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Region Kelheim
Mittwoch, 13. Dezember 2017 5

Auszeichnung

Auf dem Wald-Weg der Zukunft

Der Abensberger Robert Neumaier erhält heute einen Staatspreis. Bei der Gelegenheit hätte er dem Forstminister was zu sagen.
Von Martina Hutzler

Kiefern-Bestände hat Robert Neumaier aufgelichtet; unter ihrem luftigen Schirm gedeihen neben Bekanntem wie der Vogelbeere (vorne rechts) zum Beispiel auch Baum-Haseln (vorne links) Foto: Volker Eidems, greentext

Abensberg.Klima-Not macht erfinderisch. Und im Falle von Robert Neumaier auch preiswürdig: Mit 13 weiteren Waldbesitzern wird der Abensberger „Ottenbräu“ heute in München mit dem „Staatspreise für vorbildliche Waldwirtschaft“ausgezeichnet. Bei ihm ist es unter anderem die Vielfalt, die er – auf meist schwierigen Böden und bei immer extremeren Wetterlagen – pflanzt und sogar selbst sät: neben „Klassikern“ wie Eiche oder Tanne auch Ungewohntes wie die Baumhasel. Dass aber fast alle Arten nur hinter Zaun gedeihen, das würde Neumaier heute, bei aller Festlichkeit, dem Forstminister Helmut Brunner schon auch ganz gerne mal sagen.

Preise für „KLIMA.wunder.WALD“

  • Die Auszeichnung:

    Alle zwei Jahre vergibt Bayerns Forstminister „Staatspreise für vorbildliche Waldwirtschaft“.

  • Die Leistung

    : Der Preis würdigt „die besonderen Leistungen von privaten und körperschaftlichen Waldbesitzern“ in Bayern.

  • Das Motto

    : Heuer stand der Preis für „nachhaltige, zukunftsorientierte Bewirtschaftung“ unter dem Motto „KLIMA.wunder.WALD“.

  • Die Feier

    : Der mit je 1000 Euro dotierte Preis wird heute, in München, von Forstminister Helmut Brunner an 14 Waldbesitzer verliehen. (hu)

„Seit ich die Kettensäge halten kann, bin ich im Wald dabei“: Robert Neumaier hat den Waldbau vom Vater gelernt, aber sich seither viel Wissen selbst erarbeitet. Anfangs in der Weihenstephaner Bibliothek, wo der Braumeister neben dem eigenen Studium gerne mal forstwissenschaftliche Bücher las; heute vorwiegend über Infodienste im Internet. 30 Hektar Wald bewirtschaftet er heute. Für ihn einerseits „ein Hobby wie bei anderen der Schrebergarten“. Andererseits ist für den Brauereibesitzer die Holznutzung seit etwa zehn Jahren ein zweites Standbein.

Waldbesitzer Robert Neumaier hat vor gut zehn Jahren ein Hackschnitzel-Heizwerk gebaut, das mehrere Abnehmer versorgt. „Was beim Durchforsten von Verjüngungsflächen anfällt, eignet sich am besten für Hackschnitzel“, erklärt er. Foto: Hutzler

Eine Hackschnitzel- sollte die alte Heizung ersetzen; allein für seine Liegenschaften wäre so eine Investition aber unrentabel gewesen – also baute er einen Wärmeverbund fürs Abensberger Schulzentrum, Altenheim und weitere Immobilien auf.

Frühere Irrwege korrigieren

Die nötigen rund 2000 Schüttraummeter Hackschnitzel kauft er großteils über die Kelheimer Waldbesitzervereinigung zu. Aber einiges Energieholz fällt auch auf seinen vier Waldparzellen an. Nämlich auf Verjüngungsflächen, auf denen Robert Neumaier waldbauliche Irrwege der Vorfahren geradezubiegen versucht.

