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Donnerstag, 23. November 2017 10° 4

„Tisch“

Die Not Bedürftiger sorgt Ehrenamtler

Nach der Schließung des „Tischs“ in Bad Abbach hoffen Engagierte, dass es irgendwie weiter geht. Doch wer soll’s leisten?
Von Martina Hutzler

Die Lebensmittel-Ausgabe ist nur ein kleiner Teil der Arbeit: Das Organisieren, Verladen und Herrichten der Ware ist höchst aufwendig. Foto: dpa

Bad Abbach.Für den jetzt geschlossenen „Tisch“ von Bad Abbach müsste dringend ein Ersatz her: Darin sind sich die Organisatoren der umliegenden „Tafeln“ einig. Aber auch in der Einschätzung: Wir können das nicht noch zusätzlich übernehmen. Für eine Vor-Ort-Lösung setzt sich unter anderem Christine Gansbühler ein, Leiterin der Regensburger „Tafel“. Sie habe dazu auch schon Kontakt mit dem Bundesverband aufgenommen.

Rund 150 Berechtigungsscheine

Bei rund 150 Berechtigungsscheine, die in Bad Abbach ausgegeben gewesen seien, könne man rechnen, dass insgesamt 450 bis 600 Menschen vom „Tisch“ mit versorgt worden sind, schätzt Gansbühler. Gerade für ältere Kunden wäre es schwierig, stattdessen nun nach Kelheim oder Regensburg zu fahren – abgesehen davon, dass die dortigen Einrichtungen eh restlos ausgelastet sind und keine neue Kunden mehr aufnehmen können.

Grundsätzlich möglich wäre, dass eine bestehende „Tafel“ in Bad Abbach eine Außenstelle einrichtet. Vielerorts in Deutschland werde das so gehandhabt, erklärt eine Sprecherin vom Dachverband „Tafel Deutschland“; diese Option zu prüfen, empfiehlt der Dachverband nach ihren Worten auch, wenn irgendwo eine neue Einrichtung geplant ist. Eine Neugründung als eigenständiger Verein sei grundsätzlich auch möglich – aber nur, wenn der zuständige Landesverband zustimmt. Der wiederum klärt vor Ort ab, ob die bereits bestehenden „Tafeln“ im Umkreis einverstanden sind. Damit will man zum einen vermeiden, dass die Einrichtungen um Lebensmittelspenden konkurrieren. Und zum anderen, dass die Tafeln in der öffentlichen Wahrnehmung allmählich als allgegenwärtig und selbstverständlich wahrgenommen werden: Wir können nur die größte Not lindern und nicht flächendeckend arbeiten – das betonen haupt- wie ehrenamtliche Mitarbeiter unisono.

Tafel-Landschaft

  • Bestand:

    In Deutschland gibt es aktuell fast 940 „Tafeln“, die mit ca. 60 000 Ehrenamtlern insgesamt über 2000 Ausgabestellen betreiben.

  • Trend:

    Stark gestiegen ist die Zahl der Tafeln nach der Arbeitsmarkt-Reform 2005 („Hartz IV“-Einführung). Seither hat sich der Bestand eingependelt.

  • (Quelle: Dachverband „Tafel Deutschland“)

Ebenso einhellig bekunden die „Tafel“-Organisatoren im Kreis Kelheim, dass es dringend nötig wäre, ein Angebot in Bad Abbach weiter aufrecht zu erhalten, wenn die Nachfrage ja offenbar vorhanden ist. Aber Ehrenamtler wie Sebastian Hobmaier aus Saal oder Rudi Buchner aus Abensberg machen auch klar: Mehr als eventuell Starthilfe zu leisten, das schaffen die bestehenden Einrichtungen nicht mehr.

Falls es vor Ort weitergehen soll, wird die Frage also sein: Finden sich in Bad Abbach selbst genügend Ehrenamtliche? Eine ehemalige Helferin beim „Tisch“ ist vorsichtig optimistisch, dass sich das bisherige Ehrenamtler-Team reaktivieren ließe.

Lächeln und Essen herschenken

Freilich sei das bis dato von hauptamtlichen Kräften des bisherigen „Tisch“-Betreibers Obermüller stark unterstützt worden. Mehr als das bisherige gute halbe Dutzend Ehrenamtler würden also sicher nötig, um eine „Tafel“-Ausgabe in der Marktgemeinde dauerhaft weiterzubetreiben, schätzt die frühere Mitarbeiterin. Denn „mit einem Lächeln Bananen herschenken: Damit ist es nun wirklich nicht getan“.

Die Lebensmittel-Ausgabe ist nur ein kleiner Teil der Arbeit: Das Organisieren, Verladen und Herrichten der Ware ist höchst aufwendig. Foto: dpa

Die Warenausgabe sei das Wenigste: Waren akquirieren, sie ein- und ausladen, sortieren und herrichten – das ist es, was die Arbeit zeit- und kraftaufwendig mache. Und gemeindliche Unterstützung wäre zwar wünschenswert, sei aber kaum zu erwarten.

Andererseits tut es ihr und anderen bisher Engagierten in der Seele weh, dass die bisherigen Kunden nun ohne dieses Hilfsangebot dastehen. „Wir wissen ja, dass der Bedarf da ist. Gerade bei älteren Frauen oder Alleinstehenden mit Kindern“.

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