mz_logo

Region Kelheim
Samstag, 25. November 2017 13° 3

Naturschutz

Die Donau-Auen rücken ins Blickfeld

Ringsum wird bereits öffentlich diskutiert, nun soll auch in Kelheim das Für und Wider eines Nationalparks ausgelotet werden.
Von Martina Hutzler

Feuersalamander sind typische Bewohner von Flussauen. Solchen gefährdeten Arten sollen Nationalparks ein Rückzugsgebiet bieten. Foto: dpa

Kelheim.Während andernorts öffentlich schon munter über das Für und Wider eines möglichen „Nationalparks Donau-Auen“ diskutiert wird, ist es in Kelheim noch auffällig ruhig. Das könnte sich allerdings bald ändern.

Im Juli 2016 hat die Staatsregierung das Projekt „np3“ beschlossen: Bayern soll einen dritten Nationalpark bekommen. Wo, das haben der Ministerrat und sein Chef Seehofer heuer im Juli eingegrenzt: entweder in der Rhön oder an der Donau. Mittlerweile haben die Kundschafter von Umweltministerin Ulrike Scharf ihren Radius etwas konkretisiert, bestätigt ein Ministeriumssprecher: „Momentan werden vor allem Auwaldbereiche und Abschnitte der Donau von der Lechmündung bei Donauwörth bis Kelheim in die Betrachtungen miteinbezogen.“ Und ganz neu sind jetzt die Isar-Auen zwischen Freising und Moosburg zusätzlich in den Blickwinkel gerückt.

Feuersalamander sind typische Bewohner von Flussauen. Solchen gefährdeten Arten sollen Nationalparks ein Rückzugsgebiet bieten. Foto: dpa

Diesen Vorschlag des Umweltausschuss-Vorsitzenden MdL Christian Magerl hat Scharf nach anfänglichem Zögern aufgegriffen: Heute findet bereits eine „Dialogveranstaltung“ mit Freisinger Politikern und Verbandsvertretern statt. Im Kreis Donau-Ries (Schwaben) und in Neuburg-Schrobenhausen (Oberbayern) hatte Scharf schon im Mai informiert.

Mitte November als Thema

Und in Kelheim? Sei so eine Veranstaltung „zeitnah“ in Planung, antwortet das Ministerium. Landrat Martin Neumeyer peilt „Mitte November“ für eine Infoveranstaltung im Kelheimer Kreistag an.

Dem Landrat, sagen Insider, kommt eine Schlüsselrolle zu in der Frage, ob die Auwälder zwischen Neustadt und Kelheim in die Nationalpark-Suche einbezogen bleiben. Anfangs, als München sämtliche große Staatswaldflächen im Landkreis ins Auge fasste, lehnte Neumeyer das kategorisch ab, im Einklang mit Staatsförstern, Waldbesitzern, Jägern, Bauern. Mittlerweile seien Paintner und Hienheimer Forst „definitiv“ vom Tisch, hat Neumeyer mehrfach versichert. Und gibt sich nun etwas aufgeschlossener: Kein grundsätzliches „Nein“ zu einem NP Donau-Auen, „aber wir müssen gut drüber reden“.

Wie lange? So lange wie nötig, weicht das Ministerium aus. Schließlich reichten die Themen „von der Diskussion einer möglichen Gebietskulisse, über spezifische Nutzungen, Wegekonzepte bis hin zu Fragen, die später in einer Nationalpark-Verordnung geregelt werden.“ Landrat und Ex-Landtagsabgeordneter Neumeyer schätzt, dass Seehofers Kabinett im März, April entscheidet, ob und wo „np3“ kommt.

Den Steigerwald hat Ministerpräsident Seehofer höchstselbst kategorisch als Nationalpark ausgeschlossen – zu groß waren ihm dort die Proteste.. Foto: Nicolas Armer/dpa

Die Neustädter MdL Johanna Werner-Muggendorfer dagegen glaubt, dass vor der Landtagswahl im Herbst 2018 keine Entscheidung fällt. Wobei sie selbst auch noch keine klare Meinung habe, gesteht sie: „Es fehlen ausreichend Infos für eine Entscheidungsgrundlage“, kritisiert sie.

Noch aber wird nach offiziellen Angaben aus München an einer „konkreten und belastbaren Gebietskulisse“ für die Donau-Region gearbeitet. Dabei gelte, „dass für einen dritten Nationalpark vorwiegend staatliche Flächen in Betracht kommen, wie Staatswälder oder staatliche Gewässer.“ Privat- oder Kommunalwaldflächen würden nur mit Zustimmung des Eigners einbezogen, bekräftigt ein Ministeriumssprecher.

Auwald-Park gibt es bislang nicht

Einem in Deutschland einmaligen Auwald-Nationalpark könnten jedenfalls auch Umweltschützer durchaus viel abgewinnen: Zumindest kurzfristig scheint er eher realisierbar als ein Buchenwald-Nationalpark, und naturschutzfachlich spricht vieles für die Donau-Auen.

Warum die Donau-Auen im Rennen sind

  • Aufsteiger:

    Als die Nationalpark-Debatte „np3“ startete, hatte kaum einer die Donau-Auen am Schirm. Doch Steigerwald, Spessart, Frankenwald schieden reihum am örtlichen Widerstand aus. Der ist an der Donau verhaltener, aus Neuburg-Schrobenhausen kommen sehr positive NP-Signale.

  • : Tatsächlich liegt das Gros der Masterplan-Projekte zwischen Donauwörth und Weltenburg sowie im Bereich Isarmündung – weil hier die artenreichsten, ursprünglichsten Gebiete liegen. So sind die 24 km Vohburg-Weltenburg Bayerns zweitlängster freifließender Donauabschnitt.

  • Vorarbeit

    : Wie eine Nationalpark-Bewerbung wirkt der „Masterplan Lebensraum Bayerische Donau“ – der indes lange vor der NP-Debatte begonnen wurde. Umweltministerium, Kommunen, Gewässer- und Umweltverbände haben ehrgeizige Projekte erarbeitet, um die Artenvielfalt zu erhöhen.

  • Status:

    In Kelheim ist die Weltenburger Enge bereits Naturschutzgebiet. In den Auwäldern von Ingolstadt bis Kelheim gibt es ein „Natura 2000“-Schutzgebiet; ferner Naturwald-Reservate (v.a. die Donauhänge im Hienheimer Forst) ohne forstliche Nutzung. (hu / Fotos: dpa, Umweltministerium, hu, pf)

Der vor kurzem vorgestellte „Masterplan Lebensraum Bayerische Donau“ liefert indirekt auch für einen Auwald-Nationalpark gewichtige Argumente. Foto: Umweltministerium

Dabei war Fachleuten auch klar, dass die ursprünglichen Pläne im Kelheimer Raum übers Ziel hinausgeschossen waren: als nämlich Staatswald bis hinauf zur Hochebene des Paintner Forsts zu einer möglichen Gebietskulisse „Donau-Auen“ ins Auge gefasst wurde. Ein Auwald-Nationalpark sollte denn schon mit der Flussaue in einem natürlichen Zusammenhang stehen, meint zum Beispiel Dr. Christine Margraf, Artenschutzreferentin beim Bund Naturschutz. Der Hienheimer Forst in Gänze sei beispielsweise „sicherlich nicht nationalpark-fähig“. Aber Weltenburger Enge, die Natura-2000-Flächen an der Donau, dazu das Naturwaldreservat „Donauhänge“ im Hienheimer Forst und somit insgesamt ein Gebiet, das vom Tal bis zu den Buchenwäldern auf dem Hochplateau über der Donau reicht: „das hätte schon Charme“, findet Margraf.

Die Weltenburger Enge ist als Naturschutzgebiet bereits streng geschützt; im Hienheimer Forst (rechts hinten) gibt es ein großes Naturwaldreservat. Foto: Hutzler

Als Kritikpunkt eines Auwald-NP gilt vielen, dass er zwangsläufig ein „Flickerlteppich“ wird, weil unterbrochen von besiedelten oder landwirtschaftlich genutztem Gebiet. Da müsse man realistisch sein, meint die Biologin Christine Margraf: „10 000 zusammenhängende Hektar an einem Fluss – die haben wir hierzulande einfach nicht mehr.“ Für eine Anerkennung in der höchsten Kategorie des UN-Nationalpark-Systems („IUCN“) wäre die Aufteilung in mehrere Gebiete kein Hindernis: Der Neusiedler See, ebenfalls in der höchsten Kategorie IUCN 2, besteht auch aus mehreren Teilgebieten, ergänzt Margraf.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht