mz_logo

Region Kelheim
Mittwoch, 22. November 2017 7

Lernen

Computer benutzen wie einen Buntstift

Die digitale Welt soll noch mehr in die Klassenzimmer einziehen. Den Auftakt für das Projekt gab es gestern in Offenstetten.
Von Wolfgang Abeltshauser

  • Die Erwachsenen staunten, was die Grundschüler mit einem Tablet so alles machen können. Fotos: Abeltshauser
  • Der Schulchor umrahmte die Auftaktveranstaltung.

Abensberg.Digitale Medien sind in aller Munde – und in allen Händen. Pädagogen in der Region wie die Offenstettener Schulleiterin Liane Köppl wollen sie im Unterricht nicht mehr missen. Schon seit einigen Jahren gibt es an ihrer Schule Tablet-Klassen. Die Offenstettener haben sich deshalb für den Schulversuch „Digitale Schule 202o“ beworben. Mit dem das Thema bayernweit noch weiter vorangetrieben werden soll.

Die Grundschule im Abensberger Ortsteil ist eine von nur acht Schulen im ganzen Freistaat, die dafür ausgewählt worden sind. Gestern gab es in Offenstetten die Auftaktveranstaltung für das Projekt. Köppl blickte da zurück auf ihre eigene Schulzeit. Es habe bis in die 11. Klasse gedauert, bis sie Informatikunterricht erhielt. Heutzutage sei ein Tablet ein Alltagsgegenstand – auch schon für Kinder.

Und deshalb ist Ralf Romeike – Professor für Didaktik für Informatik an der Universität Erlangen – ein Verfechter des Plans, das Fach bereits in der Grundschule den Kindern näherzubringen. Denn ein Computer sei nicht etwa ein Fernseher, über den man passiv konsumiere. Sondern er sei eher mit einem Buntstift zu vergleichen, mit dem ein Kind kreativ sein könne.

Als ein Beispiel brachte er die Wahrscheinlichkeitsrechnung, die schon im Mathematiklehrplan der Grundschule auftauche. Am besten könne man sich hier Zusammenhänge mit Simulationen klarmachen. Dafür sei die Computer-Technik bestens geeignet. Und Kinder durchaus in der Lage, hierfür Programme zu schreiben. Wenn ihnen das Wissen dazu kindgerecht an die Hand gegeben werde. So soll das sein in seinen Augen: Die Schüler sollen wie gesagt nicht passiv vor den Geräten sitzen.

Denn wer sich mit Informatik auseinandersetze, der mache Dinge, um die es gerade in der Grundschule gehe: etwas ausprobieren, kreativ sein, Fehler finden und beheben, gemeinsam arbeiten. Und deshalb sei etwa in Neuseeland Informatik ein Schulfach in der Grundschule.

Schule der beste Platz

Für Liane Köppl gibt es überhaupt keine Debatte, dass Themen wie digitale Medien und Informatik in die Grundschulen gehören. Denn die Kinder müssen ja lernen, sich in der er digitalen Welt zurechtzufinden. Und woanders als in der Schule soll das geschehen. Lesen und Schreiben werde ihnen ja auch dort beigebracht, obwohl ihnen Buchstaben und Wörter auch außerhalb der Schule im Alltag begegnen .

So sieht es auch Maria Warsitz-Müller. Sie ist die Leiterin der Abensberger Realschule. Die wie die Einrichtung in Offenstetten eine so genannte Medienreferenzschule ist. Kinder wachsen mit digitalen Medien auf, deshalb müssten diese Eingang in den Unterricht finden. An der Realschule gibt es feste Tablet-Klassen. Aber auch die anderen Klassen beschäftige sich mindestens einmal in der Woche mit den Geräten.

Beide Pädagoginnen betonen, dass diese Medien ein Bestandteil des Unterrichts unter mehreren sein sollen. Sie sollen ihn nicht etwa bestimmen. Auf den kurzen Nenner gebracht: Kreide und Tafel brauche es weiterhin. Beide sagen auch, der Effekt von Tablet oder Whiteboard – also der elektronischen Tafel – sei nicht in Schulnoten zu messen. „Die Kinder sind einfach viel motivierter“, beschreibt es die Offenstettener Schulleiterin. Das bestätigt der neunjährige Paul Stocker. Er und viele seiner Mitschüler präsentierten den erwachsenen Gästen der Auftaktveranstaltung – darunter Politiker aus Abensberg und Lehrer anderer Schulen – was sie im Unterricht so alles mit den Tablets anstellen. Es sei einfach schöner, selbst etwas herauszufinden als immer auf den Lehrer hören zu müssen. Das gehe etwa mit der Lern-App für Mathematik. Außerdem findet er es gut, mit dem Tablet ein Referat anschaulicher vorbereiten zu können. „Weil man Bilder einbauen kann.“

Wenn einen der Ehrgeiz packt

Mit der Motivation komme der Ehrgeiz. Mit den Geräten können die Schüler Leseübungen machen: Sich beim Lesen aufnehmen und das gleich danach abhören. Ein jeder wolle da die Fehler ausmerzen. So berichteten es die Lehrkräfte gestern. Auf diese Weise können die Geräte auch im Musikunterricht zum Einsatz kommen. Und beim Werken muss die Lehrerin nicht mehr die ganze Zeit am Tisch stehen. Bauanleitungen können sich die Kinder im Internet suchen.

So kommen die digitalen Medien in Offensteten praktisch in jedem Fach zum Einsatz. Aber Köppl will noch mehr. Prüfungen gestützt auf die Tablets sollen kommen. Und ein digitales Informationssystem für die ganze Schulfamilie ebenso.

Das kostet alles Geld. Darüber ist sich Bürgermeister Dr Uwe Brandl auch im Klaren. Die Stadt als Sachaufwandsträger stehe voll und ganz hinter dem Projekt. Den Kindern eine moderne Bildung zukommen zu lassen, sei für ihn ein Standortfaktor. Notwendig sei aber auch ein für alle Schulen geltendes Konzept. Und da sei der Freistaat gefordert.

Geld für das konkrete Projekt kommt von der Stiftung „Bildungspakt Bayern“. Dessen Leiter Ralf Kaulfuß spricht davon, dass auch Kindergärten in Zukunft gefordert sein könnten, digitale Medien einzusetzen.

Alle Schulen seien da im Fokus. Im Landkreis ist die Fachoberschule in Kelheim da nicht außen vor. Auch sie hat den Titel Medienkompetenzschule. Der Erfolg liege nach den Worten des dortigen Schulleiters Johann Huber auch an den Pädagogen. Sie müssen offen sein für neue Lehrmethoden.

Hier finden Sie weitere Artikel über Abensberg.

Auftakt Digitale Schule 2020 in Offenstetten

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht