mz_logo

Region Kelheim
Dienstag, 16. Januar 2018 3

Stimmungslage

Auwald-Nationalpark? Au weia!

Die Donau-Auen sind jetzt offiziell eine von zwei Optionen fürs Kabinett. Ob dies Kelheim tangiert, ist noch offen.
Von Martina Hutzler

  • Bereits als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist die Donau im Bereich der Weltenburger Enge (Bildvordergrund). Ob der Fluss und der Landkreis darüber hinaus auch von Nationalpark-Plänen tangiert sind, ist auch nach der Kabinettssitzung am Dienstag in München noch offen. Foto: Firmin Forster
  • Besuch unter anderem vom Kelheimer Landrat Neumeyer hatte vorigen Freitag die bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf. Foto: dpa

Kelheim.Diese Entscheidung des bayerischen Staatskabinetts dürfte in Kelheim für Diskussionen sorgen: Die Rhön und die Donau-Auen kommen in die engere Wahl für einen dritten Nationalpark in Bayern. Beide Regionen sollen in den kommenden Monaten weiter geprüft werden, die Rhön auch zusammen mit dem benachbarten Hessen, meldet die Nachrichtenagentur dpa. Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) kündigte nach der Sitzung einen noch intensiveren Dialog mit diesen beiden Regionen an. Der Spessart und der Frankenwald sind damit aus dem Rennen.

Welche Regionen und Landkreise zu einer Gebietskulisse „Donau-Auen“ gehören würden, ist aber offenkundig noch nicht klar. Das geht aus einem Statement hervor, das Landrat Martin Neumeyer am Dienstagabend veröffentlichte: „Zum jetzigen Zeitpunkt liegt uns kein aussagekräftiges Material vom Freistaat über den geplanten Nationalpark vor.“ Er verspricht: „Ich werde umgehend zu einer Informationsveranstaltung für die Bevölkerung und zu einer Sondersitzung des Kreistages einladen, falls uns Informationen zur Prüfung der Gebietskulisse vorliegen.“

Bereits als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist die Donau im Bereich der Weltenburger Enge (Bildvordergrund). Ob der Fluss und der Landkreis darüber hinaus auch von Nationalpark-Plänen tangiert sind, ist auch nach der Kabinettssitzung am Dienstag in München noch offen. Foto: Firmin Forster

Schon in der vergangenen Woche hatte die Option auf einen Nationalpark rings um den Donaudurchbruch, im Kreis Kelheim für Diskussionen bei der Mitgliederversammlung des Landschaftspflegeverbands Kelheim VöF geführt. Ob Jäger, Fischer, Land- und Forstwirte oder der Landrat als Vereinsvorsitzender: Mit Ausnahme vom Bund Naturschutz sprachen sich alle Interessensvertreter vehement gegen Überlegungen von Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf aus, Kelheimer Gebiet großflächig in die Planungen für einen dritten bayerischen Nationalpark einzubeziehen. Diese für den Kreis Kelheim „große“ Lösung ist aber vom Tisch. Das bekräftigte Landrat Neumeyer am Dienstag nochmals in seiner Pressemitteilung: Bei einem Treffen am Freitag habe Umweltministerin Ulrike Scharf ihm, so Neumeyer „definitiv zugesagt, dass die Flächen des Paintner und des Hienheimer Forstes beim Nationalpark-Kandidaten „Donauauen“ ausgeschlossen sind.“

.

„Seehofer präferiert Donau-Auen“

Im Vorfeld zu der Kabinettssitzung am heutigen Dienstag hatte Umweltministerin Ulrike Scharf Gespräche mit Vertretern aller bis dato (noch) zur Diskussion stehenden Regionen geführt: neben den Donau-Auen die Rhön, Frankenwald und Spessart. Wie Landrat Neumeyer am Montag im Kreistag sagte, präferiere Ministerpräsident Horst Seehofer – ein Ingolstädter – die Donau-Auen. Der Kreistag hat am Montag bereits beschlossen, eine Sondersitzung einzuberufen, wenn, wie nun geschehen, die Donau-Auen weiter „im Rennen“ bleiben.

Neumeyer selbst und seine (Vize-) Landrats-Kollegen aus Neuburg-Schrobenhausen, Pfaffenhofen, Donau-Ries sowie der Ingolstädter Oberbürgermeister waren am Freitag bei Ministerin Scharf. Mit dem Ergebnis, so Neumeyer, dass Kelheim wenn, dann nur mit „Mini-Bereichen“ zur Gebietskulisse eines möglichen Nationalparks Donau-Auen gehört. „Definitiv nicht“ dabei seien nämlich Paintner/Frauenforst und Hienheimer Forst: Das habe Scharf bestätigt, und „dafür habe ich gekämpft“, so der Landrat.

Nationalparks

  • Ziel:

    Nationalparke sind laut Bundes-Naturschutzgesetz „einheitlich zu schützende Gebiete“ und sollen eine Mindestgröße von 10 000 Hektar haben.

