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Region Kelheim
Mittwoch, 22. November 2017 10° 3

Tradition

Die ersten Spitzen sind bereits fertig

Vorbereitungen für den großen Spitzlmarkt in der Kelheimer Altstadt laufen. Renate Markl erinnert sich, wie es früher war.
Von Elfi Bachmeier-Fausten

Johanna Markl-Schuster und ihre Mutter zeigen für den Spitzlmarkt in der hauseigenen Backstube hergestellte Lebkuchenspitzen. Fotos: Bachmeier-Fausten

Kelheim. Die ersten Spitzen beim Betrieb Markl sind fertig – diese sind aus Lebkuchenteig am Wochenende in der Backstube hergestellt worden. Die 82-jährige Renate Markl und ihre Tochter Johanna Markl-Schuster kennen die Zeit vor dem großen Spitzlmarkt in der Kreisstadt Kelheim. Für die Traditionsveranstaltung wird eifrig gebacken – das rautenförmige Gebäck aus Lebkuchen- oder Biskuitteig.

Spitzlmarkt war für sie etwas Neues


Als Renate Markl 1956 durch die Heirat von Bäcker- und Konditormeister Hans Markl nach Kelheim kam, war für sie der Spitzlmarkt, der hier immer Ende Oktober (heuer wegen des Feiertags am Reformationstag 31. Oktober bereits am 30. Oktober stattfindet) ist, etwas Neues. Denn im Saarland, ihrem Geburtsland, gab es keinen Spitzlmarkt. Der Markl in dem historischen Haus in der Donaustraße war 1956 eine Bäckerei – und das seit 1872. Nach und nach war dann unter Hans Markl die Entwicklung zum Konditoreibetrieb. „Wir sind einer der ältesten Familienbetriebe in Kelheim.“

Einsatz: Der Aufbau für den Spitzlmarkt beginnt am 30. Oktober um 5 Uhr. Insgesamt fünf Beschäftigte der Stadt Kelheim werden Franziska Ipfelkofer (rechts) zufolge zum Auf- und Abbau Dienst haben. Im Vorfeld sind Kräfte des städtischen Bauhofes mit dem Aufbau von Buden und der Verkehrsbeschilderung beschäftigt.Archivfoto: eb

Auf die Frage nach ihren Erinnerungen an ihren ersten Spitzlmarkt in Kelheim vor über 60 Jahren antwortet Renate Markl: „Damals gab’s nur Hefespitzen in drei verschiedenen Größen“ – ab circa 200 Gramm aufwärts. Um 2 Uhr sei in der Backstube losgegangen. Ihr Mann und die Beschäftigten seien dort im Einsatz gewesen. Dort sei Hochbetrieb bis im Laufe des Vormittags gewesen. Renate Markl, die selbst den Beruf einer Textilverkäuferin gelernt hatte und vor ihrer Eheschließung bei der Konditorei Buchner in Straubing einige Wochen volontiert hatte, sagt: „Es war ein alter Brauch, Spitzen zu verschenken an Patenkinder oder Enkel.“

Die süßen Spitzen gibt es in verschiedenen Größen und für die verschiedenen Geschmäcker. Zum einen Biskuit mit Creme-Füllung. Aber auch Biskuit mit Marmeladenfüllung. Das rautenförmige Gebäck kann mit Schokolade oder Fondant überzogen sein. Auch Spitzen aus Lebkuchenteig werden hergestellt. Archivfoto: xes

Um 7 Uhr morgens seien die ersten Interessenten für Spitzen schon in den Laden gekommen – aus Kelheim und Umgebung, von Painten, Weltenburg, Stausacker, Saal ... Zur damaligen Zeit hätten sich die Leute über „Hefespitzen g’freit“ und Kunden hätten auch mehrere Stück gekauft. Die Spitzen aus Hefeteig habe sie auch gerne gegessen, so Renate Markl. Ihre Tochter Johanna Markl-Schuster, die heutige Chefin des Cafés Markl, sagt: „Die waren super gut.“ Wie die 82-Jährige sagt, war der Spitzlmarkt noch „viel kleiner“ als heutzutage. Die Kunden hätten den Spitzenkauf mit einem Marktbesuch verbunden. Renate Markl zählt die anderen Bäckereien auf, die es damals in der Kelheimer Altstadt noch gab: Küffner (jetzt Munz) in der Altmühlstraße, Sausgruber beim Altmühltor, Sturm am Alten Markt, Sippl in der Donaustraße, Simon Markl in der Ludwigstraße. Sie erwähnt auch die Konditorei Aman in der Donaustraße (jetzt Café am Donautor).

