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Region Kelheim
Sonntag, 24. September 2017 20° 4

Projekt

Dieser Unterricht ist echt museumsreif

Auf die Arbeiten von Kelheimer Donau-Gymnasiasten warten schon die Mitarbeiter des neuen Bayern-Museums in Regensburg.
Von Martina Hutzler

Cornelius Mühlich hat am elterlichen Hof historisches Werkzeug gefunden – und führt seinen Mitschülern gleich mal vor, wie früher eine Sichel gedengelt wurde. Foto: Hutzler

Kelheim.Ferien hin oder her – für Cornelius und seine Mitschüler im P-Seminar von Edith Kufner gibt es auch den Sommer über einiges zu tun. Die Zeit drängt; nicht nur, weil für die Donau-Gymnasiasten ab Ende des Jahres dann die Abitur-Vorbereitung an erster Stelle rücken wird. Sondern auch, weil Dr. Andreas Kuhn vom neuen Regensburger „Museum der Bayerischen Geschichte“ mit Spannung auf die Beiträge der Kelheimer Schüler wartet. Das Praxis-Seminar „Ab ins Museum – Geschichte Kelheims um 1900“ ist gleichzeitig ein Pilotprojekt für die Museumsmacher, initiiert von Oberstudienrätin Kufner.

Zum Museum, das derzeit am Regensburger Donau-Ufer entsteht, wird eine „Bavariathek“ gehören, mit einem digitalisierten Medienarchiv, Online-Angeboten und einem museumspädagogischen Programm für interaktives und digitales Lernen. Teil dieser Bavariathek wird eine „Medienstation“ sein, in der man digitale Infos über alle 2056 bayerischen Gemeinden finden kann, erklärt Kuhn. Mithilfe der Kelheimer Schüler wollen er und seine Kollegen testen, ob und wie das Museum für die Bestückung dieser Gemeinde-Datenbank mit Schulen zusammenarbeiten kann.

Cornelius Mühlich hat am elterlichen Hof historisches Werkzeug gefunden – und führt seinen Mitschülern gleich mal vor, wie früher eine Sichel gedengelt wurde. Foto: Hutzler

Keine Daten, sondern Handfestes bringt Cornelius Mühlich kurz vor den Ferien mit ins Klassenzimmer: ein Butterfassl, eine Sichel und ein Bügeleisen; Fundstücke vom heimischen Hof in Kapfelberg. Die Sense zum Beispiel, „die hat der Opa noch verwendet“, weiß er. Die P-Seminaristen besprechen mit Oberstudienrätin Kufner, was sie, in Arbeitsgruppen, bisher erforscht haben. Jede Gruppe hat einen Teilaspekte der Heimatgeschichte um 1900 gewählt. Mobilität ist ein Thema, der Tourismus damals, die Modernisierung und Elektrifizierung der Stadt, die Landwirtschaft – und: das „Kaiserjahr“.

Für ihr Museumsprojekt tragen die Kelheimer P-Seminarler Infos und auch echte Exponate zusammen. Zum Beispiel ein altes Butterfassl.

Anna Hendlmeier und Magdalena Paintner spüren jenem Jahr 1913 nach, in dem ganz Deutschland auf Kelheim blickte: Das 50-jährige Bestehen der Befreiungshalle wurde ausgiebig gefeiert; im August reiste sogar Kaiser Wilhelm II. nach Kelheim, König Ludwig III. und viele weitere Regierungsvertreter. „Das Fest hat drei, vier Monate gedauert – und extrem viel gekostet, weil so viele Leute kamen“, berichtet Anna. Die beiden haben im Kelheimer Archiv die Titelseite des damaligen Satireblattes „Simplicissimus“ abfotografiert: Es machte sich unter dem Motto „Die Verlegenheit Kelheims“ lustig drüber, dass die Stadtväter in Geldnöten waren.

Anna Hendlmeier und Magdalena Paintner erforschen das „Kaiserjahr“ 1813, in dem Honoratioren aus ganz Deutschland der Kelheimer Befreiungshalle ihre Aufwartung machten. Foto: Hutzler

Auch, dass damals „Tausende Polizisten da waren, die teils bei den Kelheimern im Haus gewohnt haben“, haben die zwei Schülerinnen schon herausgefunden. Trotzdem überlegen sie, nochmal in die Staatsbibliothek zu fahren, um weiteres Material zu sammeln. „Konzentriert Euch darauf, wie das Kelheimer Kaiserfest in Deutschland und der Weltöffentlichkeit wahrgenommen wurde“, rät ihre Lehrerin.

