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Donnerstag, 19. Oktober 2017 19° 3

Abenteuer

Dschungeltrip endet auf Kakaoplantage

Florian Gabelsberger übernachtet unfreiwillig am Rande des Dschungels – macht dabei aber eine lohnenswerte Entdeckung.
Von Benjamin Neumaier

  • Mit Gummistiefeln ging es mitten durch den unberührten Dschungel Nicaraguas. Foto: Gabelsberger
  • So entsteht Schokolade – die nutzt Gabelsberger nun in der Bäckerei. Foto: Gabelsberger
  • Vor dem Trip in den Dschungel besichtigte Gabelsberger das Kolonialfort „El Castillo“. Foto: Wikimedia
  • Aus den Früchten des Kakaobaumes wird Schokolade gewonnen. Foto: dpa
  • Das Hotel Victoria am Rande des Dschungels. Foto: Gabelsberger

San Carlos.Florian Gabelsberger erlebt in Nicaragua – dort arbeitet der Abensberger Bäcker- und Konditormeister drei Monate ehrenamtlich für die Stiftung Brot gegen Not – eine Überraschung nach der anderen: Stromausfälle, Regen, der durch die Decke seiner Behausung tropft oder ein überraschendes Treffen mit Langquaids Ex-Bürgermeister Sepp Bergmann. In der vergangenen Woche bekam er eine neue Kollegin an die Seite gestellt – und wäre mit ihr beinahe im nicaraguanischen Dschungel verschollen. Letztlich machte er dabei aber eine Entdeckung, die sich auch für die Panaderia Pantzin, seinen Arbeitsplatz, auszahlt.

Auswanderin als Unterstützung

Wieder gut in seiner Übergangs-Heimat San Carlos angekommen, erzählt der 31-Jährige: „Brot gegen Not hat mir eine frisch ausgelernte Konditorin, Heidi Weis, zur Seite gestellt – nicht weil sie an meinen Konditor-Fähigkeiten zweifeln, sondern weil Heidi in Chile geboren wurde und sie als Native speaker sprachlich besser an die Belegschaft rankommt.“

Florian Gabelsberger mit seiner neuen Kollegin Heidi Weis. Foto: Gabelsberger

Weis’ Urgroßeltern waren von Deutschland nach Chile ausgewandert – deshalb wurde in der Familie immer deutsch und spanisch gesprochen. Zudem habe die 37-Jährige in Chile eine deutsche Schule besucht. Seit elf Jahren lebt sie nun in Hannover und bezeichnet Deutschland als ihre neue Heimat. „So können wir nun richtigen Berufsschulunterricht machen und den Bäckern hier auch das Backen in der Theorie etwas näher bringen“, sagt Gabelsberger. „Denn bisher wurden manche Arbeiten zwar erledigt, weil der Deutsche es so wollte, aber meine nicaraguanische Kollegen haben nicht wirklich verstanden, was der Grund dafür ist.“

Nachdem sich die neue Konditorin eingelebt hatte, entschlossen sich die beiden die Umgebung von San Carlos zu erkunden, sagt Gabelsberger. „Auf Anraten von Sepp Bergmann haben wir uns für einen Tagesausflug nach El Castillo entschieden. Das ist eine Burgruine, mit der die Spanier Piraten abhielten, weiter ins Landesinnere zu fahren und die reichen Städte am Nicaraguasee zu überfallen.“

Und so ging es an einem Samstagmorgen los – drei Stunden Bootsfahrt warteten. „Am Bootsanleger um 7.30 Uhr angekommen und stellten wir fest, dass das Boot um 8 Uhr ablegt. Wir sind schnell zur Bäckerei gelaufen, haben uns etwas Gebäck und Wasser mitgenommen und 20 Minuten später waren wir auf dem Boot“, sagt Gabelsberger.

Puddingschnecke bricht das Eis

Beim Aussteigen in El Castillo treffen die beiden Konditoren auf drei deutsche Mädels. „Die machen ein soziales Jahr in Costa Rica und sind zehn Tage in Nicaragua auf Urlaub. Als ich ihnen erzählte, dass wir in einer deutschen Bäckerei arbeiten, waren sie hoch erfreut und haben sich sofort nach der Lage und den Öffnungszeiten erkundigt – um sich bei der Rückreise mit Backwaren einzudecken.“ Als der Abensberger ihnen eine Puddingschnecke aus seinem Proviant kredenzt, war das Eis gebrochen.

Die Wege trennen sich, doch es sollte ein schnelles Wiedersehen geben. „Nach ein paar Metern in El Castillo, hören wir jemand auf deutsch nach uns rufen – es war eines der Mädchen. Sie erklärte uns, dass sie eine Indio-Maiz-Wanderung machen, das ist eine Tour durch den Dschungel, der bisher von Menschen verschont geblieben ist, leider aber ein gewisser Teil dem Kanalbau zum Opfer fallen wird.“ Das hörte sich für Gabelsberger „super n, aber wir hatten nur kurze Hosen, T-Shirt und Flip-Flops dabei. Dennoch machten wir eine Treffpunkt um halb eins ab Bootsableger aus.“ Nach eineinhalb Stunden auf El Castillo hatten die beiden Panaderos die Insel besichtigt „und da es nichts mehr anzusehen gab und Heidi die Idee mit der Dschungelexpedition gut fand packte überredete sie mich, auch mitzukommen. Ich sollte etwas spontaner sein und nicht so deutsch“, sagte sie.