Beim Spitzlmarkt am Montag, 30. Oktober, ab 8 Uhr werden laut städtischer Veranstaltungsreferentin Franziska Ipfelkofer circa 130 Stände von den Besuchern anzutreffen sein. Das Angebot der Fieranten „ist vielfältig“ und reicht von Textilien, Haushaltswaren und Lederwaren bis hin zu Schmuck, Gewürzen, Honig und Geschenkartikeln. Archivfoto: xes

Aus gesundheitlichen Gründen von Meister Hans Markl hatte er ab 1978 den Betrieb an Klaus Dirscherl verpachtet, der zuvor bereits als Konditor bei Markl beschäftigt war. Unter dem Pächter sei es so weitergelaufen wie unter ihrem Mann – auch in der Spitzlmarktzeit. Ab 1988 führte die Familie selbst wieder die Markl-Konditorei und die Mutter Renate unterstützte noch. Auch wenn die Backstube nie zu ihrem Arbeitsbereich behört hatte, so habe sie doch „a bissl“ mitgeholfen. „Ich hab’ meinem Mann ab und zu geholfen.“ Die Seniorin: „Die Spitzlmarktzeit war eine schöne Zeit. Viel Arbeit, da hat sich immer etwas gerührt. Das macht einem jeden Spaß.“ Als die Markls Enkel bekamen, seien für diese Spitzen mit den jeweiligen Namen, die mit Schokolade aufgespritzt wurden, hergestellt worden.

Wie von Kelheims Stadtarchivar Dr. Wolf-Heinrich Kulke zu erfahren war, seien früher Märkte „an kirchliche Festtage gebunden gewesen“. Der Spitzlmarkt „ist offenbar aus dem ,Wolfgangimarkt’ hervorgegangen, der seit 1808 am 31, Oktober abgehalten wurde. Der 31. Oktober 994 ist der Todestag des Heiligen Wolfgang.Archivfoto: eb

Die Spitzlmärkte in sind im Laufe der Jahrzehnte immer größer geworden. Zu einem Marktbesuch ist Renate Markl einst selten dazugekommen, da sie im eigenen Geschäft im Einsatz war. Ab und zu habe sie kurz auf dem Markt gesehen. Wie die Kelheimerin erwähnt, habe sie auf dem Spitzlmarkt „Kleinigkeiten oder Neuheiten“ gekauft.

Hoffen auf freie Straßen

In knapp einer Woche findet der traditionelle Spitzlmarkt in der Kelheimer Altstadt wieder statt. Und dafür laufen nicht nur bei Markl die Vorbereitungen. Und freut sich Renate Markl schon auf den Spitzlmarkt? „Wir hoffen im Stillen, dass alle Straßen und Brücken wieder frei sind und die Leute wieder in die Altstadt kommen.“ Sie fügt hinzu, auch auf schönes Wetter zu hoffen. Die 82-Jährige hat sich vorgenommen, den Traditionsmarkt zu besuchen. „Ich möchte schon durchgehen.“ In der Markl-Backstube ist reger Betrieb vor dem Spitzlmarkt. Mehrere hundert süße Spitzen werden vom Personal hergestellt. Auf Blechen in der Backstube sind die fertigen Lebkuchenspitzen, säuberlich abgedeckt. Ab Freitag und am Samstag stünden Creme-Spitzen und am Sonntag die Biskuitspitzen auf dem Arbeitsprogramm, so Johanna Markl-Schuster.

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