Da sind zum einen reine Kiefern-Bestände, vor über 100 Jahren auf sandigen Abensberger Böden gepflanzt. Heute schönes Holz – aber in der nächsten Waldgeneration will Neumaier keine Reinbestände mehr. Und schon gar nicht die Fichten-Monokulturen, mit denen sein Vater auf damaliges Anraten der Forstbehörde aufgeforstet hat, auf trockenen wie feuchten Standorten. Seit gut 20 Jahren muss der Sohn zusehen, wie Hitze, Borkenkäfer und Stürme fast jedes Jahr neue Teilflächen platt machen.

Das war dem 45-Jährigen Anlass genug, zukunftsfähige Wald-Wege zu suchen. Bei schwierigen Böden, bevorstehendem Klimawandel und der „Globalisierung“ bei Forstschädlingen war ihm klar: Nur die Mischung macht’s. Mit nassen Füßen etwa können Erle wie Esche gut leben. Aber während sich die eine gerade vom pilz-bedingten „Erlensterben“ berappelt, leidet die andere seit neuestem am „Eschentriebsterben“. Gemischte Bestände bewahren da am ehesten vor dem Totalausfall. „Und schauen schöner aus als Monokulturen“.

Kiefern-Bestände hat Robert Neumaier aufgelichtet; unter ihrem luftigen Schirm gedeihen neben Bekanntem wie der Vogelbeere (vorne rechts) zum Beispiel auch Baum-Haseln (vorne links) Foto: Volker Eidems, greentext

Auf trockeneren Böden setzt er, neben Kiefer, Birke, Douglasie, zum Beispiel auf Amerikanische Roteiche und Baumhasel. Letztere stammt aus Südosteuropa – einer Klimazone, die Experten unseren Breiten in 50 bis 100 Jahren prophezeien. Als offenbar gut standort-geeignet sät er im Frühjahr auch „Hybrid-Lärchen“, eine Kreuzung aus Japan- und unserer heimischen Lärche. Von letzterer nämlich gibt es heuer, wegen der Spätfröste, kein Saatgut.

Das Säen, das auch in Bayerns Staatswäldern wieder im Kommen ist, ist auch so eine Besonderheit, deretwegen er vom Abensberger Forstamt für die heutige Auszeichnung vorgeschlagen wurden. Ihn ärgerte, dass oft die Hälfte der gekauften Jungpflanzen den Wechsel vom fetten Baumschul-Boden in die raue Abensberger Wald-Wirklichkeit nicht überlebte – obwohl er die Nährstoff- (und die Öko-) Bilanz seiner Wälder aufpeppt, indem er Streu, Äste, Gipfel- und Totholz im Wald belässt. Aber mit dem Säen, so seine Erfahrung, wachsen kräftigere Bestände heran. Freilich nur hinter Zäunen.

Bis auf Erle, Birke und Kiefer muss Robert Neumaier alle Jungpflanzen durch Zäune vor hungrigen Rehen schützen – für ihn ein Unding. Foto: dpa

Das ist für ihn, der sich immer noch als Hobby-Forstwirt sieht, „extrem ärgerlich: Die Wilddichte ist unerträglich hoch. Außer bei Erle, Kiefer und Birke geht Verjüngung nur mit Zaun.“ Dass (statistisch) dreieinhalb Rehe pro 100 Hektar, die die Jäger laut Abschussplan jährlich erlegen sollen, zu wenig sind, beweist ihm ein Blick auf die Staatswälder: Dort peilten die Bayerischen Staatsforsten im Schnitt zehn Abschüsse pro 100 Hektar an.

Vorschlag: Mehr Eigenjagden

Am liebsten wäre es Neumaier, wenn die Grenze, ab der Grundstücksbesitzer selbst das Jagdrecht ausüben dürfen, von 80 auf etwa zehn Hektar gesenkt würde. „Dann könnten Waldbesitzer selbst für einen angepassten Wildbestand sorgen.“ Diesen Vorschlag will er Minister Brunner heute unterbreiten, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Vorsichtshalber hat er aber auch schon mal ausgerechnet, was die 1000 Euro Preisgeld hergeben: „300 Meter Zaun.“

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