  • Anforderungen:

    Drei Kriterien sollen potenzielle Nationalparks schon mitbringen: 1. „großräumig, weitgehend unzerschnitten und von besonderer Eigenart“; 2. auf dem Großteil der vorgesehenen Fläche so schutzwürdig sein wie ein Naturschutzgebiet; 3. „sich in einem überwiegenden Teil ihres Gebiets in einem vom Menschen nicht oder wenig beeinflussten Zustand befinden“ oder sich zumindest so hinentwickeln lassen.

  • Restriktionen:

    Wirtschaftliche Nutzungen (Land-, Forst-, Wasserwirtschaft, Jagd, Fischerei sind weitgehend auszuschließen bzw. unterliegen strikten Vorgaben der Naturschutzbehörden.

  • (hu / Quelle: Bundesamt für Naturschutz)

In den anfänglichen Überlegungen hätte der Kreis Kelheim mit diesen zwei großen Staatswäldern hoch über Donau und gar Altmühl noch bis zu 75 Prozent der Park-Fläche beisteuern sollen. „Das wäre aber dann kein Auwald, sondern Etikettenschwindel“, kritisiert Neumeyer. Zudem enthielten diese Waldflächen mit Gut Schwaben und Rothenbügl Siedlungen. Und dort gebe es „Rechtler“, also Inhaber alter Holz-Nutzungsrechte, respektive Privateigentümer. Ein weiteres Problem sei die große Borkenkäfer-Gefahr. Der CSU-Politiker rügt ferner eine geografische Unwucht: Neben dem Bayerischen Wald bekäme Niederbayern Teile eines zweiten Nationalparks; ganz Franken, Oberpfalz und Schwaben hätten dagegen gar keinen.

In Scharfs überarbeiteten Gebietsplänen rückt laut Neumeyer nun der Fluss selbst verstärkt in den Fokus. Eine Perspektive, die vor allem den Vorsitzenden des Kreisfischereivereins (KFV) Kelheim, Manfred Beck, missfallen dürfte. Denn ein Nationalpark mit Fischereiverbot „würde einer Enteignung unseres Vereins gleichkommen“, kritisiert er: Der KFV habe einst nach der „Zellstoff“-Insolvenz mit Millionenaufwand das Fischereirecht für die Donau von Irnsing bis Maria Ort gekauft. „Im schlimmsten Fall können wir den Kredit dafür nicht mehr bedienen“. Aber selbst wenn die Rechte vom Freistaat abgelöst würden – „wir brauchen Fische, kein Geld“. Daher sei der KFV klar gegen den Nationalpark.

Schwarzstörche sind typische Bewohner von großflächigen Wäldern mit Gewässern. Foto: dpa

Was den Anglern das Wasser, ist den Jägern der Wald. Deshalb „ist unsere Meinung relativ klar: Nein“ zu einem Nationalpark mit seinem Jagdverbot, sagt Kreisjagdberater Albert Blümel. „Auch wenn so ein Park von der Warte der Natur aus schon ein Kleinod wäre“, räumt er ein. „Aber in unserer intensiv genutzten, kleinräumig strukturierten Kulturlandschaft hier wäre er nicht sinnvoll.“

Zu Protesten bereit

Das entspricht auch der Haltung des Bauernverbands, zumindest in Bezug auf die ursprünglich angedachte Gebietskulisse. „Zu uns passt der Nationalpark einfach nicht her, wir brauchen den nicht“, fasst Kreisobmann Thomas Obster die Kreisverbands-Meinung zusammen. Aus dem Bayerischen Wald wisse man um die Probleme für land- und forstwirtschaftliche Anrainer des Gebiets, begründet er.

Bislang habe sich der BBV nur in einem Schreiben an die Umweltministerin positioniert, ergänzt Thomas Obster – aber auch im Kreis Kelheim wären die Bauern durchaus zu öffentlichen Protesten mobilisierbar. Obendrein würde vielen Landwirten wohl die Lust vergehen an freiwilligen Naturschutz-Kooperationen, etwa mit dem VöF, „wenn uns ein Nationalpark übergestülpt wird“.

Bund Naturschutz-Kreisvorsitzender Peter Forstner dagegen ärgert sich eher über das übergestülpte „Nein“ seitens des Landrats: Nicht einmal im Naturschutzbeirat des Landkreises habe Neumeyer das Thema diskutieren lassen, kritisiert er. Der BN-Landesvorsitzende Prof. Hubert Weiger, hatte – am Rande einer BN-Pressefahrt zu 25 Jahren Main-Donau-Kanal – eingeräumt, dass es wohl schwierig würde, die kleinteiligen Auwald-Flächen entlang einer teils verbauten Donau zu einem Nationalpark zusammenzufügen. Ein Argument, das durchaus auch Peter Forstner für bedenkenswert hält. Dennoch sieht er, wie Weiger, solch einen „etwas anderen“ Nationalpark als möglich an. Wenn es aber zu dieser „Königsklasse“ doch nicht reicht, dann sollte die Nationalpark- in eine andere Debatte münden, fordern Landes- und Kreisvorsitzender unisono: dass im Kreis Kelheim größere Staatswald-Bereiche als bisher als Naturwald-Reservate geschützt werden.

Weitere Nachrichten aus dem Landkreis Kelheim lesen Sie hier.

Aktuelles aus der Region und der Welt gibt es über WhatsApp direkt auf das Smartphone: www.mittelbayerische.de/whatsapp

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht