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Region Kelheim
Sonntag, 18. Februar 2018 4

Einigung

Der MSC und der TSV atmen auf

Wohnungen beim Hofbräu kommen, alle Sportveranstaltungen im Alten Stadion in Abensberg bleiben aber unangetastet.
Von Benjamin Neumaier

Die neuen Wohnungen entstehen angrenzend an das Alte Stadion – der Sportbetrieb des MSC und TSV soll davon unbeeinflusst bleiben. Foto: Satzl

Abensberg.Die Worte waren damals mit Bedacht gewählt: Wenn man nun in die Aufstellung eines Bebauungsplans für das Areal vom Hofbräu an der Stadionstraße einsteige, bedeute das nicht, dass der Bauwerber zu seinem Ziel komme, nämlich zwei Mehrfamilienhäuser mit je neun Wohneinheiten, anteiligen Gewerbeflächen, Tiefgarage und Stellplätzen zu bauen. Das sagte Abensbergs Bürgermeister Dr. Uwe Brandl in der Novembersitzung des Stadtrats im Jahr 2016.

Ein gutes Jahr später ist Gewissheit: Die 18 Wohnungen direkt am Alten Stadion kommen – das teilten Dr. Brandl und Hauptamtsleiter Peter Schmid auf Anfrage unseres Medienhauses mit. „Der Bauantrag liegt der Stadt Abensberg vor, wird genehmigt werden und dann an das Landratsamt weitergereicht“, sagt Schmid. Die zugehörige Satzung werde am 19. Januar öffentlich gemacht.

Wohnen und Gewerbe

  • Mischgebiet:

    Das Hofbräuareal am Alten Stadion, auf dem die Mehrparteienhäuser entstehen, „ist als Mischgebiet ausgewiesen“, sagt Josef Neumeyer. „Deshalb ist ein Anteil der entstehenden Einheiten auch als Gewerbeflächen ausgewiesen“.

  • Rückkauf:

    Neumeyer verkauft die komplette Grundstücksfläche, die sich an die Brauerei anschließt, an den Investor Victor Million, respektive die Harmonie Abensberg GmbH & Co. KG. Einen Teil der Flächen wird Neumeyer aber nach dem Bau wieder erwerben. „Es geht dabei vor allem um die Gewerbeflächen. So können wir garantieren, dass dort auch wirklich Gewerbe angesiedelt wird“, sagt er.

  • Wohneinheiten:

    An de Stadionstraße sollen Wohneinheiten mit einer Größe zwischen 54 und 125 Quadratmetern entstehen. Es werde generationengerecht gebaut. Deshalb werden auch rollstuhlgerechte Aufzüge installiert.

  • Zusammenarbeit

    : Josef Neumeyer betont, „dass alle Beteiligten, egal ob Investor, Stadt, Landratsamt oder Vereine, super zusammengearbeitet haben.“

Dass die Wohnbebauung wohl kommen würde, das wurde spätestens mit dem Aufstellen der Bautafeln am betreffenden Areal wahrscheinlich. Überraschender ist, dass alle Beteiligten in Zufriedenheit schwelgen – denn um die Pläne des Hofbräus und seines Investors Victor Million hatte es doch unterschiedlich starken Widerstand aus mehreren Richtungen gegeben.

Widerstand von TSV und MSC

Während TSV-Vorsitzender Max Guttenberger im Januar 2016 „massiven Widerstand“ gegen die Pläne des Bräu ankündigte, gab sich der Motorsportclub (MSC) im Ton moderater. Dessen Maßgabe, so sagte stellvertretender Vorstand Dominik Pecher damals, sei, erst mal abzuwarten war bei der Aufstellung des Bebauungsplans rauskomme.

Hofbräu Josef Neumeyer versicherte gegenüber unserer Zeitung zum damaligen Zeitpunkt, dass er sowohl dem TSV als auch dem MSC nach Vorbild der Wohnbebauung an der Münchener Straße in Sachen Gillamoos notariell versichern werde, dass deren Betrieb nicht tangiert werde. „Ich lasse da eine Grunddienstbarkeit eintragen“, versichert Neumeyer. Dies sei nun passiert, sagt Neumeyer auf Anfrage: „Alle Auflagen sind erfüllt – egal ob es behördliche Belange oder Vorgaben der Gutachter betrifft. Alle Notwendigkeiten des TSV und des MSC sind notariell abgesichert.“ Auch die Stadt Abensberg bestätigt dies auf Anfrage. „Der Sport kann im Alten Stadion in jeglicher Hinsicht stattfinden – im selben Umfang wie bisher auch“, teilte Dr. Uwe Brandl mit.

So ähnlich soll die Wohn- und Gewerbebebauung direkt am Alten Stadion aussehen. Quelle: Harmonie Abensberg GmbH & Co. KG

Das war anfangs nicht vollumfänglich klar, gerade beim Thema Immissionsschutz – also Lärmbelastung. „Laut Tabellenrichtwerten bewegten sich besonders die Speedway-Rennen deutlich im Belastungsbereich“, sagt Brandl. Deshalb wurde eine „belastbare Echtzeitmessung“ beim vergangenen Pfingstrennen des MSC durchgeführt. „Die war von den äußerlichen Bedingungen – also Fahreranzahl und Zuschaueraufkommen absolut repräsentativ –und hat zudem weit niedrigere Imissionswerte ergeben, als in den Kalkulationstabellen.“

Das war das Speedwayrennen an Pfingsten 2017:

Mit gebrochenem Fuß zum Sieg

Zudem wurde der Bauplan in Richtung Lärmschutz optimiert. Statt einzelner Mehrparteienhäuser wird nun ein sogenannter Riegelbau kommen. „Das hat den Vorteil dass die Freiräume zwischen den Häusern, die wie ein Lärmtrichter gewirkt hätten, zugebaut werden“, sagt Peter Schmid. Zusätzlich wurde das Innenleben der Wohnhäuser umgestaltet. Die Wohn- und Schlafräume wurden nach Süden ausgerichtet – und damit weg vom Stadion und er Ursache des Lärms. Dort befinden sich nu die sogenannten Nebenräume: Esszimmer, Gänge, Flure, Bad oder WC. „Das schafft einen zusätzlichen Puffer“, sagt Brandl. Zudem wird eine Lärmschutzwand entlang der Stehplatztribüne des Stadions und Fahrerlagers errichtet.

„Mit diesen Änderungen können wir und der Bauträger wunderbar leben“, sagt Josef Neumeyer. Das gilt auch für TSV-Vorsitzenden Max Guttenberger: „Der Sportbetrieb scheint abgesichert, der TSV nimmt keinen Schaden – damit bin ich zufrieden.“ Ganz geräuschlos geht das Projekt am TSV aber nicht vorbei: „Die Flutlichtanlage muss teils abgerissen, die Kabel, die aktuell teils unter der Tribüne laufen, müssen neu verlegt werden“, sagt Guttenberger. Für die Kosten komme aber der Bauträger auf.

Tribüne muss neu gebaut werden

Der beteiligt sich auch anteilig an den Kosten des Motorsportclubs. Denn der Bebauung auf dem Hofbräugelände fallen die Tribüne sowie der Startturm im Stadion zum Opfer – es muss Ersatz her. Dominic Pecher spricht deswegen von „einer kurzfristigen Verschlechterung der Situation. Wir haben bei unseren Speedwayrennen 2018 keine Tribüne. Dazu ist die Zeit einfach zu knapp. Wir hoffen auf das Verständnis der Zuschauer. Nach Pfingsten haben wir ein Jahr Zeit, eine neue Tribüne inklusive Startturm zu bauen“. Langfristig sieht er allerdings „eine Verbesserung der Situation, weil wir eine Tribüne nach unseren Vorstellungen umsetzen können“. Wie die aussehen und wo sie stehen soll, das sei noch nicht klar. „Wir können, insofern alle Zusagen eingehalten werden, gut mit der Situation leben“, sagt Pecher.

Tribüne und Startturm im Stadion müssen abgerissen an anderer Stelle neu gebaut werden. Foto: Archiv-xps

Auch der Hofbräu ist nicht nur traurig, dass die Tribüne weichen muss: „Einerseits ist sie schon ein Stück Abensberg, steht dort seit 1948. Andererseits wären einige Investitionen nötig gewesen, um sie zu erhalten.“ Dass Neumeyer beim Abriss dennoch die ein oder andere Träne verdrückt, könne aber durchaus vorkommen.

Geplanter Baubeginn am Alten Stadion ist Ende Januar, Anfang Februar. Bezugsfertig sollen die 18 Wohn- und Gewerbeeinheiten dann Ende 2018 oder Anfang 2019 sein.

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