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Region Kelheim
Donnerstag, 18. Januar 2018 7

Menschen

Das war das schönste Geschenk

Viele haben für sie gebetet und gespendet –die elfjährige Sophie aus Riedenburg ist auf dem Weg der Besserung.
von Petra Kolbinger

Eva Simonis und ihre Tochter Sophie blicken nun optimistisch in die Zukunft. Foto: Kolbinger

Riedenburg.Zauberknete und ein Tagebuch – das waren die Weihnachtswünsche von Sophie Simonis. Der größte Wunsch, der sei eigentlich schon vorher in Erfüllung gegangen, sagen die Elfjährige und ihre Mama Eva beim Gespräch mit unserer Reporterin im Café Frank: Hinter der Familie und vor allem Sophie liegt ein schweres Jahr. Bei Sophie war Ende Februar eine aggressive Form von Blutkrebs diagnostiziert worden. Auf drei belastende Chemoblöcke von Februar bis April, folgte am 4. Juli eine Stammzellentransplantation. Nach unzähligen Klinikaufenthalten kehrt jetzt wieder ein wenig Normalität ein in das Familienleben der Simonis. „Wir wissen das jetzt ganz besonders zu schätzen, weil wir erfahren haben, dass all das nicht selbstverständlich ist“, sagt Eva Simonis.

Dieses Foto, das wir im April 2017 veröffentlichten rüttelte viele Menschen wach. Knapp 800 gingen zur Typisierungsaktion.. Foto: Fabian Helmich

„Viele haben für uns gebetet“

Und, dass es ihnen jetzt ein Anliegen sei, allen Danke zu sagen, die ihnen in irgend einer Form zur Seite gestanden haben. „Wir haben uns getragen gefühlt“, sagt sie und erinnerte sich an die Welle an Hilfsbereitschaft, die alleine die Typisierungsaktion am 20. Mai in der Dreiburgenhalle ausgelöst hat. „Freunde haben uns Fotos in die Klinik geschickt und kurze Videos, damit wir den Ansturm sehen konnten! Wir haben im Lauf der Zeit auch erfahren, dass viele Leute für uns gebetet haben, wallfahrten waren oder unterschiedlichste Benefizveranstaltungen organisiert haben. Das alles hat uns sehr geholfen!“

Der genetische Zwilling Sophies konnte aber nicht gefunden werden. Dabei drängte die Zeit. „Ich erinnere mich genau, wie der Arzt vor mir stand, mit der Liste der durchgetesteten Familienmitglieder, und mir sagte, er habe eine schlechte Nachricht“, blickte Eva Simonis zurück. Immerhin: Sophies Vater hatte eine Passung von 70 Prozent – „kein schlechter Wert für einen Familienangehörigen!“ Er spendete seiner Tochter Stammzellen. Die Transplantation verlief gut. Sophie erholte sich zügig. Doch, als der Entlasstermin Anfang August schon zum Greifen nahe war, fing Sophie sich einen Infekt ein. Ihr ging es sehr schlecht. Bis Ende August musste die Elfjährige im Krankenhaus bleiben. Nach der Entlassung musste sie jeden zweiten Tag in die Klinik –seit seit Herbst verlängerten sich die Intervalle auf ein Mal wöchentlich. Nun muss Sophie nur noch vierzehntägig zum Bluttest. Auch das dunkle Haar sprießt munter. Sophie will es wieder wachsen lassen – so lang wie früher als die dichte Mähne ihr fast bis zur Hüfte reichte.

Sie organisieren die Hilfe

  • DKMS:

    Spenden, die für Sophie gesammelt wurden, gingen einerseits an die DKMS. Allein die Registrierung eines neuen Spenders kostet das Unternehmen, das eine gemeinnützige GmbH mit Sitz in Tübingen ist - 35 Euro. Für ihre Arbeit ist sie auf Geldspenden angewiesen. Die DKMS organisierte auch die große Registrierungsaktion im Mai in Riedenburg, zu der 788 Teilnehmer gekommen waren.

  • VKKK:

    Zum Teil gingen die Spenden für Sophie zudem an das Elternhaus des Vereins zur Förderung krebskranker und körperbehinderter Kinder VKKK Ostbayern, das in unmittelbarer Nähe zum KUNO-Gelände am Universitätsklinikum Regensburg liegt. Sophies Eltern profitierten, wie viele andere, von den kurzen Wegen zu ihren stationär untergebrachten Kindern und der besonderen Atmosphäre.

  • ZKRD:

    Die Daten aller potenziellen Stammzellspender aus allen deutschen Dateien werden beim ZKRD (Zentrales Knochenmarkspenderregister) in Ulm gesammelt und stehen in anonymisierter Form für die weltweite Spendersuche zur Verfügung.

Mitte Januar kommt Tag 180 nach der Transplantation – „da wird Sophie wieder komplett auf den Kopf gestellt“, sagt Eva Simonis. „Nach einem Jahr steht nochmals eine ganz große Untersuchung an. Jetzt wollen wir erst mal durchatmen und hoffen, dass weiterhin alles gut passt.“ Sophie erzählt, dass sie sich um einen Rehaaufenthalt für die ganze Familie bemühen. Im Sommer soll es nach Sylt gehen. „Wir hoffen, dass das klappt“, sagt Eva Simonis.

Ein Büchlein vom Christkind

Und danach soll auch Sophies Herzenswunsch in Erfüllung gehen –ein eigener Hund. „Da reden jetzt natürlich alle mit“, lacht Eva Simonis und schildert, dass die Entscheidungsfindung, welche Rasse am besten passt, so einfach nicht sei, wenn sechs Kinder und zwei Erwachsene mit ganz unterschiedlichen Vorstellungen aufeinander treffen. Sophie nimmt’s mit Humor.

In der Klinik habe sie einen Sonderstatus genossen „und alle sind ganz vorsichtig mit mir umgegangen“, sagt sie und schiebt nach „jetzt streiten wir wieder“. Dabei wirkt sie ganz zufrieden mit der Situation, zeigt die doch, dass Sophie ihren angestammten Platz in der Familie schnell wieder eingenommen hat.

„Wir sind da vor allem auch der Oma dankbar“, sagt Eva Simonis, „denn die hat dafür gesorgt, dass jeden Tag ein gemeinsames, warmes Mittagessen auf dem Tisch stand und war Dreh- und Angelpunkt zuhause, wenn jeweils ein Elternteil bei Sophie in der Klinik war. Und wir haben tolle Freunde. Die haben uns Kuchen und Nudelsuppe bis ins Klinikum nachgefahren!“

Bei den langen Krankenhausaufenthalten sind auch neue Freundschaften entstanden. Zu einem Mädchen aus dem Bayerischen Wald hält Sophie bis heute Kontakt.

Und sie hat angefangen, Tagebuch zu schreiben. Das neue Büchlein vom Christkind wird hoffentlich nur noch mit Einträgen über schöne Erlebnisse gefüllt werden.

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  • TM
    Thomas Meindl
    30.12.2017 20:21

    Endlich mal ein erfreulicher Artikel. Kenn Die Familie nicht, wünsch Ihnen aber von Herzen alles Gute

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