Trauerbegleiter aus; ein spezielles Angebot für trauernde Kinder und Jugendliche gab es bislang allerdings noch nicht.

An den Hospizverein oder auch an Sonja Ilnseher selbst (Telefon 01 75/35 06 07) können sich Eltern und Angehörige wenden, wenn sie Unterstützung für trauernde Kinder und Jugendliche suchen.

So hilft der Hospizverein

  • Sterbebegleitung:

    Ausgebildete ehrenamtliche Hospizbegleiter unterstützen schwerkranke und sterbende Menschen in ihrer letzten Lebensphase – zu Hause, in Einrichtungen, Krankenhäusern – aber auch die An- und Zugehörigen. Dieses und alle Angebote des Hospizvereins sind kostenlos und konfessions-unabhängig.

  • Trauer- und Lebenscafé:

    Jeden zweiten Samstag im Monat, von 15 bis 17 Uhr, wird ein Raum im Evangelischen Gemeindezentrum Kelheim (Ludwigstraße 2) zum „ Trauer- und Lebenscafé Kelheim“. Es ist eine kostenlose und unverbindliche Anlaufstelle (keine Anmeldung nötig) für alle, die einen nahestehenden Menschen verloren haben.

  • Gesprächskreise:

    In Kelheim und Abensberg gibt es von April bis September einmal monatlich Offene Trauergesprächskreise, in Mainburg ganzjährig. Nähere Infos: Kelheim: Annette Anzinger-Baur (0 94 41/1 00 00); Abensberg: Alfred Stocker (0 94 43/ 56 14), Mainburg: Marlene Lesmeister (0 87 51/15 13). Fotos: dpa

  • Vorsorge:

    Der Kelheimer Hospizverein hat eine Patientenverfügung (Willenserklärung für den Krankheitsfall) und die zur Umsetzung nötige Vorsorgevollmacht entwickelt. Er berät auch zu beiden Themen.

  • www.hospizverein-landkreis-kelheim.de

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