Edith Kufner hat das P-Seminar in Absprache mit den Museumspädagogen konzipiert. Foto: Hutzler

Auch für Edith Kufner ist so ein P-Seminar eine Umstellung: „Man muss sich selbst zurücknehmen – als Lehrer gar nicht so leicht“, gesteht sie lachend, „und drauf hoffen, dass von den Schülern was kommt“. Die Motivation sollte immerhin da sein: Die Schüler können wählen, bei welchem Lehrer und welchem seiner vorgeschlagenen Themen sie ihre Seminar-Pflicht erfüllen. Im Gegenzug lerne man die Jugendlichen mal nicht nur in der Zuhörerrolle kennen, sondern erfährt, wie sie arbeiten, wofür sie sich interessieren, so Kufner.

Dessen sollen sich die 16-, 17-Jährigen auch selbst bewusst werden. Das „P-Seminar“ dient ausdrücklich auch der Berufsorientierung – auch die MZ-Reporterin bekommt daher während des Seminars einige Fragen zum Journalisten-Beruf gestellt.

Für Geschichte, ja: dafür interessieren sich alle, die im Seminar der Deutsch-, Geschichte- und Sozialkunde-Lehrerin Kufner sitzen. „Mich fasziniert, was in der Heimat so los war“, sagt Anna. Ob daraus freilich ein Studium, ein Beruf werden soll, weiß sie noch nicht. Auch Kevin kam über sein Interesse für Geschichte ins Seminar. Seit er nachforscht, wie die Stadt ihr erstes Elektrizitätswerk bekam – an der Donau mit Wasserturbinen betrieben –, „beeindruckt mich auch, wie rapide sich die Technik gewandelt hat“, schildert er.

Neue Wege für die Geschichte

  • Das Museum:

    Am Regensburger Donaumarkt, nahe der Eisernen Brücke, Donau-Ufer wird derzeit das neue „Museum der Bayerischen“ gebaut. 2018 soll es fertig sein – pünktlich zum 100-jährigen Bestehen des Freistaats Bayern und zum 200. Geburtstag der Verfassung des Königreichs.

  • Der Zeitplan

    : Das Haus der Bayerischen Geschichte, will sein Regensburger Museum zweiteilig eröffnen: Das Gebäude soll am 9. und 10. Juni mit einem Fest präsentiert, die Dauerausstellung im November eröffnet werden. Wegen eines – absichtlich gelegten – Brandes steht der Plan aber auf der Kippe.

  • Die Aufteilung:

    Die Dauerausstellung im Museums-Hauptgebäude soll Bayerns Weg zum Freistaat, in die Moderne zeigen. Nebenan entsteht mit der Bavariathek ein multimediales Schulungszentrum und ein großes Medienarchiv, das historisches Material auch online zugänglich macht.

  • Das Pilotprojekt:

    An „Medienstationen“ in der Mediathek sollen im Lauf der Jahre alle 2056 Gemeinden Bayerns präsentiert werden. Ob das Museum dies zusammen mit Schülern umsetzt, soll das Pilotprojekt mit dem Donau-Gymnasium Kelheim zeigen, erklärt Projektbetreuer Dr. Andreas Kuhn. (hu)

„Die Geschichte vor Ort erforschen“: Diese im Lehrplan sonst recht kurz gehaltene Option war es, die Edith Kufner mit ihrem P-Seminarangebot bieten wollte. Konzipiert hat sie es in Absprache mit den Verantwortlichen fürs pädagogische Konzepts des neuen Museums. Denn dass die Arbeit der Jugendlichen in Beiträge fürs Museum münden sollen, erhöht die Motivation, hofft sie. Zwar sei nicht gesagt, dass alle Texte, die die Schüler in den nächsten Monaten fertigstellen, tatsächlich von den Museumsverantwortlichen übernommen und digitalisiert werden. Aber eines trifft für alle zu: „Wir haben viel über die Region hier gelernt“ – da schließt Edith Kufner auch sich selbst ein.

Einen Bericht über den Zeitplan für das neue Museum, den eine Brandstiftung gehörig durcheinandergebracht hat, lesen Sie hier!

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