Zusammen mit drei deutschen Touristinnen und einer „Nica“ als Guide wagten sich Gabelsberger (hinten) und Heidi Weiß (l.) in den Dschungel. Foto: Gabelsberger

Im Dorf deckten sich die beiden provisorisch für die Dschungeltour ein. Gummistiefel seien dabei unerlässlich, erklärten die Einheimischen – für sechs Dollar pro Paar waren die aber schnell gekauft. „Moskitoschutz haben wir von den Mädels erhalten und schon ging es los in den Urwald.“

Nach 30 Minuten war das Reservat erreicht und mit der Tochter des Bootsfahrers stapfte die kleine Gruppe vier Stunden durch den fast knietiefen Matsch – eingesäumt von einzigartiger Flora. „Anschließend hieß es Gummistiefel waschen und zurück nach El Castillo, denn das 2 Uhr-Boot hatten wir schon verpasst. Das nächste sollte um 5 Uhr ablegen. Das mussten wir erwischen, denn sonst müssten wir ohne Wechselwäsche, Geld und Schlafplatz einen Tag überbrücken. Jeder hatte nur noch etwas Geld für die Bootsfahrt eingesteckt.“

In der Uhrzeit vertan: Boot verpasst

Als der Abensberger dies seiner Kollegin mitteilte, kam die aus dem Schmunzeln gar nicht mehr heraus. „Denn sie wusste da schon, dass ich mit meinen rudimentären Spanischkenntnissen etwas falsch verstanden hatte. Das Boot zurück nach San Carlos ging zwar um 5 Uhr – aber erst am Morgen. Nachdem sie mir das mitgeteilt hatte, habe ich ihr in meiner deutschen Eigenart vorgerechnet, dass unser Geld nicht mal für ein Abendessen reicht, geschweige den für eine Unterkunft“. Doch Weis beruhigte Gabelsberger, indem sie auf ihre Kreditkarte hinwies.

Zurück an Land erwies sich die Suchen nach eine Geldautomaten als vergeben Liebesmüh. „Die Hoffnung auf ein Hotel, das in einem 1000-Einwohner-Dorf am Rande des Regenwalds Kreditkarten akzeptiert, hatte ich auch schon aufgegeben“, sagt Gabelsberger. „Aber im besten Haus des Dorfes wurden wir fündig und obwohl wir von oben bis unten voller Matsch waren und Gummistiefel unser einziges Gepäck waren, wurden wir herzlich aufgenommen“. Als sich die beiden bei der Chefin des Hauses als Panaderos aus San Carlos verstellten, reduzierte die Chefin des Hauses den Zimmerpreis von 46 auf 35 Dollar. „Sie kenne die Bäckerei, hole dort montags regelmäßig Frühstücksbrötchen“, sagt Gabelsberger.

Im Hotelzimmer wartete eine heiße Dusche – die erste für Gabelsberger seit er in Nicaragua angekommen ist – und die nächste Überraschung. „Ich habe Heidi gebeten, sie solle doch gleich die Rechnung zahlen, da wir am nächsten Tag ja schon vor 5 Uhr weg müssen. Heidi ging los und noch bevor ich duschen gehen konnte kam sie zurück – mit verunsichertem Blick.“ Es stellte sich heraus, dass sie keine Kredit- sondern nur eine deutsche Bankkarte im Gepäck hatte. Geld war also wieder Mangelware – doch das sollte sich schnell klären. „Nach zehn Minuten, kam Heidi wieder und meinte, es sei alles geklärt, wir könnten übernachten, im hauseigenen Restaurant essen und die Chefin habe uns sogar noch etwas Bargeld für die Rückfahrt mitgegeben. Wir könnten alles am Montag bezahlen, wenn sie ihre wöchentliche Ration an Brötchen in San Carlos holt.“

Nach einem sehr guten Essen und noch einem tollen Gespräch mit der Chefin, lud sie die beiden Panaderos noch auf eine Überraschung in die Küche ein. „Sie hat nämlich eine eigene Kakaoplantage hinterm Haus und stellt Schokolade her. Das war für uns als Konditoren super interessant und da die Schokolade sehr gut schmeckte, habe ich sie gleich gefragt ob wir nicht ins Geschäft kommen könnten. Denn wir verarbeiten in San Carlos eine sehr teure Schokolade – 25 Dollar kostet das Kilo – und können deshalb kaum Produkte damit herstellen. Ab jetzt kaufen wir ihre Schokolade – für zehn Dollar das Kilo. Damit arbeiten wir nicht nur günstiger, sondern kaufen auch gleich in der Region. Und so brachte eine Überraschung eine Wochenende voller Überraschung zu Ende. “

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